Afrika: Plastiktüten - eine  Hypothek für Generationen?

Afrika: Plastiktüten – eine Hypothek für Generationen?

Aissata hat ihren Stand mit Obst an einer gut befahrenen Straße in Bamako. Die ganze Woche über verkauft sie die in Mali, Marokko oder der Elfenbeinküste produzierten Bananen, Ananas, Orangen und Pampelmusen. Alles Gekaufte wird einzeln in die schwarzen, fast durchsichtigen Plastikbeutel verpackt. Sie Aissata sieht keine Möglichkeit, diese für sie erschwinglichen Beutel durch anderes Einpackmaterial zu ersetzen.

„Was soll ich denn meinen Kunden anbieten?“ Diese Behältnisse, meist aus schwarzem Plastik, sind in jeder Ecke der Städte und Dörfer in Mali, achtlos weggeworfen, zu finden. Genutzt werden sie um jeden noch so kleinen gekauften Gegenstand in Plastiktüten einzupacken und nach Hause zu tragen: sei es Fleisch, Obst, Gemüse, Streichhölzer, Tomatenkonzentrat, Joghurt, Milch oder das in kleinen Plastiksäckchen eingepackte Wasser. Stoffe, Kleidung, Schuhe und Holzkohle werden in diese Plastikbeutel eingehüllt.

Die früheren Gewohnheiten, das Eingekaufte in den Pagnes (traditionelle Baumwollstoffe), Kalebassen, in den geflochtenen Körben zu transportieren sind neben den Plastikeimern und -körben mehr und mehr den schwarzen nicht sehr stabilen Plastiktüten gewichen. Diese weit verbreitete Konsumgewohnheit trägt bei zu einer massiven und flächendeckenden Verbreitung, in Wohngebieten wie auch überall in der Natur.

Die Folgen dieser Gewohnheit: verstopfte Abwasserkanäle veurachen Überschwemmungen in der Regenzeit. Die angesammelten schwarzen Überbleibsel werden auf die Straße gespült. Neben den Wasserlachen sind sie die idealen Brutstätten von Mücken, Bakterien und Mikroben. Umherziehende Tiere fressen die allerorten verstreuten Reste von Plastiktüten. Die Konsequenzen für die Umwelt, für die Bevölkerung und für die vagabundierenden Tiere sind vielgestaltig. Plastikmüll ist mitverantwortlich für die Zerstörung der Biodiversität. Nachhaltige gesundheitliche Schäden für Menschen und Tiere sind die Folgen dieser in unzähligen Mengen herumliegenden Kunststoffbeutel.

Der größte Teil von ihnen wird nicht sortiert und recycelt: Die Lebensdauer dieser überall verbreiteten schwarzen Tüten schwankt zwischen 100 und 400 Jahren.

Alternativen: Verbote, Weiterverarbeitung, Informationen?
Es gibt zahlreiche Initiativen, um dieser Gewohnheit etwas entgegen zu setzen. Eine ist das erklärte Verbot der Regierung afrikanischer Staaten, die Androhung von Strafen, um den Gebrauch dieser Plastiktüten einzuschränken oder zu verhindern.

In Ruanda werden in den Geschäften den Kunden stabile Papiertüten angeboten. Die Nutzung von Plastiktüten ist seit längerer Zeit strikt verboten.

Tansania, Uganda, Südafrika und Kenia haben bereits den Konsum von Kunststoffbeuteln untersagt.

Mauretanien und Mali haben sich 2013 entschlossen, diese die Umwelt gefährdende Verpackungsmaterialien zu verbieten. Das betrifft sowohl die Herstellung, die Vermarktung und deren alltäglichen Gebrauch.

Beispiele von Wiederverwertung dieser Plastikabfälle existieren in Burkina Faso, Niger wie auch in Mali. Aus den gesäuberten Plastiktüten werden Gegenstände des alltäglichen Bedarfs hergestellt: Taschen und Teppiche jeglicher Größe, Stühle, Blumentöpfe und Kaffeetische.
Darüber hinaus gibt es Versuche, aus diesem Material Pflastersteine für den Straßenbau zu produzieren. Der brennende Kunststoff, wird mit Sand gemischt und so zu einem teerähnlichen extrem festem Material. Während dieses Produktionsprozesses entstehen giftige Gase, deshalb ist das Tragen eines Schutzes unumgänglich.

In Mali sind biologisch schnell abbaubare Tüten auf dem Markt. Doch noch überwiegen die schwarzen Tüten, die in großer Anzahl vorhanden sind und die nach wie vor zu den unterschiedlichsten Zwecken genutzt werden.

Bis andere Materialien, wie lokal produzierte Körbe, oder biologisch abbaubare Verpackungen wirklich genutzt werden, oder eine angepasste Abfallentsorgung etabliert werden kann, wird noch einige Zeit ins Land ziehen. (Theresa Endres, Text und Foto)