Facetten eines intensiven Erlebens und Hinschauens: Nadine Gordimer

Mit 90 Jahren ist Nadine Gordimer gestorben. Ihre Lebhaftigkeit, ihr Engagement ist nicht leicht in kurze Worte zu fassen. Zeit ihres Lebens hat sie sich vehement und mit allem Nachdruck für das Ende der Apartheid in Südafrika eingesetzt.


Früh hatte sie ihre Erlebnisse unter dem Apartheid System in Worte gefasst. Bereits mit 15 Jahren hat sie ihre erste Erzählung für Kinder geschrieben. Die in vielfältiger Weise erlebte Gewalt und Unterdrückung gegen Andersdenkende in ihrer Umgebung bildete die Basis für  ihre Schilderungen.  Lang ist die Liste ihrer in über 20 Sprachen übersetzten Werke. Sie reichen von 15 Romanen über 200 Kurzgeschichten zu Essays und Verfilmungen.

19 48 gewann die Nationale Partei die Wahlen. Damit einhergehend das Durchsetzen der Apartheidpolitik in seiner schwer zu erfassenden Grausamkeit und Menschenverachtung: absolute Trennung der weißen und der schwarzen Bevölkerung, Afrikaner wurden aus ihren angestammten Vierteln vertrieben und durch Weiße ersetzt. Kritiker des Apartheid Systems erhielten harte Strafen und den Entzug von Freiheit.

In diesem Umfeld von Gewalt und Willkür hat Nadine Gordimer ihre Bücher publiziert.
1953 wird ihr erster Roman „ Entzauberung „ veröffentlicht. Eingeflochten sind in diese Geschichte autobiographische Elemente um eine weiße Familie aus der Mittelschicht. Die Hauptfigur verlässt das Elternhaus engagiert sich in Johannesburg für die schwarze Bevölkerung und muss feststellen, dass sie damit auf vielgestaltigeWiderstände stößt.

Sechs Jahre später erscheint „Fremdling unter Fremden“. Skizziert wird die Entwicklung eines Engländers der im Unternehmen seines Vaters arbeitet.  Er erhofft sich in Johannesburg ein angenehmes Leben. Zwei aufeinander prallende Welten lernt er kennen die weiße und die von Unterdrückung und Rassismus geprägte (1962 verfilmt). Er begreift, dass Gleichgültigkeit den herrschenden Verhältnisse gegenüber keine dauerhafte Lösung sein kann.

In „ Spätbürgerliche Welt“ 1966 schildert die Autorin das Scheitern von weißen Oppositionspolitikern, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.  In den 60er und 70 Jahren sind mehrere ihrer Bücher von der Apartheidregierung auf den Index gesetzt. Erst nach langjährigen internationalen Protesten werden diese Einschränkungen aufgehoben.
Am bekanntesten ist „Burgers Tochter“(1979), erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, dessen Vater zu lebenslanger Haft verurteilt wird und stirbt, da er sich nicht den Gesetzen der Apartheid beugt. Die Tochter ist auf der Suche nach einem persönlich für sie gangbaren Weg.
ANC wird 1990 offiziell als Partei zugelassen. Nadine Gordimer ist Mitglied in der damals noch verbotenen politischen Gruppierung als Konsequenz des Massakers von Sharpeville von 1960. Sie unterstützt Nelson Mandela, 1991 wird Nadine Gordimer als erste Afrikanerin mit dem Literatur Nobelpreis ausgezeichnet. Mit dieser internationalen Anerkennung gelingt es ihr im Ausland, mehr Aufmerksamkeit über die schwierigen Verhältnisse unter dem Apartheidsregime zu gewinnen.

19 96 erscheint  „Niemand der mit mir geht“. Ein schwarzes und ein liberales weißes Paar weichen zurück von der sozialen und politischen Realität nach Aufhebung der Apartheid. Sie finden sich nicht mehr zurecht in den immer noch anhaltenden verfälschten sozialen Beziehungen innerhalb der Bevölkerung.  Der Roman „Hauswaffe“ von 1998  zeichnet diesen Weg nach und zeigt Dimensionen der Schwierigkeiten der südafrikanischen Gesellschaft, die sich im Umbruch befindet.

In ihrem letzten Buch „ Keine Zeit wie diese“ beschreibt die Autorin die Enttäuschungen vieler Südafrikaner nach dem Ende der Apartheid, ihre Verbitterung darüber, dass sich die Verhältnisse in Südafrika nicht zum Besseren verändert haben.

Nadine Gordimer zeigt in ihrer Literatur die Welt mit allen ihren Widersprüchen, Unzulänglichkeiten, Wünschen und Hoffnungen, ein Argument, warum es sich lohnt ihre Werke zu lesen.
(Theresa Endres)