Zentralafrikanische Republik: 10.000 Vertriebene campieren im Krankenhaus von Batangafo

Nach einem erneuten Gewaltausbruch zwischen rivalisierenden Gruppen suchen in der Stadt Batangafo im Norden der Zentralafrikanischen Republik mehr als 10.000 Menschen Schutz in den Ruinen des dortigen Krankenhauses. Kämpfe zwischen Anhängern der Rebellenkoalition Séléka und so genannten Selbstverteidigungsgruppen haben die Stadt seit Ende Juli ins Chaos gestürzt. Es gab unzählige Raubüberfälle und Ermordungen. Mehrere Hilfsorganisationen wurden überfallen, darunter Ärzte ohne Grenzen. Ein Großteil des städtischen Lagers für Vertriebene wurde niedergebrannt und geplündert. Die Menschen waren gezwungen, andernorts Schutz zu suchen.

Das Vertriebenenlager, das vor drei Jahren aufgebaut worden war, muss so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden, fordert Carlos Francisco, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Als Notlösung verstärken wir das Wasserversorgungssystem, wir stellen Latrinen bereit und wir verbessern die Hygienebedingungen. Aber den Menschen muss ermöglicht werden, ihre Hütten so schnell wie möglich wieder aufzubauen und sicher in das Lager zurückzukehren.“

In der Zentralafrikanischen Republik sind derzeit nicht einmal Krankenhäuser sichere Orte. In den letzten Wochen haben sich bewaffnete Gruppen gewaltsam Zutritt zu Kliniken in Bangassou und Zemio verschafft. In Bangassou haben bewaffnete Männer zwei Patienten weggebracht. Diese wurden später tot aufgefunden. In Zemio haben bewaffnete Männer ein Kind in den Armen seiner Mutter erschossen.

„Die Zivilbevölkerung ist vollkommen hilflos“, beschreibt Francisco. „Stellen Sie sich vor wie es sein muss, wenn die Menschen denken, dass der einzige sichere Ort, der ihnen noch geblieben ist ein Krankenhaus ist. Wohlwissentlich, dass nicht einmal dieser noch ganz sicher ist.“

In Batangafo gab es in den vergangenen zwei Wochen zwei Wellen von Gewalt, am 29. Juli und am 1. August. Dabei sind 27 Menschen getötet worden, 17 weitere wurden verletzt. Einige der Verletzten wurden im Krankenhaus versorgt, darunter Kämpfer beider Gruppen. Wegen der Kämpfe wurden die Allgemeinuntersuchungen zeitweilig ausgesetzt, während die Notfallmedizin mit zusätzlichen Kapazitäten unterstützt wurde. Inzwischen konnte die Arbeit in allen Bereichen wieder aufgenommen werden.

Seit vergangenem November hat sich der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik, der 2013/2014 begonnen hat, intensiviert. In den vergangenen Monaten sind mehr als 180.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen. Die Zahl der innerhalb des Landes Vertriebenen ist auf 400.000 gestiegen. Weitere 500.000 Menschen sind in die angrenzenden Nachbarstaaten geflohen und das bei einer geschätzten Gesamtbevölkerung von 4,5 Millionen Menschen.

Ärzte ohne Grenzen hilft seit 1996 in der Zentralafrikanischen Republik. Aktuell arbeiten mehr als 2.400 nationale Mitarbeiter und 230 internationale Mitarbeiter vor Ort. Seit dem Jahr 2013 hat Ärzte ohne Grenzen als Reaktion auf die Krise die medizinische Hilfe verdoppelt. Im Moment gibt es Teams in 20 Projekten im Land. Sie stellen kostenlose medizinische Versorgung bereit. Dazu zählen die pädiatrische Versorgung, Routineimpfungen, Müttergesundheit und die Chirurgie ebenso wie die Behandlung für Krankheiten wie HIV und Tuberkulose. (MSF)