Zum 7. Forum „Green Revolution Africa“: Welche Erwartungen für die Entwicklung des Kontinents?

Sehen wir in der Grünen Revolution aufbrechende Veränderungen? Natürlich, Afrika muss in seiner Komplexität um sein Grün kämpfen. Was verstehen Afrikaner unter der Green Revolution? Ihre Staatsführer, Experten und Eliten beraten jährlich darüber und erkennen die Herausforderungen, d.h. umfassende Planung von integrativen Projekten und deren Umsetzung in den lokalen Strukturen. 

Die Initiative zur „Allianz der Grünen Revolution für Afrika (AGRF)“ muss erhebliche Umbrüche in der afrikanischen Agrarwirtschaft erreichen, um die Ziele für eine eigene Nahrungsmittelversorgung zu sichern. Der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank betonte, dass nur mit erheblich größeren Anstrengungen Afrika in der Nahrungsmittelproduktion autark wird und die Landwirtschaft in einen Reichtum schaffenden Sektor gewandelt wird.

Das aktuelle Erscheinungsbild Afrikas ist äußerst stark belastet und getrübt durch die andauernde Armut, durch Hunger, Unterernährung und Elend für Tausende Menschen, besonders in Ostafrika. Dazu analysiert der UN-Report 2017 die kaum fassbare Lage mit 815 Mio. hungernden Menschen, davon 520 Millionen in Afrika!

Es ist für uns wichtig, die Faktoren herauszustellen, worauf die Grüne Revolution gerichtet ist. Die Abidjaner Tagung des 7. Forums zur Allianz der Afrikanischen Grünen Revolution vom 4. bis 8.September 2017 setzte den Focus für Afrika auf Beschleunigung des Weges zu Wohlstand durch Wirtschaftswachstum und Arbeitsplatzbeschaffung vor allem durch die Landwirtschaft.

Initiiert wurde die Initiative vom ehem. UN-Generalsekretär Kofi Annan bereits 2010 mit dem 1. Forum von Accra mit dem Ziel, Politiker, Experten und Shakeholder in eine Kampagne für die intensive  Erschließung der landwirtschaftlichen Potentiale. Zum 6. Forum 2016 in Nairobi berichtet man, dass von zuverlässigen Partnern mehr als US$ 30 Mrd. an Investitionen für Kleinbauern und lokale afrikanische Landwirtschaft für die nächsten 10 Jahre versprochen wurden. Entscheidend für die Stärkung der afrikanischen Volkswirtschaften sind die Eigeninitiativen der Staatsführungen, ihre Motivierung zum Strukturwandel im Agrarbereich jedes Landes. Hier liegt der Schwerpunkt auf Existenzsicherung und Verbesserung der Lebensverhältnisse von 30 Millionen Kleinbauernfamilien.

Für den Bedarf an umfangreichen Investments ist eine breite Finanzpartnerschaft beteiligt, wie z.B. mit der ADB, der IFAD, der Rockefeller Foundation, ebenso die FAO, die AGRA, die OCP Africa Group, die AFAP (African Fertilizer & Agrobusines Partnership ), der YARA International und SYNGENTA  u.a. Es stellt sich immer wieder die Frage, wie im Rahmen dieser Partnerschaften innovative Mechanismen für die Food Security Strategy zur Umsetzung der Investments angeboten werden. Verbunden damit ist eine zuverlässige Kontrolle erforderlich.

Im Ergebnis des Forums wird zusammen von der Bill & Melinda Gates Foundation, der Rockfeller Foundation und der USAID eine Förderung bereitgestellt werden von US$ 280 Millionen für die Agrarumgestaltung in den 11 Niedrig-Ländern. Die AfDB ist beteiligt mit ihrer „Feed Africa Strategy“ und geplantem Investment von US$ 24  Mrd. über die nächsten 10 Jahre. Von der Weltbank sind im Rahmen der G20 -Aktivitäten US$ 57 Mrd. für Subsahara Afrika für die nächsten 3 Jahre angeboten.

Vom BMZ wird die AGRA mit 10 Millionen Euro unterstützt für nachhaltige Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft.

Diese Darstellung zur Investitionsbereitschaft verspricht Optimismus für die Entwicklung. Ein interessantes Beispiel gab die Unterstützung Malawis, wo bereits 2009/2010 von einer grünen Revolution berichtet wird. Der Erfolg („Wunder von Afrika“) sei aber nach außen übertrieben worden. Mit Hilfe von importiertem und subventioniertem Dünger und Hybridsaatgut konnte die Maisproduktion erheblich gesteigert werden und führte sogar zu Überschüssen. Aber in der Folge gerieten größere Agrarbetriebe Malawis in ausländische Hand. Das bedeutet wiederum ungerechte Verteilung von Ackerland zum Nachteil der Kleinbauern, und die Folgewirkungen bleiben aus.

Welche Anstrengungen notwendig sind, um heute den Maisanbau als wichtiges Nahrungsmittel zu sichern, zeigen die Produktionswerte für Mais, die in Subsahara Afrika bei 1 t/ha und in Europa bei 10 t/ha liegen. Erforderlich sind Konzepte für die intensivere Landnutzung und Erweiterung der Ackerflächen, auch für Forstkulturen, für systematische Verbesserung der Bodenqualitäten, Erhöhung der Fruchtbarkeit und vor allem der Produktivität. Agrarexperten sollten dafür Landwirtschaftsprojekte entwerfen, mit den Farmern, ausgerichtet auf die natürlichen Verhältnisse, verbunden mit Anbauberatung und Bodenbearbeitung. Ein weiterer Bereich ist die Produktverarbeitung, Lagerung und Erarbeitung von Absatzkonzepten. Einbezogen werden müssen die Bereiche der Infrastruktur, Wasserversorgung und Elektrifizierung. Die Landwirtschaft als Kernbereich der wirtschaftlichen Entwicklung in allen afrikanischen Ländern muss an erster Stelle der Regierungspolitik stehen.

Nicht nur Deutschland, sondern Europa überhaupt müssen sich in der Afrikapolitik wesentlich intensiver auf die Partnerschaft im Agrarsektor ausrichten und beitragen zu Erfolgen in der Grünen Revolution Afrikas! (Gerd Eckert, dipl. oec)