John Atta Mills: der Mann, der ein „besseres Ghana“ wollte

Die dritte ghanaische Präsident starb am Dienstag im Alter von 68 Jahren. John Evans Atta Mills, der ein „Better Ghana“ wollte, hinterlässt ein Land, dessen Wachstum nun teilweise vom Öl angetrieben wird, das aber immer noch mit sozialer Ungleichheit und Inflation zu kämpfen hat.

John Atta Mills starb am Dienstag im Militärkrankenhaus in Accra, wo er nach einem Herzinfarkt eingeliefert wurde. Er hatte gerade am 21. Juni seinen 68. Geburtstag gefeiert. Es ist das erste Mal, dass ein ghanaischer Präsident im Amt stirbt. John Atta Mills wollte bei den Wahlen im Dezember 2012 erneut kandidieren.

Es war seine Ehrlichkeit, die den Experten für Steuerrecht in die Politik führt. Von 1988 bis 1996 leitete er die Steuerbehörde und wurde Mitglied des Politbüros des National Democratic Congress (NDC), der Regierungspartei. Jerry Rawlings entdeckte ihn und machte ihn zu seinem Vize-Präsidenten im Jahr 1997. Die beiden Männer entzweien sich zwar ein paar Jahre später, aber der ehemalige ghanaische Präsident Rawlings ist zweifellos Mills politischer Mentor. John Atta Mills bleibt Vize-Präsident bis 2000. Dann begibt sich der ehemalige Jura-Professor der Universität von Ghana, wo er Jura studierte und 25 Jahre lehrte, in das Rennen um die Präsidentschaft. Als Kandidat der NDC-Kandidat gewinnt er die Präsidentschaftswahlen 2008 mit einem kleinen Vorsprung vor Nana Akufo Addo der New Patriotic Party (NPP). Für Mills war dieser dritte Anlauf der erfolgreiche: John Kufuor hatte ihn in den vorangegangenen Wahlen im Jahr 2000 und 2004 geschlagen.

Ein ehrgeiziges Programm für Ghana
„Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära (…) Ich hoffe, aufgrund der Erfahrungen der zwei ehemaligen Präsidenten, zu lernen, ein besseres Ghana aufzubauen“, sagte er bei seiner Vereidigung am 7. Januar 2009 . Der Ehrgeiz von John Atta Mills für sein Land ist in zwei Worten zusammenzufassen: „Better Ghana“, was in einem Programm namens „Better Ghana Agenda“ festgesetzt wird. Der NDC hat vor kurzem ein „Grünbuch“ zum Thema veröffentlicht, das nicht nur die wichtigsten Themen der für die 2012 geplanten Kampagne umfasst, sondern auch eine Bestandsaufnahme der bisherigen Zusagen von Kandidat John Atta Mills im Jahr 2008 macht.

Wiederaufbau einer Wirtschaft, die jetzt vom Ölreichtum profitiert, das Leben seiner Mitbürger verbessern, Ausbau der Infrastruktur und Stärkung der Institutionen und der Demokratie waren Schwerpunkte des dritten Präsidenten von Ghana. John Atta Mills sah sich als Sozialdemokrat, stark inspiriert vom Vater des ghanaischen Unabhängigkeit, Kwame Nkrumah. Für manche Ghanaer klang das Programm von John Atta Mills wie eine Fata Morgana. Vor allem, weil das 14%-ige Wachstum im Jahr 2011 – dank des Erdöls – nicht verhindern konnte, dass die soziale Ungleichheit zunahm. Seit über einem Jahr steigt die Inflation, bedingt insbesondere durch die Abwertung des Cedi, Ghanas Währung. Derzeit spricht man von etwa 9%. Dadurch steigen die Nahrungsmittelpreise und die Lebenshaltungskosten insgesamt. Aber in Ghana ist es oft so, dass inflationäre Tendenzen im Wahljahr auftreten.

Eine geteilte Partei
An der politischen Front schwächten Spekulationen über seine Gesundheit und der Widerstand gegen ihn John Atta Mills. Lange vor seinem Amtsantritt 2009 litt er bereits an Kehlkopfkrebs, und Gerüchte über seinen Tod wurden regelmäßig in Accra verbreitet. Er kämpfte vergeblich dagegen an: „Ich bin sehr, sehr fit, und ich weiß nicht, auf welcher Grundlage man von meinem Tod sprechen kann“, hatte er noch kürzlich bekräftigt. Beobachter des politischen Lebens behaupten, seine Krankheit habe ihn daran gehindert, effektiv in der nationalen Debatte zu intervenieren. Die parteiinterne Opposition, angeführt von Nana Konadu Agyemang Rawlings, der Frau des Ex-Präsidenten, habe ihn geschwächt.

Achtung erzielte er eher auf internationaler Szene. Er hatte den neuen US-Präsidenten Barack Obama bei seinem ersten offiziellen Besuch in Afrika empfangen und genoss den dadurch erzielten Ansehenszuwachs seines Landes im Ausland.

Sein Tod ist ein Test für die vorbildliche Demokratie in Ghana, weil er die Karten der nächsten Präsidentschaftswahl neu mischt. Sein knapper Vorsprung von 2008 steht im Mittelpunkt aller Spekulationen. Seit Dienstag steht Vize-Präsident John Dramani Mahama verfassungsgemäß den Geschicken des Landes vor. (ia, mit afrik.com)