Analyse: Suche nach Ankerplätzen im weiteren Ausbau unserer Beziehungen mit Afrika?

Analyse: Suche nach Ankerplätzen im weiteren Ausbau unserer Beziehungen mit Afrika?

Wie sollte man diese Begrifflichkeit verstehen? Es wird ohnehin in der Länderpolitik mit Afrika nach Schwerpunkten gearbeitet, um die mit Finanzierung verbundene Zusammenarbeit zu intensivieren und Stabilität zu sichern. Der Begriff des Ankerns steht für Befestigung und Stabilität. Dennoch muss der Ankerplatz eines Landes weitgehende Flexibilität, Kontinuität und Bewegung aufweisen, getragen mit Good Governance der Regierung. 

 

Der Afrikareise von Außenminister Steinmeier im Februar 2015 entnehmen wir einerseits seine Feststellung, dass „wir uns Afrika neu stellen müssen“, und anderseits appellierte die Außenministerin von Ruanda, Louisa Mushikiwabo mit Nachdruck an Deutschland, in Afrika mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen mehr deutsche Präsenz hier sehen!

Sie ist nicht die einzige afrikanische Politikerin mit der Frage: „Wo bleibt Deutschland“? Jedoch so negativ ist unsere Bilanz nicht zu sehen.

 

Blenden wir zurück, in welcher Art und Weise sich Deutschland dem afrikanischen Kontinent näherte. Am 28. Februar 2015 wurde an die vor 130 Jahren stattgefundene Berliner Afrika-Konferenz erinnert, auf der das europäische Kolonialisierungsprogramm beschlossen wurde. Dieses bezeichnete Reichskanzler Otto von Bismarck als Regeln im Wettlauf um Afrika für neue Absatzmärkte und zur Ausbeutung von wichtigen Rohstoffen. Man suchte sich Ankerplätze!

 

Heute befindet sich Afrika im harten Wettlauf der globalen Welt. Dabei schwächen folgenschwere Konflikte in den Ländern und Regionen die Positionen Afrikas erheblich. Außenminister Steinmeier konnte auf die deutsche Unterstützung für afrikanische  Friedensmissionen verweisen, auch mit umfangreichen finanziellen Mitteln. Für unsere weiteren Aktivitäten ist die Einschätzung von Bedeutung, dass sich stabile Regionen entwickelt haben, die wir als Basis für engere Beziehungen, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich sehen. Steinmeier führte aus dem bunten Mosaik der 54 Länder des afrikanischen Kontinents einige als Stabilitätsanker auf, wie z.B. Ruanda, Tansania und Ghana.

 

Zum aktuellen Entwicklungsstand in den Beziehungen bleibt zu überlegen, wie wir mehr Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel beim Besuch des ghanaischen Präsidenten John D. Mahama im Januar 2015 bot Bundeskanzlerin Merkel Unterstützung in der Entwicklungszusammenarbeit, in der Energieversorgung, ebenso wie im Krisenmanagement, besonders zur Terrorbekämpfung. Entscheidend ist, wie erfolgt eine Umsetzung in Projekte effektiver Zusammenarbeit für nachhaltige Ergebnisse?

 

Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass für die deutsche Mitwirkung an den Entwicklungsprozessen, besonders in Bildung und in Wirtschaftsprojekten auch eine stärkere Eigenverantwortung von afrikanischer Seite notwendig ist. Nur mit konstruktiveren Vorschlägen der afrikanischen Partner wird sich auch die Zurückhaltung der deutschen Unternehmen lösen.

 

Was zeigen z.B. die Ergebnisse bei Besuchen von Wirtschafts- und Regierungsdelegationen in Deutschland? Ich behaupte, sie bringen zu wenig Effektivität!

 

Umso mehr sollten die Unternehmen, die schon längere Zeit vor Ort in den afrikanischen Ländern etabliert sind, ihre Erfahrungen hier anbieten und werben. Zu beobachten ist, dass die Werbeaktivitäten der einzelnen Regierungen bei Investoren in Europa, Nahost, Asien und Amerika positive Ergebnisse zeigen, die Projekte betreffen, für die deutsche Unternehmen ihre Leistungen erbringen könnten. Im Vordergrund stehen nicht nur die Sektoren Infrastrukturen, Energie, Wasser, sondern mehr Augenmerk verlangen die mittelständische Produktion und das Handwerk mit Ausbildung und ganz besonders die Agrarwirtschaft in aller Breite. Die vom BMZ vorgegebenen Innovationszentren im ländlichen Bereich für ausgewählte 10 afrikanische Länder sollten praxisverbunden, d.h. mit unseren Agrarbetrieben zügig wirksam werden.

 

Es sind weiterhin Initiativen notwendig, um die deutsche Position auf den afrikanischen Märkten zu verstärken. Dazu sind die Unternehmen angesprochen, sich die Chancen zu suchen und zu nutzen.

 

Generell bleibt zu erwarten, dass der im Juni 2015 stattfindende G 7-Gipfel auf Schloss Elmau auch wichtige Impulse für abgestimmte Bereiche in der Afrikapolitik der Industrieländer setzt. (Gerd Eckert, Dipl.oec., Berlin)