20 JAHRE DEMOKRATIE IN SÜDAFRIKA: Gespräche, Filme, Konzerte in Berlin

2014 begeht die Republik Südafrika den 20. Jahrestag der ersten demokratischen Wahlen. Das Ende der Apartheid bot Millionen von vormals Entrechteten einen neuen Lebenshorizont. Das Haus der Kulturen der Welt feiert dieses Jubiläum mit einer kritischen und vielstimmigen Bestandsaufnahme der Entwicklungen seit 1994.

Protagonisten der Anti-Apartheid-Kämpfe wie der Jazzmusiker Hugh Masekela, der Publizist Njabulo Ndebele oder die Lyrikerin Antjie Krog treffen im Rahmen des Festivals 20 JAHRE DEMOKRATIE IN SÜDAFRIKA auf Vertreter der neuen Generationen wie den Filmemacher Khalo Matabane oder den afro-futuristische Trendsetter Nozinja. In Filmen, Lesungen und Gesprächen geht es um die Erfolge im Übergang zur Demokratie, aber auch um die Herausforderungen, denen sich das Land heute stellen muss: die Wunden der Vergangenheit, die wachsende Ungleichheit, die gesellschaftliche Intoleranz. Als „Testfall Demokratie“ bietet die Auseinandersetzung mit Südafrika auch Einblicke in die Versprechungen und Zumutungen, die demokratische Gesellschaften weltweit zu meistern haben.

Ein diskursiver Auftakt mit einer Keynote von Njabulo Ndebele (28.8., 18h) sowie ein Symposium (29.8.) mit südafrikanischen und deutschen Akteuren setzen sich mit der Gestaltung der Übergangsphase, der Wahrheitsfindung zu den Verbrechen der Apartheid sowie sowie der Bedeutung von Armut und Bildungsgefälle als Herausforderungen für die Demokratie auseinander. Im Symposium diskutieren u. a. die Bildungsexpertin Carole Bloch, die Rechtsanwälte Dumisa Buhle Ntsebeza und Christine Qunta, der Wirtschaftsexperte Mzukisi Qobo, die Filmemacher Jihan El-Tahri und Khalo Matabane, die Kulturwissenschafler Njabulo Ndebele und Pumla Gqola, der Sozialwissenschaftler Ben Khumalo-Seegelken, die Lyrikerin Antjie Krog, der Publizist Xolela Mangcu, die Künstlerin Zanele Muholi, der Kurator Storm Janse van Rensburg u.a. am 29.8. zu den Themen Wirtschaft, Gemeinwesen und Zukunftsfähigkeit (10h), Bildung und Demokratisierung (11.30h), Wahrheit und Gerechtigkeit (14.30h) und Kultur und Öffentlichkeit nach der Apartheid (16h). Das anschließende Poetry-Reading von Antjie Krog Belonging to the Voices who live in it auf /Xam, Afrikaans, Sepedi und Sesotho um 18h findet mit deutscher und englischer Simultanübersetzung statt.

Ein kommentiertes Filmprogramm wirft kritische Schlaglichter auf die jüngste Geschichte und Gegenwart Südafrikas. Zur Eröffnung am 28.8. erzählt der Spielfilm Otelo Burning von Sara Blecher die Geschichte des 16-jährigen Surfers Otelo Buthelezi, der 1989 in einem Township in Durban lebt. Am Tag von Mandelas Haftentlassung erlebt Otelo eine persönliche Tragödie und muss sich zwischen einer sportlichen Karriere als Surfer und seinem Glauben an politische Gerechtigkeit entscheiden.

Die Filme am Freitag und Samstag setzen sich mit den Defiziten der jungen Demokratie auseinander. Die Dokumentation Miners Shot Down (R: Rehad Desai) schildert eindringlich , wie beim Minenarbeiterstreik im August 2012 die Polizeigewalt eskalierte (29.8., 19h) in Behind the Rainbow untersucht Jihan El-Tahri (29.8. , 21h ) am Beispiel von Thabo Mbeki und Jacob Zuma, wie sich Macht auf den Traum von Gerechtigkeit auswirkt. Das Drama Layla Fourie von Pias Marais reflektiert soziale Schwachstellen und den Sicherheitswahn Südafrikas (30.8., 18h) und Nelson Mandela: The Myth & Me von Khalo Matabane greift am 30.8. um 20h anhaltende Kontroversen um den Mythos Mandela auf. Das Festival endet am 31.8. mit drei weiteren Filmen: die Dokumentation Long Night’s Journey into Day (R: Deborah Hoffmann und Frances Reid) stellt anhand der Truth and Reconciliation Commission, eingesetzt im Zuge der Versöhnungspolitik 1996–98, die Frage, ob Wahrheitsfindung mit Vergebung einhergehen kann; Ingrid Martens porträtiert in Africa Shafted durch Gespräche mit Bewohnern des größten Wohnkomplexes Johannisburgs ein hoffnungsvolles „Little Africa“ – kurz vor Beginn der Vertreibung der Mieter und xenophoben Attacken. Abschließend erzählt Oliver Hermanus mit dem Spielfilm Beauty (Skoonheid) eine Geschichte über unterdrückte Homosexualität in einem erzkonservativen weißen Milieu.

Am 28.8. um 20h spielt Hugh Masekela ein Open-Air-Konzert. 1968 mit einem Grammy prämiert, arbeite der bekannteste südafrikanische Jazzmusiker u. a. mit Größen wie Fela Kuti, Paul Simon, Bob Marley und Louis Armstrong. Sein Song Bring Him Back Home wurde 1987 zur Hymne für die Befreiung Nelson Mandelas. Bereits 2009 spielte Hugh Masekela am HKW, nun kehrt er mit der Verbindung aus Zulu-Traditionen, Soul, Jazz und Pop zurück. Der Samstagabend bietet dann eine musikalische Fortsetzung: Shangaan Electro, die Electro-Dance-Kreation um den extravaganten Produzenten und Entertainer Nozinja hat längst Kultstatus – nicht nur in „Joburg“: Musiktraditionen der Tsonga beschleunigt auf bis zu 180 BPM sowie der dazugehörige Highspeed-Tanz, ein Mix aus Tsonga-Tänzen und Pantsula (Zulu für „wie eine Ente“), erobern Clubs und Musikkanäle weltweit. Am 30.8. ist Nozinja nun im Haus der Kulturen der Welt live zu erleben.

Das Haus der Kulturen der Welt blickt auf eine langjährige Geschichte der Auseinandersetzung mit Südafrika zurück. 1996 veranstaltete das HKW nicht nur die erste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst Südafrikas, sondern lud Nelson Mandela zu einer bis heute unvergessenen Begegnung mit der Berliner Öffentlichkeit ein. Mit dem Themenwochenende zum 20-jährigen Bestehen der Demokratie in Südafrika führt das HKW auch die programmatische Auseinandersetzung mit demokratischen Transformationsprozessen im arabischen und afrikanischen Raum weiter.

Ausführliches Programm und Filmtrailer unter www.hkw.de/suedafrika

28.–31.8.2014
Keynote und Symposium: Eintritt frei
Filme: 6/4€
Konzert Hugh Masekela inkl. Film Otelo Burning: 18/15€
Konzert Nozinja (Shangaan Electro): 8/5€

 

In Kooperation mit der Botschaft der Republik Südafrika
Mit besonderer Unterstützung des Auswärtigen Amtes
Unterstützt von der Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft – SAFRI, South African Airways, Brand South Africa und Babylonstoren