Flüchtlinge fressen: 4 Tiger warten in einer Arena in der Mitte Berlins

TigerDas Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) präsentiert Not und Spiele
Für seine neueste Aktion „Flüchtlinge Fressen“ hat das ZPS eine hyperreale Arena in die Mitte Berlins gebaut. In der Arena warten vier libysche Tiger darauf, Flüchtlinge zu fressen.

  • Die Bundesregierung entscheidet bis zum 22.6.2016 als römischer Imperator darüber, ob 100 Geflüchtete leben oder sterben sollen.
  • An § 63 Absatz 3 AufenthG klebt das Blut aller bislang im Mittelmeer ertränkten Flüchtlinge. Der Paragraph belegt Beförderungsunternehmen mit hohen Strafen, wenn sie Menschen ohne Einreiseerlaubnis transportieren. Das ZPS ruft Bundespräsident Gauck auf, den Bundestag zur Streichung von Absatz 3 zu bewegen.
  • Am 28.06. startet in der Türkei ein Flugzeug mit den ersten 100 Flüchtlingen. Die Zivilgesellschaft ist jetzt dazu aufgerufen, den Flug unter www.flüchtlinge-fressen.de zu finanzieren.
  • Das ZPS sucht ab sofort verzweifelte Flüchtlinge, die bereit sind, sich öffentlich fressen zu lassen, wenn Bundespräsident, Bundesregierung und Bundestag bis zum 24.6. damit scheitern, § 63 Absatz 3 AufenthG abzuschaffen.
  • Für diesen Fall steht alles bereit und die ersten Freiwilligen werden sich am 28.6. vor dem Maxim-Gorki-Theater wegen § 63 Absatz 3 AufenthG von 4 Tigern fressen lassen. Wenn wir schon in Rom l, dann richtig.

In der Mitte Berlins (Unter den Linden 4, hinter der Neuen Wache) hat das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) eine Arena errichtet. Darin werden die Gastgeschenke des großmütigen türkischen Sultans zur Feier des EU-Türkei-Deals aufbewahrt: 4 libysche Tiger. Ein hyperreales Rom auf dem Boden des europäischen Reichs.

Der Kontinent der Aufklärung produziert unentwegt Tod und Elend an seinen Außengrenzen. Tag für Tag sieht er einem Spiel auf Leben und Tod zu. Was hat das Mittelmeer in eine tödliche Falle für Hunderttausende Menschen verwandelt? Die Richtlinie 2001/51/EG. Sie verunmöglicht Menschen in Not das Recht, alltägliche Verkehrsmittel zu benutzen. Die Fähre, die vom türkischen Festland auf Lesbos übersetzt, kostet weniger als 10 Euro. Die Schlepper verlangen für denselben Weg im tödlichen Schlauchboot bis zu 2.000 Euro. Der Sommer des Sterbens 2016 ist bereits eröffnet.

Warum können Flüchtlinge nicht einfach mit dem Flugzeug kommen? Innenminister Thomas De Maizière verkündete am 21.4.2016, dass die Bundesregierung sich im Rahmen des EU-Türkei-Deals nicht in der Lage sehe, mehr als 100 Menschen pro Monat aufzunehmen. Die Flugbereitschaft der deutschen Zivilgesellschaft wird der Regierung jetzt unter die Arme greifen und das Kontingent verdoppeln. Das ZPS hat für den 28.6.2016 den ersten Flug für 100 Flüchtlinge von der Türkei nach Deutschland organisiert. Das ZPS hat die Passagiere in der Türkei besucht, interviewt und begleitet. Es handelt sich um Syrer, die in Deutschland ein Anrecht auf Asyl haben, verifiziert mit Pässen und Absichtserklärungen, die in diesen Minuten dem Kanzleramt, dem AA, dem BMI und dem BAMF zugänglich gemacht werden. Diese Menschen sind nur noch eine Haaresbreite davon entfernt, mit ihren Liebsten in der Bundesrepublik wiedervereinigt zu werden.

Die Zivilgesellschaft wird jetzt darum gebeten, den Flug unter www.flüchtlinge-fressen.de zu finanzieren. Solange der Flug nicht ausfinanziert ist, haben die Besucher die Möglichkeit, Innenminister Thomas De Maizière zu spielen und zu entscheiden, wer fliegen darf und wer sterben muss. Dazu gibt es Videos von allen Kandidatinnen und Kandidaten, die mit der Maschine am 28.6.2016 endlich zu ihren Angehörigen gelangen wollen.

Parallel dazu muss § 63 Abs. 3 des Aufenthaltsgesetzes (dergestalt wurde das Skandalon der Richtlinie 2001/51/EG ins deutsche Recht geschrieben) abgeschafft werden. Das ZPS ruft Joachim Gauck zu seiner letzten und schönsten Amtshandlung auf: am 24.6.2016 den Deutschen Bundestag nach Art. 39 GG einzubestellen und mit einer flammenden Rede von der Notwendigkeit der Streichung von § 63 Absatz 3 AufenthG zu überzeugen. Dadurch schafft das Parlament die gesetzlichen Grundlagen für eine permanente Luftbrücke aus den Kriegs- und Krisengebieten in die Sicherheit. Es gibt keine politische Rechtfertigung dafür, weshalb Menschen sich von Schleppern ausplündern lassen sollten, um dann entweder zu ertrinken oder hunderte Kilometer zu Fuß durch den Schlamm zu waten.

Das letzte Wort über den Jungfernflug der Flugbereitschaft der deutschen Zivilgesellschaft hat die Bundesregierung. Sie kann nach Art eines römischen Imperators über Leben und Tod der ersten 100 Passagiere verfügen. Sollte die Bundesregierung gegen das Flugzeug votieren (eine Nichtäußerung interpretieren wir als Nein), suchen wir jetzt Flüchtlinge, die bereit sind, sich am 28.6.2016 wegen § 63 Abs. 3 AufenthG fressen zu lassen – für die Rettung unserer europäischen Ideale und gegen das schreiende Unrecht, das genau zum 15. Geburtstag der EU-Richtlinie endlich abgestellt werden muss.

Kommen Sie vorbei und bestaunen das Bollwerk einer starken Europäischen Union. Die Arena ist täglich von 10 – 22 Uhr geöffnet. Jeden Abend debattieren ab 19 Uhr Größen aus Kultur, Politik, Medien und Zivilgesellschaft über die aktuelle Lage Europas (u.a. Bernd Ullrich, Nils Minkmar, Prof. Thomas Fischer, Matthias Lilienthal, Prof. Michael Diers, Prof. Joseph Vogl, Carl Hegemann).

16.6.-28.6.2016, täglich
Die Arena ist jeweils von 10h – 22h geöffnet.
18.45 Uhr:   Not und Spiele – Die Show (Arena)
19.30 Uhr:     Zentrums-Salon: Intellektuelle, Politiker, Künstler und Journalisten im Gespräch zur Aktion (Garten Maxim Gorki Theater). Mehr auf www.gorki.de

28.6.2016
Das Flugzeug der Flugbereitschaft startet seinen Jungfernflug und bringt die ersten 100 Flüchtlinge zu ihren Liebsten nach Deutschland. Für den Fall, dass die Politik dies verhindert, sucht das ZPS Flüchtlinge, die bereit sind, sich am selben Tag im Kampf gegen § 63 AufenthG fressen zu lassen.

(Zentrum für Politische Schönheit)