Ausstellung in Dresden: 1 Million Rosen für Angela Davis

Im September 1972 empfingen jubelnde DDR-Bürger*innen die US-amerikanische Kommunistin Angela Davis (*1944) in Ost-Berlin. Hunderttausende von ihnen hatten sich zuvor an der von offizieller Stelle geleiteten Postkarten-Kampagne „Eine Million Rosen für Angela“ beteiligt, die dazu beigetragen hatte, dass die junge Black Power-Aktivistin und Philosophieprofessorin in einem Terrorismus-Prozess in den USA freigesprochen und aus der Haft entlassen wurde.

1 Million Rosen
Als „Heldin des anderen Amerikas“ stilisierte man sie in der DDR, in Osteuropa und linken Kreisen weltweit in den 1970er-Jahren zur Ikone der Revolution. Angela Davis wiederum hoffte auf eine große internationalistische Bewegung für eine sozialistische, feministische und nicht-rassistische Demokratie als Gegenpol zu ihren Erfahrungen der Gewalt und Unterdrückung als Schwarze Frau in den USA.

Diese Momente der politischen Projektion, aber auch der Hoffnung sind historische Ausgangspunkte für die Ausstellung, die seit dem 10. Oktober 2020 noch bis 24.01.2021 in der Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden zu sehen ist (Öffnungszeiten täglich 11—17 Uhr, Montag geschlossen). Internationale zeitgenössische Kunstwerke thematisieren die noch immer dringlichen Anliegen der inzwischen emeritierten Professorin und eröffnen eine Diskussion um die Hintergründe, die Fehlstellen und das uneingelöste Potenzial dieser ungewöhnlichen Verbindung zwischen Angela Davis und der DDR.

In den Fotografien, Videos, Skulpturen, Klanginstallationen und Konzeptarbeiten der Ausstellung nimmt eine junge Künstler*innengeneration Davis’ bis heute anhaltendes Engagement für soziale Gerechtigkeit, ihren Kampf gegen Rassismus und Sexismus ebenso in den Blick wie die Einschreibung ihres ikonischen Bildes in eine globale Geschichte des Widerstands. Im Dialog mit umfangreichen Archivmaterialien sowie Werken von Künstler*innen aus der DDR entsteht ein experimenteller Raum der Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart, der einen Bogen vom sozialistischen Internationalismus der DDR zur weltweiten Black Lives Matter-Bewegung schlägt.

Präsentiert werden insgesamt 52 Kunstwerke und umfangreiches Archivmaterial.
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