Die neue Reihe von stimmen afrikas: Literarische Erinnerungskulturen aus dem frankophonen Afrika

enoh-meyomesseDie neue Reihe wird mit dem kamerunischen Autor Enoh Meyomesse eröffnet. Der hegemoniale Anspruch ehemaliger Kolonialmächte spiegelt sich auch in ihrer lange einzig geltenden Geschichtsschreibung wieder. Die unterdrückten Menschen wurden nicht nur ihrer Leben und ihrer Zukunft beraubt, sondern auch ihrer Vergangenheit. Im Zuge der Unabhängigkeitsbewegungen entstand das Bewusstsein, dass „ die Geschichte, die sie zu erzählen hatten, nicht von anderen erzählt werden konnte…“ (Ngugu wa Thiong‘o).

Somit betrachten es viele Schriftsteller*innen afrikanischer Herkunft als einen wichtigen Auftrag, die Historie ihrer Völker und Länder nach eigenen Parametern der Überlieferung und des Erlebten zu rekonstruieren und literarisch zu vergegenwärtigen. Durch ihre Arbeiten reichern sie das kollektive Gedächtnis mit selbstbestimmten und subjektiven Inhalten an. Zugleich stoßen sie eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit bereits existierenden Narrativen und deren Autorenschaft an, zu der stimmen afrikas herzlich einlädt.

ENOH MEYOMESSE aus Kamerun
mit „Anschluss Kamerun“ (Roman) und Gedichten u.a. aus „Blumen der Freiheit“
Lesung und Gespräch moderiert von Dr. Mustapha Diallo,
die deutschen Texte liest Carmen Plate.
Mittwoch, 24. Mai 2017 um 19.30 Uhr
im Allerwelthaus Köln, Eintritt: 7€/ 5€ erm.

Enoh Meyomesse, geb. 1954 in Kamerun, ist Lyriker, Romanautor, Dramatiker, Historiker und politischer Aktivist. Er studierte in Straßburg und Paris Politikwissenschaften und veröffentlichte in Kamerun zahlreiche Gedichte, Romane, Theaterstücke sowie politische Essays. Zudem arbeitet Meyomesse an einem umfassenden Geschichtswerk über Kamerun. Seine regierungskritische Haltung führte 2011 zu einer dauerhaften Inhaftierung. 2015 kam der Autor, insbesondere durch das Engagement des PEN Deutschland, aus seiner Haft frei und ist Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat der Stadt Darmstadt unter der Betreuung des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums.

Anschluss Kamerun erzählt von dem Deutschen Ernst Hillgruber, der 1938 im europäischen Viertel der kamerunischen Provinzstadt Misositown einen Laden betreibt. Während der französisch-britischen Invasion 1914-16 hatte er das Land verlassen müssen, war aber ins Land zurückgekehrt, nachdem der Versailler Vertrag das ehemals deutsche Protektorat Kamerun zu einem internationalen Gebiet erklärt hatte, in dem nun alle europäischen Nationen ihre Bürger ansiedeln konnten. So kehrten auch viele Deutsche zurück und nahmen ihre früheren Geschäfte wieder auf. Die französische Kolonialmacht konnte wenig dagegen tun und musste mit Schrecken feststellen, dass manche Kameruner der deutschen Verwaltung nachtrauerten und sogar mit Ernst Hillgruber sympathisierten.