Gabun / Jean Ping: « Wir sind für ein Gerechtigkeits-Wahrheits- und Versöhnungsproramm wie in Südafrika »

Jean Ping war mehrmals Minister unter Omar Bongo, dessen Sohn Ali 2009 Präsident wurde, kehrte 2016 der Regierungspartei den Rücken und stellte sich zur Präsidentschaftswahl. Er schätzt, 60% der Stimmen erhalten zu haben, wohingegen das offizielle Ergebnis ihm einen knappen Verlust bescheinigt. Ping, der den Wahlsieg der Präsidentschaftswahlen im August 2016 für sich beansprucht, besuchte kürzlich mehrere europäische Hauptstädte in seiner Sache. AFRICA live traf ihn in Berlin.

Herr Ping, da man in Deutschland oftmals nicht allzu sehr die politischen Entwicklungen in Afrika und somit auch in Gabun verfolgt, erklären Sie mir bitte kurz, weshalb Sie die Tür hinter sich zugeschlagen haben, nachdem Sie über 20 Jahre im Dienste der Regierungspartei PDG standen ?

Wissen Sie, wenn man mit dem System nicht mehr einverstanden ist, muss man gehen können. Das geschieht überall so.

Die 10 Hauptpunkte Ihres Programms klingen vielversprechend, sind aber auch sehr teuer. Wie wollen Sie die finanziellen Ressourcen dafür finden?

Es ist teuer, aber so teuer nun auch wieder nicht. Was die finanziellen Ressourcen betrifft: derzeit hat Gabun kein Geld mehr, das Land ist pleite. Deshalb müssen wir Finanzquellen auftun. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, unser Programm, den Entwicklungsplan für Gabun, zu finanzieren. Und dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon kennen Sie hier gut: eine „Pledging Conference“ abzuhalten, von der EU in Brüssel organisiert, zusammen mit der Afrikanischen Entwicklungsbank, dem IWF, der KfW, der französischen Entwicklungsagentur AFD. Solche Konferenzen werden oftmals organisiert, zuletzt für die Zentralafrikanische Republik. Wir arbeiten bereits daran, dass eine solche stattfinden wird, sobald wir an der Macht sind. Dieses Geld dient einen doppelten Zweck: zunächst sollen damit die in Gabun tätigen europäischen Unternehmen finanziert werden, denn derzeit passiert da nichts. Die Chinesen beispielsweise kommen ins Land, sie haben Geld und finanzieren ihre Firmen. Der Staat bezahlt im Moment die europäischen Unternehmen nicht, denen steht das Wasser bis zum Hals. Und auf diesem Wege erhielten wir auch die Mittel für unsere Politik.

Warum diese internationale Rundreise, was erwarten Sie davon?

Viel. Ich glaube, seit 2 Jahren mache ich alle 3 Monate solche Reisen in europäische Hauptstädte, und auch in die USA. In Gabun reise ich auch unentwegt durchs Land bis in die kleinen Dörfer hinein. Ins Ausland fahre ich, weil man heutzutage ohne Beistand und Teilnahme der EU und der USA nicht mehr funktionieren kann. Man muss sich vernetzen.

Wen haben Sie bisher in Deutschland getroffen, und wie bewerten Sie diese Gespräche?

Ich habe gerade Herrn Oswald vom BMZ getroffen. Es war wunderbar, ist perfekt gelaufen, weil sie die Aktenlage kennen. Wir haben lediglich betont, was wir machen wollen und wobei wir sie um Hilfe bitten. Es gibt ja diesen Marshall-Plan. Wir bereiten die Zukunft vor.

Die 3 Experten des Internationalen Gerichtshofs haben ihre erste Mission in Libreville abgeschlossen. Denken Sie, dass ihre Schlussfolgerungen eine Untersuchung nach sich ziehen werden?

Ja, das glaube ich ganz bestimmt, weil wir ihnen eine gut gefüttertes, 300 Seiten starkes Dossier übergeben haben. Und wir haben einen Anwalt. Deshalb denke ich, dass sie das Prozedere bis zum Ende durchziehen werden.

Sie fordern Sanktionen gegen Gabun. Was für Sanktionen wären das? Ich finde, derartige Sanktionen sind immer ein doppelschneidiges Schwert, denn letzten Endes ist es die Bevölkerung, die darunter leidet.

Ja, wenn es sich um allgemeine Sanktionen handelt. Das wollen wir nicht, denn das würde sich ja auch gegen uns wenden wenn wir da sind. Wir verlangen spezifische Sanktion gegen die Autoren der Verbrechen, gegen die Menschen, die schlimme Menschenrechtsverletzungen begangen haben, d.h., wir werden Namen nennen.

Sie haben Emmanuel Macron in einem Schreiben als « gewählter Präsident der Republik Gabun » gratuliert. Was hat er Ihnen geantwortet, erkennt er Sie als solcher an? Und denken Sie, dass sich die französische Afrikapolitik unter Macron verändern wird?

Also zunächst mal, wenn man einem Präsidenten gratuliert, antwortet er nicht.

Doch, er hätte sich bei Ihnen bedanken können …

Ja, ich glaube, das hat er auch gemacht. Aber wenn man ein Glückwunschschreiben schickt, erwartet man keine Antwort, verstehen Sie? Oder z.B. wenn es in Deutschland ein Problem gibt, sagen wir mal, terroristischer Art, dann posten wir auf unserer Facebook-Seite eine Unterstützungsmessage, aber erwarten keine Antwort darauf.

Sie plädieren für einen demokratischen und friedlichen Übergang in Gabun. Sollte sich das realisieren, was würde aus Ali Bongo?

Das ist klar, das haben wir überall gesagt. Dieser Mann und auch die ganze Welt weiß, dass ich die Wahlen gewonnen habe. Das ist klar. Es gibt Orte in Afrika, wo man Wahlen fälscht ohne erwischt zu werden. Aber er wurde in flagranti von der EU erwischt. Er weiß also, dass er nicht nur den Wahlausgang gestohlen hat sondern auch ein Fälscher ist. Deswegen denken wir, dass er gehen muss, zumal er auch Massaker auf dem Gewissen hat. Aber wir werden eine Art Gerechtigkeits-Wahrheits- und Versöhnungsproramm wie unter Mandela in Südafrika durchführen. Das heißt, wir werden ihm und seinen Anhängern alle Möglichkeiten bieten, Gabun zu verlassen und auch wieder einzureisen, wir garantieren für ihre Sicherheit und die ihrer Besitzgüter.

Eine Frage, die, wie ich weiß, viele Gabuner bewegt. Glauben Sie selbst, dass Ihr Kampf gegen das Bongo-Regime letztendlich erfolgreich sein wird? Die EU und die Internationale Organisation der Frankophonie haben ihren Bericht geliefert, der Internationale Gerichtshof war da … mit anderen Worten: die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter …?

Ja, das sagt man. Ich aber sage Ihnen, man kann nicht das gleiche System 50 Jahre lang durchziehen ohne etwas zu verändern, und nun nochmal 50 Jahre das Gleiche? Was ist das für ein System? Es werden Wahlen durchgeführt, es wird gefälscht. Der Besiegte wird zum Sieger ausgerufen, und wenn das Volk sauer wird, wird massakriert. Nach einer Konferenz wie er sie abgehalten hat werden die Pöstchen verteilt. Und alles fängt von vorne an. Ich bin nicht an Posten interessiert, ich will ein Problem lösen, rauskommen aus diesem Teufelskreis.

Ja, aber die Zeit geht vorbei. Die Wahlen sind fast seit einem Jahr vorüber, und man sieht keine großartigen Fortschritte bei Ihrem Kampf.

Das sagt die Bevölkerung in Gabun, dass man nicht ganz klar sieht. Glauben Sie, das geht so einfach wie Nescafé? Man nimmt den Kaffee, Wasser, rührt um, und schon ist es fertig? Wo gibt es denn so etwas? Gucken Sie, was gerade in Venezuela geschieht. Sind das Dinge, die ruckzuck vor sich gehen? Nein, es ist ein Prozess. Wir haben einen solchen Prozess seit langem in Angriff genommen, wir führen unser Programm durch und es funktioniert.

Eine letzte Frage: wenn man Sie bäte, die beiden Präsidenten, Omar Bongo und Ali Bongo zu charakterisieren, was würden Sie sagen?

Omar Bongo war ein cleverer, gewitzter Mann. Er konnte mit Menschen umgehen, und er konnte zuhören. Wenn man ihm sagte, er müsse einen Bauchtanz aufführen, weil das aus bestimmten politischen Gründen wichtig sei, dann tat er das. Der andere versteht gar nichts, nur die Gewalt. Und Gewalt provoziert Gewalt.

Ci-après, la version originale de l’interview:

Jean Ping : « Nous allons appliquer un programme qui est du style justice, vérité et réconciliation » 

Plusieurs fois ministre sous Omar Bongo, à qui son fils Ali a succédé en 2009, l’homme politique gabonais Jean Ping a claqué la porte et s’est présenté en 2016 à la présidentielle. Il estime avoir obtenu 60% des suffrages, alors que les résultats officiels lui attestent une courte défaite. Jean Ping, qui revendique la victoire à la présidentielle d’août 2016, vient d’effectuer une tournée dans plusieurs capitales européennes. Nous l’avons rencontré à Berlin.

M. Ping, comme les Allemands ne suivent pas trop les événements politiques en Afrique et au Gabon, j’aimerais que vous nous expliquiez – en bref – d’abord les raisons qui vous ont poussé à claquer la porte après avoir servi le PDG pendant plus de 20 ans ?

Vous savez quand vous n’êtes plus d’accord avec le système il faut savoir le quitter. Il faut savoir quitter et partir. Et ça se passe comme ça partout.

Les 10 grands traits de votre programme sont bien prometteurs mais très coûteux également. Où trouveriez-vous les ressources financières ?

C’est coûteux, mais pas si coûteux que ça. Quant aux ressources financières surtout maintenant, le Gabon n’a plus d’argent, le pays est en faillite. Donc il nous faut trouver des financements. Notre principale préoccupation, c’est la recherche des financements de notre programme, financement du plan du développement du Gabon. Et nous pensons que nous avons plusieurs possibilités. L’une d’entre elles que vous connaissez bien ici, c’est une conférence d’annonce des contributions de l’Union européenne, une « pledging conference » qui est organisée à Bruxelles par l’Union européenne, avec la Banque africaine de Développement (BAD), FMI, KFW, Agence française de développement (AFD). Tout ceci se réunit pour une « pledging conference » d’annonces de contributions comme ça s’est passé avec d’autres pays, tout récemment la Centrafrique. Nous avons déjà commencé à travailler pour que cette conférence d’annonce de contributions se fasse dès que nous arrivons. Avec cet argent on a un double objectif, l’un d’eux est de permettre aux entreprises européennes qui sont au Gabon d’être financées. Actuellement elles ne sont pas financées. Par exemple les Chinois viennent et donnent des financements à leurs sociétés, ils ont l’argent. Actuellement, l’Etat ne paye pas les entreprises européennes qui sont asphyxiées. Grâce à ce cheminement, nous pourrons avoir les moyens de notre politique.

Pourquoi cette tournée internationale ? Qu’en attend de vous ?

Beaucoup. Je crois que je fais tous les 3 mois environs depuis 2 ans, une tournée dans les capitales européennes et aussi en Amérique. Et des tournées à l’intérieur du pays. Je tourne en permanence dans le pays jusque dans les petits villages et je vais aussi à l’extérieur parce qu’aujourd’hui, on ne peut plus fonctionner sans l’assistance et la participation des communautés européenne, américaine. Certains appellent ça des réseaux.

Qui avez-vous rencontré en Allemagne jusqu’à présent et comment jugez-vous ces entretiens ?

Je viens de rencontrer ici M. Oswald du BMZ, le ministère allemand de la coopération économique. C’était merveilleux, ça s’est déroulé parfaitement. Parce qu’ils connaissent les dossiers. Nous avons simplement mis l’accent sur ce que nous voulons faire et sur ce que nous demandons de bien vouloir nous aider à faire. Ils ont ce fameux plan Marshall. Nous préparons l’avenir.

Les 3 experts envoyés par la cour pénale internationale ont terminé leur mission préliminaire à Libreville. Pensez-vous que leurs conclusions conduiront à une enquête ?

Oui je le crois sincèrement parce que nous avons un dossier bien ficelé d’environ  300 pages que nous avons déposé là-bas. Nous avons un avocat. Donc je pense que forcément ils iront au terme de leur procédure.

Vous demandez des sanctions à l’égard du Gabon, ce seraient des sanctions de quel genre ? À mon avis, ces mesures sont toujours une arme à double tranchant comme c’est souvent la population qui en souffre en fin de compte.

Oui, quand il s’agit des sanctions générales. Nous ne demandons pas des sanctions générales  parce qu’elles peuvent s’appliquer contre nous lorsque nous serons là. Nous demandons des sanctions ciblées contre les auteurs de crimes. Contre les gens qui ont violé gravement les droits de l’homme, et donc les noms que nous avançons.

Dans un courrier vous avez félicité Emmanuel Macro en tant que président élu de la République gabonaise. Qu’est-ce qu’il vous a répondu, il vous reconnait en tant que tel ? Et pensez-vous qu’avec Macron la françafrique changera ?

Tout d’abord quand on félicite un président il ne vous répond pas.
Si, il aurait pu vous dire merci …

Oui, je crois qu’il l’a fait mais nous n’envoyons pas des messages de félicitations pour attendre une réponse. Vous comprenez ? Lorsque imaginons l’Allemagne rencontre un problème de terrorisme par exemple, et que nous laissons sur notre page Facebook un message de soutien, nous n’attendons pas de réponse.

Vous plaidez pour une transition démocratique et pacifique du pouvoir au Gabon. Si jamais ça se réaliserait quel serait le destin d’Ali Bongo ?

Non, c’est clair, nous l’avons dit partout. Ce Monsieur, il sait, le monde entier sait que j’ai gagné les élections. C’est clair. Mais en plus il y a des endroits où on triche en Afrique et on ne vous attrape pas. Mais lui il a été pris la main dans le sac par l’Union européenne. Donc il sait que non seulement il a volé les élections, mais encore c’est un tricheur. Donc nous pensons qu’il doit partir, en plus il a massacré des gens. Mais nous, nous allons appliquer un programme qui est du style justice, vérité et réconciliation comme Mandela l’a fait en Afrique du Sud. Donc nous allons lui garantir toutes les possibilités pour sortir du pays et y revenir, et lui garantir la sécurité de ses biens à lui et à ses partisans.

Une question qui je le sais tourmente beaucoup de gabonais. Est-ce que vous-même vous pensez que votre combat contre le régime Bongo finira par aboutir ? L’union européenne et l’OIF ont fait leur constat, la CPI passée, en d’autres termes, les chiens aboient et la caravane continue …

Oui, c’est ce qu’ils disent. Moi je vous dis on ne peut pas perpétuer le même système en 50 ans sans changement et vous voulez encore faire 50 ans sans changer le système ? Quel est ce système ? Vous organisez des élections, vous tripatouillez. Le vaincu est proclamé vainqueur, et quand le peuple se fâche, vous massacrez ? Après une conférence comme il l’a fait, on se partage des postes. Et ça recommence. Moi je ne cherche pas de postes Madame, je cherche à résoudre un problème. Sortir de ce cercle vicieux.

Oui, mais le temps passe. Ça fait bientôt un an que les élections sont terminées et puis on ne voit pas tellement de progrès dans votre combat.

C’est ce que dit la population au Gabon, qu’on ne voit pas très clair. Est-ce que vous croyez que les choses se font comme le Nescafé ? Vous prenez le Nescafé, vous mettez de l’eau et vous tournez instantanément. Où avez-vous vu les choses se faire instantanément ? Regardez ce qui se passe au  Venezuela. Est-ce que ce sont des choses qui se font du jour au lendemain de manière instantanée ? Non, c’est un processus. Nous avons engagé depuis longtemps un processus et nous déroulons notre programme et ça marche.

Une dernière question, si on vous demandait de qualifier les 2 présidents Omar Bongo et Ali Bongo, que diriez-vous de chacun ?

Je  pense que l’un, le président Bongo père était un homme malin, rusé. Qui savait faire avec les gens et qui savait aussi écouter. Et c’était un homme si on lui demande de faire la danse du ventre parce que le pouvoir est là-bas, il allait le faire. Par contre celui-là ne comprend rien. Il ne comprend que par la force. Et la force Mme, appelle la force.