Afrika: Fische verenden durch Östrogene

Weibliche Sexualhormone schwächen Immunsystem
Die Ökotoxikologin Marte Braathen von der Norvegian School of Veterinary Science http://nvh.no benutzt Welse und Zellen aus der Leber von Lachsen, um die toxische Belastung in afrikanischen Seen und Flüssen zu messen.

Ihr Ergebnis: Weibliche Geschlechtshormone wirken sich nicht nur auf den Hormon-Haushalt der Tiere aus, sie schwächen auch das Immunsystem der Wasserbewohner. Östrogene sind nicht die einzigen Schadstoffe für die Fische, Metabolite von Polychlorierten Biphenyle (PCB) entfalten eine ähnliche Wirkung wie weiblichen Hormone.

Stoffwechselvorgänge wichtig
PCB ist ein Bestandteil von Lacken oder Schmiermitteln. PCB-Metabolite entstehen durch Stoffwechselvorgänge. Daher ist es sinnvoll, Fische oder Zellen als Messeinheit zu nehmen, bestätigt auch Werner Kloas, Abteilungsleiter der Abteilung Binnenfischerei am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei http://www.igb-berlin.de , im pressetext-Gespräch.

Chemische Analysen zeigen im Vergleich dazu nicht die volle Auswirkung von toxischen Stoffen am Ende des Stoffwechselvorgangs. Dass PCB-Metabolite und Östrogene jedoch das Immunsystem schädigen, ist schon lange bekannt. „Die toxische Komponente ist nicht von der Hand zu weisen – alles, was einen steroidähnlichen Charakter hat, kann das Immunsystem schädigen“, sagt Kloas. Zudem seien PCBs ohnehin dermaßen giftig, dass die hormonähnliche Wirkung zweitrangig sei. „Sie können die Wirkungen gar nicht auseinander dividieren“, so Kloas weiter.

Verbot für PCB-belastete Fische
Braathen hat ihre Untersuchungen in Südafrika, Tansania und Norwegen durchgeführt. Unter anderem am Mindu Damm, der von der lokalen Bevölkerung als Quelle für Trinkwasser und als Angelplatz dient. Die toxikologischen Belastungen der Tiere nimmt der Mensch beim Verzehr auf. „PCB-belastete Fische sollte man nicht in den Verkehr bringen“, warnt deshalb Kloas. (pte)