Libyen: SOS MEDITERRANEE rettet 685 Flüchtlinge – darunter mehrere hundert von überladenem Holzboot

SOS MEDITERRANEEAm Wochenende hat die private Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE bei zwei Einsätzen vor der libyschen Küste insgesamt 685 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Am Samstagmorgen wurden 134 Menschen von einem Gummiboot gerettet, anschließend an Bord des Rettungsschiffes AQUARIUS medizinisch betreut und an ein Schiff der italienischen Marine übergeben. Dies hat die Geflüchteten ans italienische Festland gebracht.

 

Nur einen Tag später wurde SOS MEDITERRANEE zu einem weiteren Einsatz gerufen. Ein Schlauchboot und ein mit mehreren hundert Menschen überladenes Holzboot waren in Seenot geraten. Die Evakuierung des Holzbootes, die in Zusammenarbeit mit der spanischen NGO Proactivia Open Arms stattfand, gestaltete sich äußerst schwierig. Da das Boot überladen und in ständiger Gefahr stand, im Falle einer Massenpanik zu sinken, dauerte der Einsatz insgesamt vier Stunden. Dank dem professionellen Einsatz der AQUARIUS Crew konnten alle Flüchtlinge sicher an Bord gebracht werden. Dort werden sie aktuell vom medizinischen Team von Ärzte ohne Grenzen (MSF) versorgt.

 

Ersten Schätzungen zufolge kommt die Mehrheit der geretteten Flüchtlinge aus Eritrea, gefolgt von Senegal, Gambia, Somalia und Bangladesch. Rund 1/3 der Geretteten sind außerdem minderjährig, die meisten von ihnen unbegleitet. SOS MEDITERRANEE beobachtet in den letzten Wochen einen signifikanten Anstieg an minderjährigen Flüchtlingen, die sich ohne die Begleitung von Erziehungsberechtigten oder Verwandten auf der Flucht nach Europa befinden.

 

Das Rettungsschiff AQUARIUS, das SOS MEDITERRANEE seit Februar diesen Jahres gechartert hat und aktuell gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) betreibt, befindet sich nun mit 551 Geflüchteten an Bord auf dem Weg ans italienische Festland. Dort gelangen die Flüchtlinge zur Registrierung in lokale Aufnahmezentren.

 

Hintergrund

Die Gewässer zwischen Libyen und Italien sind derzeit der einzige Weg für Flüchtlinge aus Afrika auf den europäischen Kontinent. Seit Beginn des Jahres haben 103.540 Menschen die gefährliche Überfahrt nach Italien gewagt. Über 2.700 Geflüchtete sind bei der Überquerung ums Leben gekommen. SOS MEDITERRANEE ist als zivilgesellschaftliche und humanitäre Organisation im Mittelmeer präsent. Ziel ist der Aufbau einer zivilen Seenotrettung, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Dazu ist die Organisation auf Spenden angewiesen. Spendenkonto: IBAN: DE 04 1005 0000 0190 4184 51 | BIC: BELADEBEXXX. (SOS MEDITERRANEE, Foto: René Schulthoff / SOS MEDITERRANEE)