CD-Tipp: Gambari Band aus Mali, „Kokuma“

KokumaMusik ist ein Gefühlsverstärker. Liebe, Lachen, Tragödien, Triumphe und vieles mehr sind die emotionalen Zutaten auf „Kokuma“, dem Debütalbum der Gambari Band. Diese fantastische neue Gruppe aus Bamako in Mali, Westafrika, war einmal (mehr oder weniger) „NgoniBa“ hinter Bassekou Kouyaté. Seit der Trennung von ihrem Onkel/Cousin/Bruder im Jahre 2012 hat dieses neunköpfige Ensemble mit Künstlern wie Brian Eno oder Damon Albarn und seinem „Africa Express“ gespielt und hält außerdem jeden Samstagabend das Publikum in Habib Koités „Hotel Maya“ in Bamako in Atem.

Ihren unverwechselbaren Sound, zugleich erdig und erhaben, würdevoll, und spielerisch, spinnt die gezupften Saiten der Ngoni – die traditionelle Laute der malischen Griots, meisterhaft gespielt von Bandleader Barou Kouyaté– um wunderschöne Gesangsharmonien und diverse (Poly) Rhythmen, wie etwa den des „Gambari“ nach dem sich die Band benannt hat. Man findet so viel Licht und Liebe in diesem herrlichen Dutzend neuer und etwas traditionellerer Lieder von Gambari Band, dass es kaum eine Chance für Wolkenbildung geben kann, wenn diese Musik in der Luft liegt.

Es war ein zufälliges Treffen im Juli 2010 in Seattle, Washington, das schließlich zu diesen Aufnahmen führte. „NgoniBa traten in einem kleinen Club namens Neumos aus“, erinnert sich die Produzentin Mell Dettmer. „Nach der Show blieben ein paar Freunde und ich länger und unterhielten uns mit der Band. Wir verstanden uns gut und scherzten über einen Besuch in Mali. Wie es der Zufall wollte, flog ich tatsächlich im September und Oktober des Jahres mit den gleichen Freunden nach Mali–und wir trafen Barou Kouyatezufällig im Nachtclub „Le Diplomat“ in Bamako.“ Dettmer, die auf eine beeindruckende Diskographie zurückblickt und schon mit Musikern wie Eyvind Kang, Femi Kuti, Bill Frisell und Clinton Fearon gearbeitet hat, sah die Band während dieses Besuchs mehrmals live und traf sich selbstredend auch wieder mit den Musikern, als sie im Jahr darauf erneut mit „NgoniBa“ in Seattle auftraten. „Ich glaube, dass sie schon damals mit dem Gedanken spielten, Bassekou zu verlassen um ihre eigene Band zu gründen“, meint Dettmer. „Jedenfalls kamen Barou, Fousseyni, Moussa Bah, Moussa Sissoko und Alouin mein Studio und wir nahmen vier ihrer Songs auf. Das war der Startschuss für die Gambari Band.“ Kaum zurück in Mali baten sie Dettmer ihr Debütalbum zu produzieren, womit sie – nach dem Staatsstreich und der Tuareg Rebellion – Ende 2012 begann. „Die Aufnahmen liefen unfassbar gut“, erinnert sich Mell Dettmer. „Wir hatten alles in sechs Tagen aufgenommen – das meiste live. Die Songs leben wirklich von Barous Soli – wenn uns also ein Solo mal nicht gefiel, haben wir gleich den ganzen Song von vorne neu aufgenommen. So gut ist diese Band.“ Zurück in den Staaten Dettmer jagte Dettmer die Ngonis durch einen Haufen antiker Verstärker, um so den Sound einer Live-Performance einzufangen, bevor sie das Werk in ihrem Studio in Seattle auch mischte und masterte.

„Kokuma“, das Debüt der Gambari Band für das europäische Label Membran, ist das Ergebnis dieser interkontinentalen Zusammenarbeit. Der Titel bedeutet „Hinter Jemandes Rücken über ihn sprechen“, also „Lästern“ auf Bambara, wie man aus den Erläuterungen zu diesem und anderen Songs in den Liner Notes lernen kann. Aber auch ohne diese Informationen kann man das Album für seinen musikalischen Inhalt an sich genießen – die komplexen Ebenen der Stimmen, Ngonis und Percussion ziehen den Hörer in eine Atmosphäre authentischer Griot-Kultur aus Mali, die dabei pulsierend und lebendig ist, heute wie vor Hunderten von Jahren. (nuzzcom)