47. AFRAA-Gipfel im Kongo: Open Sky in Afrika ein Muss

01-01-AFRAAOrganisiert von Fatima Beyina-Moussa, Chefin der kongolesischen Fluggesellschaft ECAir und unter der Schirmherrschaft von Kongos Präsident Sassou Nguesso, trafen sich die Vertreter von 35 afrikanischen Fluggesellschaften, alle Mitglieder der African Airlines Association (AFRAA), vom 8. bis 10. November 2015 in Brazzaville zur 47. Jahrestagung. Insgesamt 315 Teilnehmer verzeichnete das Treffen, darunter auch Aussteller und eine große Anzahl nationaler und internationaler Medien – AFRICA live war dabei. Unter dem Motto „“ Open Sky: Wachstum durch Wettbewerb und Zusammenarbeit“, ging es in den Diskussionen vor allem um die Liberalisierung des afrikanischen Luftverkehrs.

Im Jahr 1964 gegründet, hat die AFRAA die Aufgabe, afrikanische Flugunternehmen zu fördern und zu unterstützen. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen des Kontinents wird gefördert, um eine Art Interkonnektivität, ein Maximum an innerafrikanischen Verbindungen zu entwickeln. Seit 1999 haben die afrikanischen Staaten sich verpflichtet, die „Yamoussoukro Decision“ (YD), deren Zweck die vollständige Umsetzung der Liberalisierung des Luftverkehrs unter Beachtung der internationalen Sicherheitsstandards ist, zu implementieren. Allerdings haben nur 11 afrikanische Staaten einschließlich der Republik Kongo sich bisher fest entschlossen, die DY im Januar 2017 anwenden. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Unternehmen aus einem Land in zwei Drittländern tätig sein kann. Zum Beispiel könnte eine kongolesische Gesellschaft im Senegal sitzen und von dort aus Flüge nach Mauretanien anbieten. Dies ist in Europa bereits möglich, aber noch nicht in Afrika, weil es immer noch Widerstand gibt, unter anderem der Wunsch, die nationalen Unternehmen zu schützen.

05-01-Sassou„Einer der großen Vorzüge Ihres Verbandes ist es, verstanden zu haben, dass Einigkeit stark macht, und in Ihrer Branche ist die Solidarität untereinander sehr wichtig. Sie verfolgen Ambitionen und Ziele, die auch die der Afrikanischen Union sind“, sagte der kongolesische Staatschef (Foto) in seiner Eröffnungsrede. Er ermutigte die AFRAA, mehr Selbstbewusstsein an den Tag zu legen und ihre Mitglieder zu ermutigen, die Umsetzung des Yamoussoukro-Beschlusses durchzusetzen.

Tony Tyler, CEO der IATA, erklärte in seiner Rede, dass die Liberalisierung des afrikanischen Himmel keine leichte Aufgabe sei. „Die Umsetzung der DY war langsam, und die Vorteile sind noch nicht vollständig erkannt worden“, sagte er. Während einer Diskussion zwischen den Luftfahrtunternehmen erklärte der neue Generaldirektor von Egypt Airlines, der erst seit 2 Monaten im Amt ist, dieses Phänomen: „Seit meinem Amtsantritt habe ich bereits zweimal ein Beratungsunternehmen beauftragt, den YD-Beschluss zu analysieren. Und jedes Mal bekam ich zur Antwort, es lohne sich nicht, es würde uns keinen Nutzen bringen. Aber ich gebe nicht auf, ich werde einen dritten Sachverständigen beauftragen“.

05-02-Fatima„Riesige Möglichkeiten ergeben sich dadurch für die Luftfahrtindustrie auf dem afrikanischen Kontinent“, sagt hingegen Fatima Beyina-Moussa (Foto), Chefin der kongolesischen Gesellschaft ECAir. „Wir haben die Vorteile verstanden, und alle Airlines sollten ihre Anstrengungen bündeln und die afrikanischen Nationen sich dazu verpflichten, ihren Luftraum zu öffnen. Es sind die örtlichen oder regionalen afrikanischen Fluggesellschaften, die davon profitieren werden. Im Laufe der Zeit wird es sicherlich sogar afrikanische Fluggesellschaftsverbände geben“, prognostizierte sie. Um diese Vorteile zu quantifizieren, hat die IATA kürzlich unabhängige Ökonomen beauftragt, die potenziellen Auswirkungen der Anwendung der DY in 12 afrikanischen Ländern zu untersuchen. In ihrem Fall waren die Ergebnisse überraschend: eine innerafrikanischen Liberalisierung zwischen den 12 Märkten würde zu 155.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen und einem Wachstum von 1,3 Mrd. $ des jährlichen BIP führen. Darüber hinaus hätten fünf Millionen mehr potenzielle Passagiere pro Jahr die Gelegenheit zu reisen.

Während des Treffens diskutierten die Teilnehmer über die Herausforderungen und diskutierten die Möglichkeiten, das Wachstum des Luftverkehrs auf dem Kontinent zu fördern. Bei dem Treffen wurden auch die anwesenden Regierungsvertreter angehalten, die Preise von Luftverkehrsdiensten zu senken, damit sie konkurrenzfähig sein, denn “ in einer Umgebung, wo alles ist teuer sind, ist es schwierig für Fluglinien, Gewinn zu machen“, sagte Frau Moussa. In der Tat, im Vergleich zum Weltdurchschnitt, haben afrikanische Flugunternehmen mit hohen Flughafengebühren zu kämpfen, und das Handling, Catering und Kerosinkosten sind in Afrika übermäßig hoch.

Der Generalsekretär der AFRAA, Dr. Elias Chingosho nannte noch andere Probleme, die Afrika zu bewältigen hat. Wilderei bedrohe die Biodiversität, Terrorakte, einschließlich der Boko Haram-Sekte, und Epidemien. Er rief die Unternehmen auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Kampf gegen diese Bedrohungen zu unterstützen. Und, sagte er, sinkende Treibstoffpreise wären der beste Weg, um mit dem Rest der Welt in Bezug auf die Ticketpreise mithalten zu können.

In den Schlussfolgerungen beschlossen die Mitglieder der AFRAA, die Zusammenarbeit zwischen den afrikanischen Unternehmen zur Priorität zu machen, damit durch Zusammenarbeit Allianzen entstünden. Die Liberalisierung des afrikanischen Himmels ist vielleicht nicht morgen, aber man kommt dem Endziel Schritt für Schritt näher.

Am Ende des Treffens wurde Edmund Makona, CEO von Air Zimbabwe, als neuer Präsident der AFRAA ernannt, um Frau Fatima Beyina-Moussa, deren Mandat mit dieser 47. Versammlung endete, abzulösen. Demzufolge wird Air Zimbabwe die 48. Generalversammlung der AFRAA von 20 bis 22. November 2016 in Victoria Falls, Simbabwe  hosten. (Ingrid Aouane)