SOS MEDITERRANEE rettet erneut 100 Menschen – EU Staats- und Regierungsschefs beraten am 3.2. in Malta Maßnahmen zur Migrationskontrolle

sosDie europäische Nichtregierungsorganisation SOS MEDITERRANEE hat heute erneut 100 Menschen von einem Schlauchboot gerettet. Sie waren in der Nacht von der libyschen Küste aufgebrochen, um in Europa Zuflucht zu suchen. Die italienische Rettungsleitstelle MRCC in Rom meldete in der Nacht, dass eine Vielzahl von Booten in Seenot geraten war. Bereits am Mittwoch sind laut der Französischen Presseagentur AFP insgesamt über 1.300 Menschen vor dem Ertrinken gerettet worden.

Trotz schlechter Witterungsbedingungen flüchten weiterhin Menschen über das zentrale Mittelmeer, wo sich das vermeidbare Massensterben fortsetzt. Mindestens 254 Menschen sind dort laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit Beginn dieses Jahres ertrunken. Zusätzlich gelten viele der in Seenot gemeldeten Boote als vermisst. Die Dunkelziffer ist voraussichtlich weitaus höher.

Während die europäischen Staats- und Regierungsschefs auf dem morgigen Gipfeltreffen in Malta darüber beraten wollen, wie die Migration von Libyen nach Europa reduziert werden kann, ist SOS MEDITERRANEE angesichts der Aussagen von Geretteten, wonach strukturelle Gewalt und unmenschliche Verhältnissen in Libyen an der Tagesordnung sind, höchst alarmiert. Auf dem Treffen in Malta soll unter anderem über Maßnahmen zur Eindämmung der Migration von Libyen nach Italien beraten werden. Das Team von SOS MEDITERRANEE sammelt seit Beginn des Rettungseinsatzes im Februar 2016 die Aussagen von Geflüchteten. Allesamt beschreiben sie ihre Zeit im Transitland Libyen als „die Hölle“. In der Regel verbringen die meisten aus West- und Ostafrika flüchtenden Menschen einige Zeit in Libyen, bevor sie die gefährliche Überfahrt in Richtung Italien antreten. „Ich habe drei Monate in Libyen verbracht. Dort werfen sie Schwarze einfach ins Gefängnis. Zu Essen uns zu Trinken haben wir währendessen fast nichts bekommen“ berichtete am Donnerstagmorgen ein 26-jähriger Geretteter aus Guinea-Bissau. Ein 17-Jähriger aus Guinea ergänzte: „Die Libyer erschießen uns wie Hunde“.

„Die Überlebenden an Bord berichten uns immer wieder, wie sie in Libyen durch die Hölle gegangen sind. Wir könnten es nicht verantworten, sie an eben jene libysche Küste zurück zu bringen. Als europäische humanitäre Rettungsorganisation fordern wir die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu auf, diese Tragödie mit allen zur Verfügung stehenden friedlichen und humanen Mitteln zu beenden. Es ist höchste Zeit, dass der Schutz menschlichen Lebens auf See und an Land – auch in Libyen – oberste Priorität für alle Akteure im Mittelmeer hat“, sagte Timon Marszalek, Geschäftsführer von SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V. (SOS Mediterrannnee, Foto: Federica Mameli, SOS)