CD-Tipp : « FARIS - Mississippi to Sahara »

CD-Tipp : « FARIS – Mississippi to Sahara »

Der Begriff des ‚Desert Blues‘ wurde in den 90er Jahren geprägt, um das ruhige tranceartige Gitarrenspiel eines Ali Farka Tourés, um den Saharasound einer Band wie Tinariwen oder auch den balladenhaften Gesang von Musiker/innen wie Oumou Sangaré oder Sali Sidibi zu beschreiben. Schließlich liegen die Wurzeln des amerikanischen Blues in Westafrika, insbesondere in den Sahel und Sahara Regionen. So zählen die Kel Tamasheq- oder auch Touareg-Musiker zu den Urhebern des Blues.

Auf ‚Mississippi to Sahara‘ bringt nun Faris 10 Delta-Blues-Songs zurück zu ihrem Ursprung, nach Afrika; erneuert und in „nostalgischem“ Gitarrenstil und zeigt, wie tief die Seelen dieser beiden Welten miteinander verwandt sind. Für die wunderbar informativen Linernotes zeichnet Andy Morgan verantwortlich.

Faris Amine, der in Italien mit seinem Vater lebte, war elf Jahre alt, als seine Mutter starb. Sie war eine Touareg, geboren in den Kel Isaqqamaren, in der Gegend, die heute Süd-Algerien ist. Faris Großeltern und Großonkel spielten eine große Rolle in dem Kampf um Unabhängigkeit und viele Familienmitglieder wurden von den Franzosen umgebracht.

Faris hat sich selbst das Gitarre und Klavierspielen beigebracht. Im Alter von 18 Jahren verließ er das Zuhause und zog für eine Weile quer durch Europa. Das Geld, das er dafür brauchte, stahl er. Er war gezwungen, für sein tägliches Essen Straßenmusik zu machen. Er schlief in Hostels, bei Samaritern oder draußen auf der Straße.

Während seiner Reisen spielte Faris auf vielen Festivals, kleinen Konzerten und Musikertreffen in Algerien und Mali. Schließlich reifte in ihm die Idee für ein Album mit alten Blues-Songs –im „Assouf“-Stil. Es ist kein Album voller Cover. Faris besteht darauf. „Auf diesem Album habe ich versucht, Dinge miteinander zu verflechten“, erklärt er. „Ich habe schon verstanden, dass ich immer gemischtrassig sein werde“, sagt Faris. „Und dass ich weder die eine noch die andere Seite präferieren kann. Oder versuchen kann, einen ‚puren‘ Tamashek darzustellen, oder einen Westlichen. Ich ziehe es vor, der zu sein, der ich bin. Und ganz ehrlich: Ich musste diesen Pfad wählen, um zu verstehen, wer ich bin. Das ist es auch, was ich so liebe an dem Album: Es gab mir die Möglichkeit, Dinge zu mischen, die Stimme und die Gitarre zu nutzen, wie es nicht unbedingt traditionell ist.“ (nuzzcom)