Blick auf Katastrophen: „Es geht um mehr Ehrlichkeit“

Vorsorge gegen die nächste Epidemie: Im Kongo führt action medeor verschiedene Projekte zur Prävention und Eindämmung von Ebola und Corona durch. © action medeor

action medeor zum Tag der Katastrophenvorsorge am 13. Oktober: Katastrophen haben ihre Gesetze – zumindest in Bezug auf die mediale Aufmerksamkeit, die ihnen zuteilwird. „Es ist im Grunde immer das gleiche: Wenn sich irgendwo auf der Welt eine Katastrophe ereignet, schauen wir schnell hin – und genauso schnell wieder weg“, sagt Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von action medeor. „Aber jede Katastrophe hat ein Davor und ein Danach. Nur bleibt beides oft unsichtbar, weil es keine mediale Resonanz findet.“ Dabei finde die eigentlich wirksame humanitäre Hilfe meistens genau in diesen unbeobachteten Korridoren statt, so Peruvemba, nämlich in der langfristigen Katastrophenvor- und Nachsorge.

„Unser Blick auf die Katastrophen dieser Welt ist verzerrt, denn er ist immer nur flüchtig“, sagt Peruvemba. Der Ausbruch der Katastrophe stehe oft medial im Mittelpunkt, die ersten Hilfsmaßnahmen ebenfalls. „Aber seien wir ehrlich: Die vielfältigen Bemühungen, die langfristig vor oder nach einer Katastrophe zur Vermeidung der nächsten unternommen werden, nehmen wir anschließend überhaupt nicht mehr wahr. Sie interessieren kaum – obwohl sie für die betroffenen Menschen überlebenswichtig sind.“

Für die Hilfsorganisation action medeor, die vorwiegend im Gesundheitsbereich tätig ist, geht es dabei auch um wichtige Prinzipien ihres eigenen Handelns. „Natürlich ist es wichtig, Menschen im Not- und Katastrophenfall schnell zu helfen“, stellt Peruvemba klar. „Das tun wir zielgerichtet und professionell. Aber noch wichtiger und viel zielführender ist es, nachhaltige Strukturen vor Ort aufzubauen, die beim nächsten Notfall dazu beitragen, dass weniger Menschen leiden müssen.“ Diese Arbeit sei zwar weniger spektakulär und liefere weniger starke Bilder. „Aber den Menschen sichert sie oftmals die einzig langfristige Perspektive für ein menschenwürdiges Leben“, so Peruvemba.

In verschiedenen Projekten liefert die Arbeit von action medeor konkrete Beispiele dafür. In Kolumbien beispielsweise unterstützt das Hilfswerk die indigene Bevölkerung darin, ihre Häuser gegen Überschwemmungen zu schützen. In Westafrika und im Kongo betreibt die Gesundheitsorganisation Vorsorge gegen den Ausbruch neuer Epidemien wie Ebola oder Corona. „Es bleibt unsere Aufgabe, diese Arbeit fortzuführen – und zwar auch abseits der medialen Aufmerksamkeit“, resümiert Sid Peruvemba. „Noch besser wäre es allerdings, wenn die Katastrophenvorsorge tatsächlich etwas mehr in den medialen Fokus rücken würde.“ (action medeor)