CD-Tipp: Aziza Brahim (Westsahara) – Abbar El Hamada

Abbar-el-HamadaDas neue Album Abbar El Hamada („Durch die Hammada“) der Musikerin und politischen Aktivistin Aziza Brahim aus der Westsahara ist ein fesselndes und mitfühlendes Statement über und für die turbulente Zeit, in der wir leben.

Aufgewachsen ist Aziza in einem Sahrawi Flüchtlingscamp in der algerischen Wüste und lebt seit mittlerweile zwei Jahrzehnten im Exil – erst auf Kuba und später in Barcelona. Brahims Leben und Musik ist exemplarisch sowohl für die Tragödien als auch die Hoffnungen der heutigen Migranten und Flüchtlinge. In einer Zeit, in der die Mauern und Grenzen in ganz Europa und darüber hinaus wieder aufgebaut werden, wirken Aziza Brahims leidenschaftliche Songs wie mit großem poetischem Trotz befeuert und damit sehr aktuell.

Der Song “Los Muros” (Die Mauern) beschreibt eine Wüstentraumlandschaft und steht symbolisch für Azizas Kunst. Der Text verurteilt zuerst die künstlich errichteten marokkanischen Sandwälle an der Grenze zur West-Sahara, die die Sahrawi daran hindern sollen, in ihr Heimatland zurückzukehren, wandelt sich dann aber zu der Erkenntnis, dass Wände und Wälle zwar etwas universal Tragisches an sich haben, unsere Phantasie und Vorstellungskraft uns aber dabei unterstützen sie zu überwinden.

Another fleeting star was seen

Crossing the wall tonight,

Undetected by the radar,

Unnoticed by the guard.

On the land and the sea

The walls keep rising still.

Brahims Vorgängeralbum Soutak wirkte schon mit großen Schritten darauf hin, ihre Botschaft der Befreiung und des Widerstands zu verbreiten. Das Album führte drei Monate lang die World Music Charts Europe an und nahm dort auch Platz 1 der Jahrescharts 2014 ein. Songlines kürte es zu einem „Top 10“-Album des Jahres und ein Auftritt in der mittlerweile schon legendären britischen Fernsehshow Later With Jools Holland sowie Tourneen in Europa und anderswo folgten.

Tourdaten 2016:

26.04.2016 GB-London / Royal Albert Hall, Elgar Room

27.04.2016 Berlin / Yaam

05.05.2016 Wiesbaden / Schlachthof

06.05.2016 CH-Fribourg / La Spirale

07.05.2016 Reutlingen / franz K.

08.05.2016 Westerburg / Musik in alten Dorfkirchen

09.05.2016 Köln / Studio 672

11.05.2016 München / Ampere

Während auf Soutak der musikalische Einfluss ihres Wohnorts Barcelona klar erkennbar war, wurde er auf dem neuen Album Abbar el Hamada mit Sounds aus Westafrika erweitert. So sind neben dem senegalesischen Percussionisten Sengane Ngom und dem in Gambia und dem Senegal ausgebildeten Schlagzeuger Aleix Tobias sowie dem Gitarristen Kalilou Sangare aus Mali auch der Bassist und Arrangeur Guillem Aguilar und der Gitarrist Ignasi Cussó auf dem Album zu hören. „It is meant to be a diverse, powerful album,” so Aziza Brahim, „where Saharawi traditional rhythms (such as Asarbat and Sharaa) are mixed with drums and rhythms from West Africa (particularly Senegal) and of course Mediterranean sounds and rhythms also.” Aufgenommen wurde im Sommer 2015 in Barcelona unter der Ägide des Produzenten Chris Eckman (Bassekou Kouyaté, Tamikrest).

Vom pulsierenden Wüstenrock des Songs „Calles de Dajla“ zu den afrokubanischen Anklängen von „La Cordillera Negra“, die 1970er Aufnahmen der Super Rail Band aus Mali heraufbeschwören, von der düsteren Eleganz in „El Canto Del La Arena“ bis zur rauen Ballade „Mani“, bei der der malische Blues-Meister Samba Touré an der Gitarre zu hören ist, reflektieren Musik und Texte auf Abbar el Hamada immer die rastlose Suche nach Heimat.

„Hammada“ ist das Wort, das die Sahrawis benutzen, um die steinige Wüstenlandschaft an der Grenze zwischen Algerien und der Westsahara zu beschreiben, wo Zehntausende in menschenunwürdigen Flüchtlingscamps gestrandet sind. „For me, Abbar el Hamada (Across the Hamada) is a title that synthesizes our destiny as a country over the last 40 years”, erklärt Aziza. “We are suffering an injustice that condemns us to try and survive in an environment as inhospitable as the Hamada.”

Als sie kürzlich gefragt wurde, wie sie ihre musikalische Mission beschreiben würde, war Azizas Antwort: „I’m not able to separate politics, cultural and personal concerns. So, the focus of my music is all of these areas at the same time. Political, because of its commitment to the denunciation of social injustice. Cultural, because it searches for new musical ideas. Personal, because it expresses the worries of a person that aspires to live with dignity in a better world.”

Innovation, die nackte Wahrheit, Bescheidenheit und politischer Aufschrei, das sind die Grundelemente von Aziza Brahims musikalischer Vision. Auf ihrem neuen Album bringt sie diese Elemente zusammen und formt sie zu einem tief inspirierten und äußerst inspirierenden Werk.

A look around me after forty years of occupation, of exile, of diaspora. A conversation. A discussion between emigrants, refugees and stationaries; between patriots, expatriates and the stateless; between placed, postponed and displaced; between nomads and the sedentary; between Saharan, sub-Saharan, north Saharan and Saharawis. A conversation between countries, between cultures, between generations, between tribes, between beliefs, between people. People with no other resources than the word, their voices and the skin of their hands and drums. With no other intention than to change the situation by means of music, by means of the imagination, even if it is barely for a moment. Through the fences, the barriers, the camps, the iron bars, the walls, the barbed wire, the seas, the mountain ranges, the rivers, the borders. Across the Hamada. (Aziza Brahim)

Weitere Informationen:  http://www.azizabrahim.com/, https://www.facebook.com/aziza.brahim.official

 (ubcomm.de)