Buchtipp: „KABOOM! Von Stereotypen und Superhelden – Afrikanische Comics und Comics zu Afrika“

Buchtipp: „KABOOM! Von Stereotypen und Superhelden - Afrikanische Comics und Comics zu Afrika“Comics kennt jeder, und hat im Laufe seines Leselebens so manches verschlungen. Diese überarbeitete Veröffentlichung zu Comics ist das Ergebnis eines Jahresseminars an der Universität Basel, entstanden in Zusammenarbeit mit den Basler Afrika Bibliographien. Zusammengefasst und vorgestellt werden die Resultate im Rahmen einer Ausstellung und einem Begleitkatalog.

Es ist erfreulich, mit welcher Lebendigkeit und Ausdauer diese Gruppe die unterschiedlichen Darstellungen der detaillierten Geschichten mit ihren Bildern und Zeichnungen beschrieben hat.

Nachzulesen ist ein breites Spektrum der Comics mit ihren Ereignissen und Begebenheiten, ihrem Gang der Handlung. Sie bieten dem Interessierten einen umfassenden Einblick nicht nur in die afrikanische Lebenswelt.

Beispiele einer eher vorurteilsbehafteten Erzählweise ist vom belgischen Autor Herge, der die beiden Abenteurer Tim und Struppi geschaffen hat.  Die Verfasser weisen darauf hin, dass Comics mit unterschiedlichen Symbolen und Zeichen arbeiten, mit der Körpersprache, mit Kleidung. Verknüpft werden die Bilder mit den Texten.

Im Kapitel Comics mit Bildungsanspruch wird nachdrücklich darauf verwiesen, dass dieses Medium nicht nur unterhalten, sondern Informationen, Wissen, Fakten weitergeben will („Life-Skills“).

Ausdrücklich vermerkt wird die Storyteller Group, sie nimmt sowohl Bezug auf aktuelle Geschehnisse wie Kinderarbeit oder auf historische Ereignisse. Sie vertreten den Anspruch mittels des Comics Handlungsperspektiven zur Verbesserung der Lebenssituation aufzuzeigen.

Nelson Mandela wird zitiert. Er führt aus, dass er hofft, dass das Lesen von Comics die Jugend hin zur Freude an guten Büchern führt. Diese Freude habe er in seinem Leben gespürt, er wünsche das für alle Südafrikaner.

Der Alltag in afrikanischen Comics wird in den sechs Bändern der Reihe von „Aya“ illustriert. Eine andere Variante ist das Comic von Christoph N’galle Edimo und Alain Mata Mamengi, welches sich mit Migration und Integration, mit Hoffnungen und Erwartungen auseinandersetzt. „Im Schatten des Baobabs“ mit der Beteiligung von 30 Comiczeichnern aus afrikanischen Ländern geht es vor allem darum über die Comics, mit der Öffentlichkeit und der Jugend, über Gewalt, Bildung und Geschlechterrollen zu kommunizieren.

Exemplarisch werden im Kapitel Politik und Propaganda Comics aus dem südlichen Afrika – Namibia, Mosambik und Südafrika charakterisiert. Der südafrikanische Zeichne Zapiro hat sich für die Antipartheidbewegung engagiert, und vor allem die Regierung unter Zuma in seine Cartoons aufgenommen. Die AIDS-Politik, die Korruption, die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, der Konflikt mit Palästina finden Eingang in seine Comics.

Afrikanische Superheroes – Südafrikanische und nigerianische Superhero-Comics und Panafrikanismus im Zeichen Black Panthers werden in einem weiteren Kapitel entwickelt. Die Autoren unterstreichen, dass damit neue positive Heldenbilder präsentiert werden, die in Afrika leben und mit denen sich die Leser identifizieren können.

Südafrikanische Underground Comics, so wird dargelegt, haben sich von der Kritik der weißen   Apartheid Strukturen gelöst, angeprangert werden öffentlichen Institutionen und die umstrittene ANC Regierung.

Insgesamt eine aufschlussreiche Veröffentlichung, die das Medium Comic in seinen vielfältigen Kommunikationsformen, der Verbindung von Literatur und bildender Kunst dem Leser näherbringt. Vierfarbige Ausschnitte von ausgewählten Comics ergänzen die zweisprachigen Beschreibungen. (Theresa Endres).

KABOOM! Von Stereotypen und Superhelden – Afrikanische Comics und Comics zu Afrika
Of Stereotypes and Superheroes African Comics and Comics on Africa
Corinne Luethty, Reto Ulrich, Antonia Uribe (eds.)
Basler Afrika Bibliographien,
Brandes & Apsel, 2020
156 S. Paperback 24x30cm
€29,90
ISBN 978-3-95558-275-3