Ausstieg aus klassischer Entwicklungshilfe: Mohr empfiehlt Modernisierungspartnerschaften und „Afrika als Heimatmarkt“

Carsten Mohr
Carsten Mohr

Berlin – Nicht weniger als eine „konzertierte, strategische Wirtschaftsinitiative der Bundesrepublik“ zugunsten Afrikas fordert Carsten Mohr, Schwellenländer-Experte im Vorstand der Nichtregierungsorganisation Business Crime Control (BCC), im Anschluss an die Veranstaltung „Afrika – Handel und Zusammenarbeit statt Hilfsleistungen!“ im Berlin Capital Club.

 

Die Manager Lounge des Manager Magazins hatte eingeladen und Mohrs Mitverfasser des Memorandums „Neue Wege mit Afrika!“, welches dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Dezember übergeben worden war, berichteten begleitet vom Rundfunk Berlin-Brandenburg.

 

Der frühere Airline-, Bahn- und Gasmanager erinnert daran, dass „Almosen, auch in großen Mengen, die Ursachen von Armut und Not nachweislich in fast 60 Jahren nicht beseitigt haben“. Es sei erschreckend, dass die wirtschaftliche Basis und die Lebensbedingungen in Afrika heute im Allgemeinen schlechter als zu Beginn der Unabhängigkeit von den ehemaligen Kolonialmächten seien. Von einem Sowohl-als-auch in der Entwicklungshilfe zeigte sich der 53-Jährige wenig überzeugt und empfiehlt den stufenweisen, aber kompletten Ausstieg aus der klassischen Entwicklungshilfe: „Es ist Zeit, mit Afrika signifikant in den willigen Staaten zu investieren. Echtes und nachhaltiges Wachstum kommt nur von privatem Kapital, öffentlicher Förderung und smarter Regulierung.“ Produktion und Handel müssten stimuliert werden. Auch Deutschland sei nach dem Weltkrieg nicht durch Alimentierung groß geworden, meint der Sozialdemokrat.

 

Es müsse Schluss mit „Ablasshandel und Naivität“ sein, aber auch damit, Afrika mit „Hilfsofferten und Beratern für totgeweihte Kurzzeitprojekte zu überschwemmen“. Die Forderung nach einem Ende der direkten Zuschüsse zu den allgemeinen Staatshaushalten von Entwicklungsländern begründet der Korruptionsbekämpfer, der bereits 2008 bei der Bundesdruckerei panamaische Tarnfirmen aufdeckte, damit, dass diese Art der Budgethilfe insbesondere auch an korrupte Regierungen und Regime gezahlt werde, die Desinteresse am Wohlergehen ihrer eigenen Bevölkerung zeigen. Schlimmer noch löse klassische Entwicklungshilfe Verteilungskämpfe und Bürgerkriege aus, ersticke Eigeninitiative und fördere den nicht-nachhaltigen Sofortkonsum anstelle nachhaltiger Lösungen in den Sektoren Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und Landwirtschaft.

 

Um der politischen Unterentwicklung entgegen zu wirken, empfiehlt der ehemalige Kommunalpolitiker, gezielt administrative wie interne Rechenschaftsstrukturen zu schaffen. Mohr regt an, dass die Bundesländer wie zu Zeiten des Aufbaus Ost Partnerschaften für den Know-how-Transfer und die Schaffung funktionsfähiger Verwaltungen mit ausgewählten afrikanischen Regierungen eingehen. Innerhalb dieser vom Auswärtigen Amt koordinierten „Leitplanken“ seien der deutsche Mittelstand und die Industrie gefragt, „massiv die afrikanischen Marktwirtschaften zu Heimatmärkten zu entwickeln“, um neben der eigennützigen Markterschließung Eigendynamik und Selbsthilfe in Afrika sowie Arbeitsplätze für junge Leute zu fördern. (NeWemA, Foto: P. Osafile)