Wahl in Burundi: Krise trifft vor allem die Kinder

unicefTrotz internationaler Kritik und monatelanger Proteste fanden gestern in Burundi die Präsidentschaftswahlen statt – begleitet von neuen Anschlägen und Auseinandersetzungen. Seit Beginn der politischen Unruhen im April sind mehr als 160.000 Menschen vor der Gewalt im Land geflüchtet – über die Hälfte von ihnen sind Kinder.

 

Nachrichten über politische Unruhen, die ausbrechen, sich zuspitzen, eskalieren, hören wir tagtäglich und aus unterschiedlichen Ecken der Welt. Oft sind es aber erst die leisen Geschichten, die dem Ganzen ein Gesicht geben. Die uns berühren. Die uns von Sorgen und Ängsten erzählen. Und auch davon, was Hoffnung und Hilfe für Kinder bedeuten. Wie diese beiden Geschichten.

 

Anesie und Kelicia – Kampf ums Überleben

Anesie’s Stimme ist kaum zu hören, als sie von ihrer Enkelin spricht. „Wenn ich sie ansehe, kommen mir die Tränen. An ihr ist nicht mehr dran, als bei einem zwei Monate alten Baby.“ Kelicia ist eineinhalb Jahre alt und stark unterernährt. Kelicia und ihre Großmutter leben im Norden von Burundi, nahe der Grenze zu Ruanda. Ausbleibender Regen und schlechte Ernten sind in dieser Region keine Seltenheit. Selbst in ruhigen Zeiten haben viele Familien kaum genug, um ihre Kinder zu versorgen – manchmal reicht es nur für eine Mahlzeit am Tag.

 

Dies nicht genug. Seit im April Unruhen und Kämpfe aufgrund der erneuten Kandidatur von Präsident Nkurunziza entbrannt sind, sind viele Menschen in Burundi auf der Flucht. Sie hoffen auf Sicherheit in einem anderen Teil des Landes oder im Nachbarland. Jeden Tag sieht Anesie neue Gruppen von Flüchtlingen, die auf dem Weg in eines der Auffanglager hinter der Grenze sind. Sie selbst hat sich entschieden zu bleiben – für Kelicia, die lebensrettende Hilfe benötigt.

 

Wie die aussieht, erklärt John, ein Ernährungsspezialist von UNICEF in Burundi: „Die politische Situation und die Flüchtlingswellen verstärken die schwierige Ernährungssituation hier in der Region – und somit das Risiko für Kinder. Deshalb untersuchen wir momentan alle Babys zwischen 6 und 59 Monaten hier in der Region. Kinder, die schwer unterernährt sind wie Kelicia, erhalten sofort eine Behandlung mit therapeutischer Zusatznahrung.“

 

Allein auf der Flucht – Mariama und ihre Geschwister

In Fischerbooten oder auf einer der uralten Fähren retten sich die Menschen über den See nach Tansania. Die Überfahrt dauert bis zu zehn Stunden. Auch Mariama und ihre Geschwister haben sie vor ein paar Wochen auf sich genommen. „Wir haben uns bedroht gefühlt. Menschen werden geschlagen, getötet. Wir haben keine Eltern und niemanden, der uns schützt. Also beschlossen wir zu gehen“, erzählt die 16-Jährige. Sie kümmert sich alleine um ihre beiden Geschwister, seit die kleine Familie erst die Eltern verlor, und vor zwei Jahren auch der Onkel starb. Video HIER.

 

 

Zeitweise waren über 80% der Flüchtlinge aus Burundi, die in Tansania registriert wurden, Kinder. Viele von ihnen sind auf sich alleine gestellt wie Mariama und ihre Geschwister. Die UNICEF-Kollegen in Tansania arbeiten rund um die Uhr, um die unbegleiteten Kinder zu identifizieren und Schutz zu bieten – die Kinder brauchen Ansprechpartner, eine Unterkunft und Betreuung in den Flüchtlingscamps.

 

Mehr als 160.000 Menschen haben seit Beginn der Unruhen in Burundi das Land verlassen. In den Gastgemeinden und Flüchtlingscamps ist die Versorgung der vielen Menschen mit sauberem Wasser, sanitären Anlagen, Nahrungsmitteln und medizinischer Betreuung eine große Herausforderung. (UNICEF)