Buchtipp: “ Wie Menschen weltweit das Klima retten „

Buchtipp: " Wie Menschen weltweit das Klima retten "Spannende Fragen stellt Thomas Kruchem, Autor von Radiosendungen, Büchern und Zeitungsartikeln. Dazu reiste er in afrikanische Länder, nach Lateinamerika, nach Schottland und den Philippinen. Er spürte nach, wie Menschen in Mali, Niger, in Äthiopien, in Haiti, im schottischen Hochland und in Manila die existierenden globalen Krisen bewältigen. Im Vorwort gibt der im Klimaschutz engagierte Franz Alt die Hoffnung zum Ausdruck, dass mit den nachahmenswerten Beispielen, die es auf der Erde gibt, eine „bessere „Welt möglich ist.

In der Berichterstattung über Mali wird aufgezeigt, wie Strom aus Sonnenenergie erzeugt, den Alltag erleichtern kann. In Kai, einem Dorf in der Nähe von Sikasso, verfügen 180 der 500 Haushalte über Strom (Installation Oktober 2018). In Djoliba, circa 60 km von Bamako, der Hauptstadt von Mali gibt es jetzt zwei Solartainer. Investiert hat das „kommerzielle“ Unternehmen seit 2014 in mobile Solaranlagen in „Dörfern mit einer gewissen Kaufkraft“. Das malisch-deutsche Unternehmerehepaar Schreiber versteht sich als „Sozialunternehmen“ mit Interesse am wirtschaftlichen Erfolg. Das Surplus soll in den weiteren Ausbau der „Solartainer“ fliessen. 15 Mitarbeiter in Deutschland und 60 in Mali sind im Unternehmen beschäftigt.

Verdeutlicht werden die einzelnen Etappen des Aufbaus, bis die Bewohner*innen das Potenzial für ihre Zwecke nutzen können. Die Dorfgemeinschaften ab 3-4000 Einwohner*innen sind im Blickfeld, ca. 60.000 Euro müssen sie aufbringen. Die Organisation stellt vor Ort zwei Techniker und einen Wachmann. Maximal 50 Kilowatt kann die Anlage liefern, der Strom muss per Vorkasse bezahlt werden. Jeder bekommt zwei Steckdosen, drei LED-Lampen, einen Sicherungskasten und einen Stromzähler. Pro Kilowattstunde zahlen die Verbraucher*innen 22 Cent am Tag und 38 Cent am Abend. Die Investitionskosten pro Solaranlage liegen bei ca. 200.000 Euro.

Der Verfasser resümiert, dass Privathaushalte jetzt weniger für Kerosin und Kerzen zahlen, mit dieser umweltschonenden Energie haben sie Zugang zu Fernseher, Handy und Lampen. Durch den Einsatz von Strom können Handwerker Schweißgeräte und Winkelschleifer für ihre Arbeiten betreiben.

Thomas Kruchem hebt hervor, dass Elektoschrott aus Europa einen hohen Verbrauch an Energien erfordert. (100 W statt 20 oder 30 W). Der Verantwortliche des Unternehmens will deshalb an gewerbliche Kunden „hocheffiziente Geräte“ verkaufen. Des Weiteren sind kleine Biogasanlagen in der Pilotphase. Frauen soll die tägliche, oft aufwändige Essenszubereitung erleichtert werden. 1000 Euro sind erforderlich. Geplant sei der Verkauf an lokale Betreiber auf Kredit mit 2-3jähriger Laufzeit.

Im Kapitel Waldmacher lenkt der Autor den Blick auf die Region Maradi im Niger. Die Umweltbedingungen verschlechtern sich immer mehr. Mit dazu beigetragen haben die Art und Weise, wie mit den Bäumen umgegangen ist. So mussten diese in der Kolonialzeit unter Druck gefällt werden, später hat der Staat die Bäume zu seinem Eigentum erklärt. Erst als das Eigentumsrecht an die Bauern überging haben sie ihre Eigeninteressen entwickelt.

Der Agraringenieur Tony Rinaudo, der 1980 in den Niger kam, überzeugte die Bauern von der Ertragssteigerung durch Bäume auf ihren Ackerflächen. Der Preisträger des alternativen Nobelpreises von 2018 (Right Livelihood Award) empfiehlt, die alten mit ihren Wurzeln im Boden verbliebenen Überbleibsel zu restaurieren. Baumtriebe können wieder wachsen. Nach drei bis vier Jahren hat der Bauer neue Bäume, so Vincent Bado vom internationalen Forschungsinstitut in Niamey. Angepasst an lokale Bedingungen sind sie wesentlich billiger als neue zu pflanzen.

Die Ergebnisse dieser alten Technik sind sichtbar. Nach dem Aufbrechen von Tabus und dem Widerlegen von Mythen gedeihen circa 300 Millionen Bäume. Studenten der Universität von Maradi bestätigen in ihrer Studie die positiven Aspekte der Wiederaufforstung, die sich in höheren Erträgen von Ernten, nachweisen lassen. Frauen können bei der vermehrten Regenerierung von Baobabs (Affenbrotbaum) die Früchte und Blätter für die tägliche Familienernährung  nutzen. Die vitaminhaltige Frucht, sowie die getrockneten Blätter sind für sie eine willkommene Einkommensquelle.

Das Gelingen der Wiederaufforstung in Äthiopien wird geschildert. Innerhalb eines kurzen Zeitraumes haben die Kooperativen mehrere Millionen Bäume wiederbelebt. Dennoch, so betont der Nobelpreisträger, Bäume sind kein „Allheilmittel“. Wenn sich die Lebensbedingungen bessern und weniger von Armut geprägt ist, werden auch mehr Bäume, die sonst für den Überlebenskampf gefällt werden, weiter wachsen dürfen.

In weiteren Kapiteln wird in erzählerischer Weise von der agrarokölogischen Produktion von Nahrungsmitteln von 30.000 Bauern aus Haiti berichtet. Das größte Wiederaufforstungsprogramm Europas in Schottland, die in Bolivien in Eigeninititive gelöste Wasserversorgung, sowie das Wohnbauprogramm in Manila werden bildhaft geschildert.

Thomas Kruchem regt mit seinen Beschreibungen und Kommentaren an, sich mit den Klimafragen intensiv und inhaltlich zu beschäftigen, sich in der Welt umzusehen und Alternativen zu leben. Ernährungssicherung, Energieversorgung und Wasserverfügbarkeit bleiben wichtige Anliegen der Zukunft. Der Autor verweist darauf, dass „klassische Entwicklungsprojekte“ scheitern. Diese Aussagen zu belegen, ist nicht das Anliegen dieser Veröffentlichung. (Theresa Endres)

Thomas Kruchem

Wie Menschen weltweit das Klima retten
Solar-Pioniere, Wald-Macher, Wasser-Kämpfer
172 S.
14,90 Euro
Brandes & Apsel, 2020
ISBN 978-3-95558-277-7