Burkina Faso / FESPACO 2015: die Gewinner des diesjährigen Festivals

Burkina Faso / FESPACO 2015: die Gewinner des diesjährigen Festivals

Das umfangreiche Filmprogramm aus afrikanischen Ländern und aus der Diaspora vermittelte ein lebendiges Spiegelbild des gegenwärtigen Films. Es ist der Ausdruck der thematischen, künstlerischen und technischen Weiterentwicklung der Filmschaffenden. Angesprochen werden die Migration, das Leben zwischen zwei Welten, Korruption, politische und sexuelle Gewalt, sowie zwischenmenschliche Beziehungen in unterschiedlichen politischen, sozialen und kulturellen Zusammenhängen. Eine Gelegenheit für das Publikum, sich mit der filmischen Umsetzung dieser Themen auseinanderzusetzen. Mit großer Spannung erwartete die Öffentlichkeit die Preisvergabe in der Kategorie Spielfilme.In der Abschlussveranstaltung hat die Jury, zusammen gesetzt aus internationalen Filmemachern, ihre Entscheidungen kurz begründet.

Der goldene Hengst wurde verliehen für den Film aus Marokko “ Fièvres“ von Hicham Ayouch (Foto: Preisverleihung durch den burkinischen Präsidenten). Benjamin, 13 Jahre alt begibt sich auf die Suche nach seinem Vater, nachdem seine Mutter eingesperrt wurde. Der Vater lebt mit seinen Eltern im Randbezirk von Paris. Immer wieder eingeblendet die Bilder von den langen Reihen der Hochhäuser. Gezeigt werden drei Generationen, der Großvater, praktizierender Muslime, der Vater, der ohne große Perspektiven in den Tag hinein lebt, die Großmutter, die versucht zu vermitteln und der Jugendliche der zwischen Emotionen und Gewalt schwankt.

Der silberne Hengst ging an den algerischen Film von Belkadem Hadjadj. “ Fadhma N’Soumer „. Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse unter der französischen Kolonialherrschaft im Jahre 1840. Der Widerstand wird von Fadhma, einer jungen, mutigen Frau verkörpert. Sie widersetzt sich der traditionellen Rolle der Frauen im 19. Jahrhundert. Sie kämpft gegen die koloniale Unterdrückung und wird dafür enthauptet.

Den bronzenen Hengst, den dritten Preis im Wettbewerb gewann der Spielfilm “ L’œil du Cyclone“ von Sekou Traore aus Burkina Faso. Eindrucksvoll sind die Szenen aus dem Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Ouagadougou, dem Gerichtsgebäude und die engagierten Versuche der Rechtsanwältin die Hintergründe der Hauptfigur des Filmes des „Rebellen „aufzuzeigen. Korruption und Ungerechtigkeit sowie der lange grauenvolle Weg vom Kindersoldaten zum „Rebellen“ sind die zentralen Themen des Filmes.

Die Dokumentarfilme

Der Film des ersten Preises charakterisiert die Lage der südafrikanischen Minenarbeiter. „Miners Shot Down“ von Rehad Desai. Im August 2012 sind beim Streik der Minenarbeiter und ihren Forderungen nach besseren Löhnen 34 Personen von den Polizisten getötet und zahlreiche Arbeiter verletzt worden. Im Interview nach der Preisverleihung drückt es der Regisseur so aus, dieser Preis ist auch ein Sieg der Minenarbeiter, die nicht die notwendige Unterstützung der Regierung und der Gewerkschaften für ihre Forderungen erfahren.

Der malische Film “ Devoir de mémoire“ von Mahmadou Cisse, versucht die Ereignisse im Norden von Mali, durch Interviews und dokumentarische Aufnahmen zu skizzieren. Dafür erhielt er den zweiten Preis.

Den dritte Preis in der Kategorie Dokumentarfilme gewann „Tango Negro, les racines africaines du tango “ von Dom Pedro aus Angola. Anschaulich werden die historischen afrikanischen Wurzeln des Tangos als beliebtes und festliches Ereignis vermittelt.

In der Kategorie Kurzfilme ging der erste Preis an „De l’eau et du sang“ interpretiert von Abdelilah el Jaouhari . Erzählt wird die Geschichte einer marokkanischen Familie. Je nach Lebensalter sind unterschiedliche Situationen zu bewältigen: Folter des Vaters, Geburt eines Kindes und die Beschneidung des Sohnes.

Mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wurde „Madame Esther“ von Luck Razanajona aus Madagaskar. Madame Esther will mit ihrem Enkel gegen alle Widerstände zum Strand. Der Präsident habe versprochen; dass es für alle ein besseres Leben geben wird. Für Madame Esther ist der Besuch mit ihrem Enkel ein sichtbares Zeichen dieses Versprechens. Sie hat ein Recht darauf.

Den dritten Preis erhielt „Zakaria“ von Leyla Bouzid aus Tunesien. Zaks Familie führt im Süden von Frankreich ein ruhiges und angemessenes Leben. Er verliert seinen Vater, der in Algerien lebte. Die Familie bereitet sich vor an der Beerdigung teil zu nehmen. Sara, die Tochter verweigert sich.

„Sagar“ von Pape Abdoulye Seck aus Marokko in der Kategorie Filmschule gewann den Preis für seine Fiktion um die Geschichte einer durch mehrere Fehlgeburten traumatisierten jungen Frau. Sie schafft sich eine Phantasiewelt mit einem Baby: ihr Mann und ihre Familie stehen dieser Situation hilflos gegenüber.

Der vom Publikum vielbeachtete Film „Timbuktu“ des mauretanischen Regisseurs Abderrahame Sissako erhielt die Auszeichnungen für die beste Musik und das beste Dekor. (Theresa Endres, Text und Foto)