Afrika: Der Kampf gegen krank machende Nahrung – Wenn Menschen aus Armut verdorbene Lebensmittel essen

© Ingrid Aouane

Das Essen von verdorbenen Lebensmitteln verursacht in Afrika enorme gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden. Darauf weist das Berliner Hilfswerk ora Kinderhilfe international e. V. hin. Aus Armut sind die Menschen gezwungen, verdorbene Lebensmittel zu essen oder verschmutztes Wasser zu trinken.

Das Thema Lebensmittelsicherheit, das bei uns in Deutschland so eine große Rolle spielt, hat in Afrika fast keine Bedeutung. Lebensmittel werden meist auf Märkten gehandelt. Dort wimmelt es von Fliegen und Ungeziefer. Sie setzen sich auf Fleisch, Obst und Gemüse. Dabei können sie Krankheitserreger wie Salmonellen oder Kolibakterien übertragen. Auf Märkten in Uganda hat das International Livestock Research Institute in jedem dritten Stück Fleisch Salmonellen gefunden.

In Deutschland undenkbar, aber in armen Ländern kann sich niemand leisten, Lebensmittel in den Müll zu werfen. Die Folgen davon: Laut WHO erkranken in Afrika jedes Jahr rund 91 Millionen Menschen an Lebensmittelinfektionen. Etwa 137.000 Menschen sterben an ihrer Erkrankung.

„Lebensmittelsicherheit spielt in Afrika praktisch keine Rolle“, erklärt Carmen Schöngraf, Geschäftsführerin von ora Kinderhilfe. „Wenn überhaupt, dann gilt sie für Exportgüter, um Handel und Wirtschaft anzukurbeln. In einem Land wie Sierra Leone können es sich die Menschen einfach nicht leisten, ein Stück Fleisch oder Gemüse wegzuwerfen, nur weil es etwas komisch aussieht. Wer Durst hat, trinkt auch lieber schmutziges Wasser, als zu verdursten.“

Dabei lohnt sich Lebensmittelsicherheit. Die Weltbank schätzt, dass lebensmittelbedingte Krankheiten in Afrika einen wirtschaftlichen Schaden von 16,7 Milliarden Dollar verursachen. Damit kosten lebensmittelbedingte Krankheiten Afrika so viel wie HIV/Aids, Malaria oder Tuberkulose.

ora Kinderhilfe unterstützt die Menschen in ihren Projekten ganz praktisch, um Krankheiten durch Lebensmittel zu vermeiden. In Sierra Leone betreibt die Kinderhilfe z. B. eine Bäckerei, in der unter hygienischen Bedingungen Brot gebacken wird. Und zu ihren Landwirtschaftsprojekten gehören auch Lagerräume, um Obst und Gemüse sicher und sauber zu lagern. „Ganz wichtig ist es auch, Aufklärungsarbeit zu leisten“, betont Schöngraf, „viele Menschen wissen einfach nicht, welche Folgen der Verzehr von verdorbenen Lebensmitteln hat. Vor allem bei Kindern kann er schwere Entwicklungsstörungen auslösen. Und Hygiene muss nicht teuer sein. Oft genügt es schon, Lebensmittel mit einem Netz abzudecken. Solche Informationen für Eltern und Familien sind Teil des ora-Patenschaftsprogramms in Afrika.“ (ora)