Buchtipp: „MARIEM HASSAN Die unbeugsame Stimme (der Westsahara)“

Buchtipp: „MARIEM HASSAN Die unbeugsame Stimme (der Westsahara)“Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit sind die nunmehr fast vierzig Jahre andauernden Geschehnisse in der Westsahara.  Kurz wurde das Land ins Licht gerückt, während der Genfer Gespräche im März 2019. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat als Sonderbeauftragter des UNO-Generalsekretärs die Diskussionen zwischen den Sahraoui, Marokko und Spanien über die Zukunft des sahraouischen  Staates wieder aufgenommen. Nur: eine Lösung des Konfliktes ist nicht in Sicht. Umso wichtiger sind Veröffentlichungen, die die Westsahara mit ihren wechselvollen, von Besatzung und Vertreibung geprägten Phasen immer wieder ins Gedächtnis rufen.

Die Journalisten Manuel Dominquez und Zazie Schubert-Wurr und Gründer des spanischen Musiklabels Nubenegra erzählen mit Sorgfalt und Engagement  die Geschichte der Begegnungen mit der Musikerin  Mariem Hassan. Das Buch beginnt 1997 und lässt die Jahre bis 2015 Revue passieren. Die Texterin, Musikerin und Sängerin mit ihren Liedern, die traditionellen Wurzeln und die Weiterentwicklung ihrer Musik stehen dabei im Mittelpunkt.

Verknüpft mit ihren Liedern ist die leidvolle Vertreibung der Sahraoui, die seit 1973 um ihre Selbstbestimmung kämpfen. Im Schatten des internationalen Interesses verbleibt die Besatzung durch Marokko, nicht zuletzt durch die lukrativen reichhaltigen Phosphorvorkommen. Etwa 100 000 Sahraoui leben in den vier Flüchtlingslagern, nahe der Stadt Tindouf in der algerischen Sahara. Das von der internationalen Gemeinschaft zugesagte Referendum über die Zukunft der Westsahara scheiterte am Widerstand Marokkos.

Lebendig werden in den Beschreibungen der international bekannten Künstlerin die schwierige Situation in den Flüchtlingslagern,  die  Spurensuche nach der im Alltag allgegenwärtigen Musik. Diese Vielfalt spiegelt sich wider in ihren Liedern. Sie legen Zeugnis ab, von den Sorgen und  Nöten einer gezwungenermaßen in Flüchtlingslagern lebenden Bevölkerung, sowie einer ungewissen Zukunft.

Die fotografischen Impressionen und die bebilderten Persönlichkeiten im Buch machen deutlich, welcher Mut und welche Kraft in der Aufgabe, ihr Land nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, steckt. Sie lassen die Hoffnung weiterleben, dass es einen eigenen Staat für die Westsahara geben wird.

Die dichte Atmosphäre der sahraouischen Musik, eingebettet in die politische Situation, die sich in den Liedern von Mariem Hassan reflektieren, machen das Lesen dieser Publikation zu etwas Besonderem. (Theresa Endres)

Manuel Dominquez-Zazie Schubert-Wurr
MARIEM HASSAN
Die unbeugsame Stimme (der Westsahara)
Frieling-Verlag, Berlin 2018
29,90 EURO
ISBN 978-3-8280-3454-99