Adenauer Stiftung „Die vergessene Krise – Gesundheitspolitik in Südafrika und der Umgang mit HIV“

Adenauer Stiftung „Die vergessene Krise - Gesundheitspolitik in Südafrika und der Umgang mit HIV“

HIV zählt zu den verheerendsten Pandemien unserer Zeit. Südafrika – das Land, in dem ein Fünftel aller weltweiten ­HIV-Fälle zu finden ist – konnte mittlerweile Fortschritte erzielen. Doch dies könnte sich ändern, wenn nicht möglichst alle ­HIV-positiven Einwohner konsequent antiretrovirale Medikamente einnehmen, riskantes Verhalten zu- und das Problembewusstsein in der Bevölkerung abnimmt. Erste Anzeichen hierfür gibt es bereits.

36,9 Millionen Menschen leben derzeit weltweit mit dem „Humanen Immunschwäche-Virus“ (­HIV) und 35,4 Millionen sind bisher an den Folgen von ­HIV und ­AIDS gestorben. Dies stellt die globale Entwicklungspolitik vor eine große Herausforderung. ­HIV/­AIDS hat nicht nur desaströse Auswirkungen für die erkrankten Individuen und betroffenen Gemeinschaften, sondern ist auch eine Bedrohung für die politische und wirtschaftliche Stabilität, Sicherheit und Entwicklung eines Landes. Das HI-Virus schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte, indem es Immunzellen zerstört. Unbehandelt wird ­HIV zum Acquired Immuno­deficiency Syndrome (­AIDS), wobei der Körper eindringende Bakterien (z. B. Tuberkuloseerreger), Pilze oder Viren nicht mehr bekämpfen kann. Das Virus wird durch verschiedene Körperflüssigkeiten übertragen. So kann es bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, Blut-zu-Blut-Kontakt (z. B. durch infiziertes Spritzbesteck bei Drogeninjektionen) und Mutter-Kind-Übertragung (Schwangerschaft, Geburt, Stillen) zu ­HIV-Infektionen kommen. ­HIV ist nicht heilbar, doch seit der Verbreitung antiretroviraler Medikamente (­ARVs) behandelbar. Diese reduzieren die Viruskonzentration im Blut und verringern das Risiko, dass sich eine ­HIV-Infektion zu ­AIDS weiterentwickelt. ­ARVs erhöhen die Lebenserwartung von ­HIV-positiven Patienten deutlich, können jedoch schwere Nebenwirkungen haben und müssen ein Leben lang eingenommen werden.

Über erste Fälle von ­HIV/­AIDS wurde Anfang der 1980er Jahre in den ­USA, Europa und afrikanischen Ländern berichtet. Bis Mitte des genannten Jahrzehnts hatte sich die Krankheit auf allen fünf Kontinenten verbreitet, wobei das östliche und südliche Afrika zwischen Mitte der 1990er und Mitte der 2000er Jahre zum Epizentrum wurden. Durch gezielte Aufklärungskampagnen und frühzeitige Verbreitung von Kondomen sowie antiretroviraler Medikamente an die Bevölkerung gelang es einigen Schwellenländern wie Botswana, Namibia und Brasilien bereits ab Mitte der 1990er Jahre erste Erfolge im Rückgang von ­AIDS-Toten sowie von Neuinfektionen zu erzielen. Die internationale Gemeinschaft setzte es sich 2016 in den Sustainable Development Goals zum Ziel, die Ausbreitung der Pandemie bis 2030 vollständig einzudämmen. Dieses Ziel ist ambitioniert, denn die Prävention und Behandlung von ­HIV ist für Nationen weltweit nach wie vor eine Herausforderung. Die besonders unter dem HIV-Virus leidende Region ist Subsahara-Afrika, wo 25,7 Millionen Menschen ­HIV-positiv sind. Allein in Südafrika, dem Land mit der höchsten ­HIV-Rate, sind 20,6 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren an ­HIV erkrankt. Insgesamt sind 7,9 Millionen Menschen in Süd­afrika infiziert. Rund ein Drittel hiervon hat noch immer keinen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten und die Zahl der jährlichen Neuinfektionen liegt bei 275.000. Jedes Jahr sterben in Südafrika zwischen 89.000 und 110.000 Menschen an Folgeerkrankungen von ­HIV und ­AIDS, wobei damit verbunden Tuberkulose (­TBC) eine der häufigsten Todesursachen ist.

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