Schwere Masernepidemie in der Demokratischen Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen impft fast eine Million Kinder

impfungEine schwere Masernepidemie herrscht derzeit in der Region Katanga im Südosten der Demokratischen Republik Kongo. Nach offiziellen Angaben gab es seit Jahresbeginn bis Ende November mehr als 39.000 Fälle und fast 500 Tote, fast 90 Prozent davon Kinder unter fünf Jahren. Diese Zahlen gelten aber als bei weitem zu niedrig angesetzt.

 

Ärzte ohne Grenzen hat als Reaktion auf die Epidemie mehr als 962.900 Kinder gegen Masern geimpft und die Behandlung von fast 30.000 an Masern erkrankten Kindern unterstützt, indem die Teams Medikamente an Gesundheitsstationen verteilt, das Gesundheitspersonal vor Ort geschult und Kinder mit Komplikationen in den Krankenhäusern behandelt haben. In der ehemaligen Provinz Katanga, die bei der Verwaltungsreform 2005 in vier Provinzen aufgespalten wurde, scheint die Epidemie nun abzuflauen. Doch es besteht die Gefahr, dass sie auf andere Gebiete übergreift und noch mehr Todesfälle verursacht.

Caroline Voûte ist als Nothilfekoordinatorin für die Maßnahmen gegen die Epidemie zuständig: „Obwohl die Masernepidemie in der Provinz Katanga abzuflauen scheint, sind wir weiterhin sehr besorgt über die anhaltend hohe Zahl von Masernerkrankungen in den meisten anderen Provinzen der Demokratischen Republik Kongo und über das Risiko erneuter Ausbrüche. In der Demokratischen Republik Kongo dauert die Epidemie schon seit 2010 an.

 

Es braucht enorme personelle und finanzielle Ressourcen, um eine Masernepidemie zu bekämpfen. Impfungen bieten zwar einen Schutz gegen die Krankheit, aber die aktuelle Krise wirft erneut die Frage auf, wie wirksam die durchgeführten Impfkampagnen tatsächlich sind. Es ist äußerst wichtig, dass wir aus dieser Epidemie lernen und die nötigen Maßnahmen veranlassen.

 

Nur so können die Routine-Impfungen verbessert und künftige Ausbrüche verhindert werden. Bereits 2011 war es in Katanga zu einem größeren Masernausbruch gekommen. Ärzte ohne Grenzen hatte damals 2,1 Millionen Kinder geimpft.

 

Von Januar bis Ende November 2015 wurden in der Provinz Katanga offiziell mehr als 39.000 Masernerkrankungen und fast 500 Todesfälle gemeldet, doch die wahren Zahlen dürften weitaus höher liegen, wie retrospektive Sterblichkeitsstudien in einigen Regionen gezeigt haben. In den schwer zugänglichen und wirtschaftlich besonders schwachen Teilen dieses riesigen Gebiets ist die Gesundheitsversorgung praktisch inexistent, trotz des Reichtums an Bodenschätzen, die hier abgebaut werden. Vor allem in den ländlichen Gebieten hat das Gesundheitssystem seine Glaubwürdigkeit längst verloren und ist nur eingeschränkt funktionsfähig. In den Gesundheitszentren mangelt es permanent an Medikamenten und qualifiziertem Personal, und für die arme Bevölkerung ist eine Behandlung derart teuer, dass hier kaum jemand Hilfe sucht.

 

Unter solchen Bedingungen funktioniert auch keine epidemiologische Überwachung, und die Gesundheitsbehörden erhalten kaum verlässliche Zahlen. Aus diesem Grund blieb diese Epidemie lange unerkannt und die Reaktion darauf kam viel zu spät.

 

Im April begann Ärzte ohne Grenzen seinen Einsatz im Gesundheitsbezirk Malemba Nkulu. Als sich die Epidemie weiter ausbreitete, wurden die Tätigkeiten auf andere Regionen ausgeweitet. Wir bieten Impfungen für Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren an und unterstützen die Gesundheitszentren bei der Versorgung einfacher Fälle mit Medikamenten sowie durch Mitarbeiterschulung und Supervision der Behandlung.

 

Unsere Teams arbeiten aber auch in den Krankenhäusern, wo sie Kinder mit Komplikationen behandeln. In einigen Regionen, etwa rund um Manono, ist der Anteil an Kindern mit schwerer Mangelernährung alarmierend hoch und erreicht bis zu zehn Prozent. Zudem leiden 90 Prozent der stationär im Krankenhaus versorgten Kinder an Malaria. Darum haben wir beschlossen, auch gegen diese zwei Erkrankungen vorzugehen.“

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 in der DR Kongo. Mehr als 500 Mitarbeiter sind derzeit in Katanga im Einsatz. (MSF, Foto: irin)