Erste projektbasierte Schule in Afrika

Häuser aus Plastikflaschen? Bodenbelag aus Eierschalen? Brennstoff aus Bananenschalen? Der Berliner Verein „Jangu e.V.“ errichtet seit Juni 2014 die erste projektbasierte Schule in Afrika und bildet junge benachteiligte Menschen zu Sozialunternehmern aus. Innovative Lösungen—„Made in Uganda“— entstehen in einem weltweit einzigartigen Bildungskonzept. Projektbasiertes Lernen bedeutet ständiges ausprobieren, Fehler machen und verbessern—bis zum Erfolg. „Social Innovation Academy (SINA)“ nennt sich die Unternehmer-Schule auf einem idyllischen Hügel nahe der Kleinstadt Mpigi in Uganda.

Eine massive Jugendarbeitslosigkeit und hohes Bevölkerungswachstum lassen die Entwicklung des ostafrikanischen Landes seit Jahren stagnieren. Uganda ist das zweit-jüngste Land der Welt, wobei 49 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt ist. Der gemeinnützige Verein Jangu e.V. (www.jangu.org) setzt diesen Herausforderungen innovative Lösungen entgegen und eröffnet benachteiligten Kindern und Jugendlichen Zukunftschancen durch Bildung.

Der Verein wurde 2009 von Etienne Salborn nach seinem Zivildienstersatz in einem Waisenhaus in Uganda gegründet. Da sich nach der Grundschule niemand um die Kinder kümmert konnte, vermittelte er Patenschaften nach Deutschland zwischen den Waisenkindern und deutschen Familien. Heute betreut der Verein über 70 Kinder und ermöglicht ihnen Perspektiven durch Bildung.

Als Mitte 2013 die ersten geförderten Schüler ihr Abitur erfolgreich abgeschlossen hatten, wurde deutlich, dass selbst ein guter Schulabschluss kein gutes Leben garantiert. Ein Studium an der Universität ist mit Gebühren von über 1.000 Euro pro Semester nicht zu realisieren und garantiert trotzdem keine Festanstellung. In der Entwicklungszusammenarbeit müssen nicht nur Symptome gelindert werden, sondern vor allem die vorherrschenden Ursachen der fehlenden Perspektiven bekämpft werden. Die SINA setzt dort an und möchte das Potential der ugandischen Jugendlichen nachhaltig entfalten.

Durch die Entwicklung und Durchführung von innovativen Projekten erlernen Jugendliche Grundsätze des Unternehmertums und werden befähigt eigene Initiativen und Unternehmen zu gründen. Die SINA möchte damit Spendenabhängigkeiten abbauen und die Zukunft von den Jugendlichen selbst gestalten lassen. Die Lernräume der Akademie werden aus Plastikflaschen errichtet. Dafür wurden bisher über 100.000 gebrauchte Plastikflaschen gesammelt und in Gemeinschaft mit der Kleinstadt mit Erde gefüllt und verdichtet. Anschließend werden die „Flaschenziegel“ übereinander geschichtet, mit einer Schur fixiert und die verbliebenen Lücken mit Mörtel aufgefüllt.

„Upcycling“ nennt sich das Prinzip aus Abfall neue, hochwertige Produkte zu entwickeln. Der Upcycling-Bau ist aus mehreren Gründen vorteilhaft: Die Verwendung von teuren Baumaterialen kann deutlich verringert werden. Gebrauchte PET-Flaschen liegen nahezu überall in Uganda herum und können einfach aufgesammelt werden. Neben dieser Umweltfreundlichkeit und Kosteneffizienz halten die mit dieser Bauweise errichteten Gebäude auch Erdbeben bis zu einer Stärke von 7,3 stand. Nach dem „Upcycling“-Prinzip sind in der SINA neue, innovative Projekte entstanden. Gerade werden zum Beispiel ein Bodenbelag aus Eierschalen, Briketts aus Biomasse und das erste lebende Grasdach in der Region entwickelt. Die Realisierung dieser Projekte unterliegt jedoch noch weiterer finanzieller Unterstützung.

Weitere Informationen und Bilder sind verfügbar unter:
http://www.facebook.com/socialinnovationacademy