MSF zu Gelbfieber in Angola/DR Kongo und burundischen Flüchtlingen in Tansania

MSF-BurundiDie Gelbfieber-Epidemie in Angola mit bislang 298 Todesopfern in Angola hat sich auf die Demokratische Republik Konko ausgeweitet, wo inzwischen 48 Krankheitsfälle bestätigt wurden. Ärzte ohne Grenzen impft deshalb die gesamte Bevölkerung (350.000 Personen) der kongolesischen Grenzstadt Matadi gegen die Krankheit. Das ist Teil einer großen Impfkampagne der kongolesischen Gesundheitsbehörden für insgesamt zwei Millionen Menschen in Teilen der Hauptstadt Kinshasa und in der Provinz Niederkongo (Kongo Central). 

Ärzte ohne Grenzen bekämpft auch die Verbreitung der Aedes-Mücke, die Gelbfieber überträgt, schult das Gesundheitspersonal und behandelt Patienten. Allerdings gibt es gegen Gelbfieber keine spezifische Behandlung. Es ist lediglich möglich, die Symptome zu behandeln, was die Überlebenschancen erhöht.

In Angola ist Ärzte ohne Grenzen mit 70 Mitarbeitern im Einsatz. Sie kümmern sich um Diagnose und haben 300 Patienten in der Hauptstadt Luanda sowie in den Provinzen Huambo, Huila und Benguela behandelt. Zudem unterstützen sie die Gesundheitsbehörden bei der Bekämpfung des Ausbruchs. Insgesamt gibt es in Angola seit Beginn der Epidemie im Dezember 2015 2.420 Verdachtsfälle (davon 736 bestätigte Fälle) und 298 Todesfälle. Neben Luanda sind 13 Provinzen betroffen.

Tansania: Jede Woche kommen 1.000 Flüchtlinge aus Burundi an – Camps überfüllt

Rund ein Jahr, nachdem sich die ersten Flüchtlinge auf den Weg gemacht haben, fliehen noch immer etwa 1’000 Menschen pro Woche vor den Unruhen in Burundi nach Tansania, wo sie neben Tausenden anderen in überfüllten und ständig wachsenden Flüchtlingslagern Platz suchen. Zwei Lager, Nyarugusu und Nduta, sind bereits voll belegt. Ein drittes Lager, Mtendeli, nimmt nun Flüchtlinge aus Nyarugusu sowie Neuankömmlinge auf, die von den Grenzgebieten herkommen.

Derzeit leben etwa 140’000 Burundier in Tansania, und die Zahl wird täglich grösser. «Da der Flüchtlingsstrom weiterhin konstant ist, erwarten wir, dass die drei Lager Ende September ihre Auslastungsgrenze erreicht haben», erklärt Dana Krause, die Einsatzleiterin von Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Tansania. «Die Lager sind bereits jetzt überfordert. Wenn sich die Krise in Burundi weiter verschärft, gibt es keinen anderen Ort mehr, wo sich weitere Flüchtlinge niederlassen könnten. In Mtendeli beispielsweise entspricht das verfügbare Trinkwasser nicht den empfohlenen Standards. Das Lager kann neben den jetzigen Bewohnern nicht noch mehr burundische Flüchtlinge aufnehmen.»

Insgesamt sind 260’000 Burunder, die oftmals Zeuge oder selbst Opfer von Gewaltakten wurden, in die umliegenden Länder Ruanda, Uganda, die Demokratische Republik Kongo und Tansania geflohen. Dennoch fiel die finanzielle Unterstützung für Hilfseinsätze nur gering aus. «Nach einem Jahr ist die humanitäre Hilfe in den Lagern in Tansania noch immer völlig unzureichend, und es wurde zu wenig für einen Ausbau der Unterstützung unternommen», fährt Dana Krause fort.

Wer heute als Flüchtling in Tansania ankommt, muss sich auf sehr gedrängte Verhältnisse gefasst machen. Die Gesundheitseinrichtungen sind mit Malaria-Patienten überfüllt, und gleichzeitig gibt es aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen viele Patienten mit Atemwegs- und Durchfallerkrankungen. Außerdem brauchen diese Menschen, die oft traumatische Situationen erlebt haben, dringend eine psychologische Unterstützung.

Viele Menschen mit psychischen Beschwerden In den Lagern Nyarugusu und Nduta leistet MSF eine psychologische Betreuung, und die Teams haben seit Jahresbeginn 13‘795 Einzelsitzungen und 1‘408 Gruppensitzungen abgehalten. Über 95 Prozent der Flüchtlinge in den psychologischen Sprechstunden erzählen laut MSF-Psychologen von traumatischen Situationen, die sie in Burundi erlebt haben, und viele leiden nun unter Depressionen, Angstzuständen und Schlaflosigkeit.

«Die Menschen, die zu uns kommen, sind traumatisiert und weisen unterschiedliche psychische Symptome auf», erläutert George Hunter, der als Psychologe für MSF im Lager Nduta arbeitet. «Sie haben alles verloren. Noch vor sechs Monaten hatten sie einen normalen Alltag, und ihre Kinder gingen zur Schule. Dann haben sie grausame Gewalttaten miterlebt und Angehörige oder Freunde verloren. Sie mussten fliehen und leben nun in Zelten, ohne ihr Hab und Gut.»

Einer der Flüchtlinge im Lager von Nduta ist Joseph. «Als ich hier ankam», erzählt er, «konnte ich nicht schlafen, da ich an all das denken musste, was wir zurückgelassen haben. Ich dachte, mein Leben sei zu Ende. Ich habe noch immer ständig Angst und fühle mich nicht sicher. Es gibt keine Zukunft für mich. Ich war mitten im Studium und freute mich darauf, bald mein Diplom zu machen. Hier aber kann ich diesen Traum begraben.»

Nyarugusu und Nduta: Jeder zweite Patient hat Malaria

Die Region Kigoma, in der die Lager liegen, weist eine der höchsten jährlichen Malaria-Ansteckungsraten Tansanias auf. Kinder und Schwangere sind besonders gefährdet, da bei ihnen eine schwere Krankheitsform ohne sofortige Behandlung zum Tod führen kann.

Ungefähr die Hälfte der Patienten in den MSF-Kliniken der Lager Nyarugusu und Nduta sind Malaria-Patienten. MSF hat in den beiden Lagern seit Jahresbeginn ungefähr 58’000 an Malaria erkrankte Menschen behandelt.

Im Januar, als die Regenzeit begann und immer mehr Erkrankte gemeldet wurden, stellte MSF mehr Kapazitäten zur Malariabekämpfung zur Verfügung. Im Lager Nduta behandelt MSF Malaria-Patienten in ihren drei Gesundheitsstationen und in der ambulanten Abteilung des Spitals. Schwer Erkrankte hingegen werden stationär versorgt. Im Lager Nyarugusu bietet MSF in zwei eigens eingerichteten Malaria-Kliniken eine Unterstützung an.

«In den letzten Wochen haben wir zwar etwas weniger Malaria-Patienten registriert, aber es dürften bald wieder mehr werden», gibt Dana Krause bekannt. «Der Regen wird bis mindestens Juni anhalten und die Bedingungen in den feuchten und überfüllten Zelten noch schwieriger machen. Moskitos können sich hier sehr gut vermehren. Die einzige Abhilfe besteht darin, die Präventions- und Behandlungskapazitäten schnell und nachhaltig aufzustocken.»

Notfallversorgung für Verletzte in Burundi

In Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, leistet MSF weiterhin chirurgische Notfallversorgung. Das MSF-Traumatologie-Zentrum verfügt neben 86 Betten über eine Notaufnahme, zwei OP-Säle und eine Intensivstation.

MSF begann im Mai 2015 mit der Versorgung burundischer Flüchtlinge in Tansania, als die Gewalt in Burundi gerade ausgebrochen war und die ersten Menschen in Tansania ankamen. Im Lager Nyarugusu betreibt MSF drei Malaria-Kliniken. Im Lager Nduta ist MSF die einzige Organisation, die medizinische Dienste anbietet. Die Teams haben ein Spital mit 110 Betten aufgebaut, das über eine umfassende stationäre und ambulante Versorgung verfügt. MSF betreibt zudem drei Gesundheitsstationen, wo neu ankommende Flüchtlinge untersucht werden und dringend nötige psychologische Unterstützung angeboten wird. Bei der Eröffnung des Lagers baute MSF 3’500 Zelte auf und stellt derzeit 250 Kubikmeter Wasser pro Tag bereit. Im Lager Mtendeli liefert MSF täglich ungefähr 428’000 Liter Wasser und überwacht die allgemeine Gesundheitslage. MSF hat in den Lagern Nyarugusu, Nduta und Mtendeli zudem gegen 73’000 Moskito-Netze verteilt.

MSF arbeitet seit über 20 Jahren in Burundi. Als die Spannungen in Bujumbura vor den Wahlen grösser wurden, stockte MSF die Kapazitäten massiv auf. MSF ist eine der wenigen internationalen Organisationen, die in der Hauptstadt Verletzte und medizinische Notfälle versorgen. Die MSF-Tätigkeiten in Burundi werden ausschließlich durch private Spenden finanziert. MSF nimmt keine staatlichen Gelder entgegen. (MSF, Foto: Ikram N’gadi)