Nach Beschlagnahmung der Open Arms –  Aquarius ist das einzige verfügbare zivile Rettungsschiff im Mittelmeer

Nach der Beschlagnahmung des Rettungsschiffes von ProActiva Open Arms durch italienische Behörden in Pozzallo ist die Aquarius, die gemeinsam von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, das derzeit einzig operierende Rettungsschiff vor der libyschen Küste. Hierdurch wurde die ohnehin schon unzureichende Verfügbarkeit von Rettungskapazitäten auf der tödlichsten Migrationsroute der Welt noch einmal verringert.Nach einem routinemäßigen Hafenanlauf ist die Aquarius nun zurück auf dem Weg in die Rettungszone. Die jüngsten Ereignisse um die Open Arms sind extrem besorgniserregend und werden nur zu noch mehr Toten im zentralen Mittelmeer führen.

Nach der Beschlagnahmung der Open Arms ist nur noch ein ziviles Rettungsschiff auf See

Seenotrettungsorganisationen wie SOS MEDITERRANEE sind bereits seit langer Zeit mit den geringen Rettungskapazitäten im Mittelmeer konfrontiert, während sich die Sicherheitslage kontinuierlich verschlechtert. Zudem stellen sie sich an Europas Grenzen einer der dramatischsten humanitären Krisen entgegen.

Mehrere Monate war SOS MEDITERRANEE gemeinsam mit ProActiva Open Arms im Rettungsgebiet in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste im Einsatz. Den ganzen Winter über waren die Open Arms und die Aquarius die einzigen zivilen Schiffe, die durchgehend Such- und Rettungseinsätze in diesem Gebiet gefahren sind, oftmals haben sie gemeinsam unter der Koordination der Seenotrettungsleitstelle in Rom Menschen gerettet. Nach der Beschlagnahmung der Open Arms am 18. März ist die Aquarius nun das einzige Rettungsschiff im Einsatzgebiet, was eindeutig nicht ausreicht.

Immer mehr Boote in Seenot werden nach Libyen zurückgebracht

Die Crew der Aquarius wurde in den letzten Monaten mehrmals Zeuge, wie in Seenot geratene Schlauchboote von der libyschen Küstenwache in internationalen Gewässern aufgehalten wurden. Schiffbrüchige, die von der Aquarius gerettet wurden, haben wiederholt ausgesagt, dass die Interventionen durch die libysche Küstenwache das Risiko von Havarien erhöht, wodurch in der Vergangenheit Menschen ertrunken sind. Außerdem werden die Flüchtenden in eben jene „libysche Hölle“ zurückgebracht, der sie versuchen zu entfliehen.

Die libysche Küstenwache gehört keiner Seenotrettungsleitstelle an. Zudem wurde von der verantwortlichen International Maritime Organisation (IMO) nie ein libysches Such- und Rettungsgebiet eingerichtet. Außerdem  kann Libyen nicht als ein sicherer Hafen betrachtet werden, wie es das internationale Seerecht verlangt.

SOS MEDITERRANEE fordert die Regierungen Europas auf, angemessene Lebensrettung auf dem Meer sicherzustellen

Seit Beginn des Einsatzes auf See hat SOS MEDITERRANEE immer wieder die Europäische Union dazu aufgerufen, mehr Kapazitäten für Such- und Rettungseinsätze zur Verfügung zu stellen. In der Zwischenzeit ist SOS MEDITERRANEE mit zunehmend komplexen Einsätzen konfrontiert, in denen Professionalität und Sicherheit essentiell sind. Bei mehreren Zwischenfällen in den vergangenen Wochen hat es Unklarheiten bei der Koordination von Such- und Rettungseinsätzen gegeben, die die Sicherheit sowohl von Schiffbrüchigen als auch von Seenotrettern gefährdete.

„Die Beschlagnahmung der Open Arms sowie die Ermittlungen gegen ProActiva sind für die Lebensrettungseinsätze im zentralen Mittelmeer extrem besorgniserregend. SOS MEDITERRANEE drückt den Seenotrettern der Open Arms ihre Solidarität aus. Wir fürchten, dass dies ein weiterer Schritt zur Kriminalisierung von Solidarität auf See sein könnte. Heute ist die Aquarius das einzige zivile Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer. Wie lange noch?“ sagt Sophie Beau, Vizepräsidentin von SOS MEDITERRANEE. (Sosmediterrane, Foto: Giorgos Moutafis)