3,4 Milliarden US-Dollar für Forschung zu armutsbedingten Krankheiten zu wenig – Pharmaindustrie fehlt der wirtschaftliche Anreiz

Krankenhaus LuandaHannover, 3. Dezember 2015. Im Jahr 2014 wurden weltweit 3,4 Milliarden US-Dollar in die Forschung und Entwicklung zu armutsbedingten Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria investiert. Das sind zwar 150 Millionen US-Dollar mehr als im Vorjahr, doch die Erhöhung der Mittel bezieht sich allein auf Ebola. Für alle anderen Krankheiten stagnierten die Investitionen. Das geht aus dem neuen Forschungsbericht „G-Finder“ hervor, den das unabhängige Institut Policy Cures heute veröffentlicht hat.

 

Öffentliche Mittel ohne Ebola rückläufig

Rund zwei Drittel der Gelder (2,2 Milliarden US-Dollar) kamen aus dem öffentlichen Sektor, davon 54 Millionen US-Dollar aus Deutschland. Gegenüber 2013 war dies eine Erhöhung sämtlicher öffentlicher Mittel um 55 Millionen US-Dollar, die jedoch allein in die Erforschung von Ebola flossen. Die Investitionen für andere armutsbedingte Krankheiten waren rückläufig.

 

„Das ist eine dramatische Entwicklung“, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. „Denn täglich sterben mehr als 16.000 Menschen an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten – vor allem in Entwicklungsländern. Bei diesen Krankheiten fehlt der Pharmaindustrie der wirtschaftliche Anreiz, da die Betroffenen in der Regel nicht zahlungskräftig sind. Daher sind öffentliche Investitionen für die Forschung und Entwicklung von neuen Präventions-, Diagnose- und Behandlungsmethoden lebenswichtig. Auch Deutschland muss sich hier stärker als bisher engagieren.“ (Stiftung Weltbevölkerung, Foto: irin)