CD-Tipp: Samba Touré - Gandadiko

CD-Tipp: Samba Touré – Gandadiko

„Seine Stimme ist klangvoll, die Rhythmen haben einen unnachgiebigen Groove und seine Gitarre brennt mit der gleichen Intensität wie die Sonne über der Wüste. Darüber hinaus ist da ein Vertrauen und eine Autorität, die einen überzeugen, dass Sambas Zeit jetzt gekommen ist.“ (Songlines/UK über „Albala“)

Tourés voriges Album „Albala“ war noch in der schwierigen Zeit  aufgenommen worden, als Diré, der Ort seiner Ahnen, wie ganz Nord-Mali unter der Scharia-Gesetzgebung litt und dem islamistischen Terror ausgesetzt war. Die Hauptstadt Bamako, Tourés selbst gewählte Heimat, taumelte noch im Chaos des letzten Militärputsches. „Albala“ war von der Kritik begeistert aufgenommen und als bestes Album in Sambas Karriere bezeichnet worden. Gleichzeitig war „Albala“ aber auch ein musikalisches Statement in Zeiten politischer Krisen, und es legte Zeugnis ab darüber, welchen Preis Menschen im Krieg bezahlen müssen. Samba hat Jahre damit zugebracht, seine Kunst zu verfeinern – unter anderem in gemeinsamen Projekten mit Malis Blues-Meister Ali Farka Touré und dem Kora-Genie Toumani Diabaté. „Albala“ zeigte einen gereiften Künstler, voll akustischer Imagination und narrativem Feuer.

„Gandadiko“ ist der Titel von Sambas starkem, facettenreichem und anspruchsvollem Folgealbum. Aus seiner Muttersprache Songhai übersetzt be-deutet „Gandadiko“ soviel wie „Land der Dürre“ oder „Brennendes Land“. Der Titel lässt vermuten, dass Samba zu dem dunklen Ansatz zurückkehrt, der „Albala“ prägte. Tatsächlich geht „Gandadiko“ darüberhinaus und erzählt eine komplexere Geschichte als nur das. Philippe Sanmiguel, ein Produzent aus Bamako und auch Sambas Produzent für seine letzten beiden Alben, erklärt es genau: „Wir wollten definitiv kein zweites „Albala“. Für Samba war das Album vielleicht ein bisschen zu traurig und er wollte etwas machen, das eher seinem Charakter entspricht: Es sollte hoffnungsvoller sein. Die Aufgabe war also, die Ausdrucksstärke beizubehalten, aber mehr Farbe, mehr Abwechslung in Rhythmus und Stimmung zu bringen. Das Ergebnis klingt weniger düster, man kann darauf tanzen – aber, sorry Samba, es ist nicht ausschließlich ein fröhliches Album. Anspannung, Probleme und Gefahr sind immer noch präsent in den meisten Liedern.“

Die Dürre im Norden brachte viele wirtschaftliche Probleme und Unsicherheit mit sich. Die Medien berichteten viel über den Krieg, aber wenig über das ganze menschliche Desaster, das daraus resultierte. Seit Beginn der Krise haben viele Menschen alles verloren: ihre Arbeit, ihr Einkommen, die Vieh-Herden im Norden, Freunde und Familie, die Hoffnung… Eine Kuh, die vor zwei Jahren noch 400,000 Cfa (600 Euro) brachte, hat jetzt einen Wert von 40,000 Cfa (60 Euro), weil die Tiere so dünn und schwach sind. Dies erzählt uns der Titelsong von „Gandadiko“.

Die musikalischen Stimmungen und Facetten auf „Gandadiko“ stehen oft im Gegensatz zu den moralischen, nachdenklichen und manchmal schmerzlichen Texten. Samba möchte gleichzeitig überall sein und indem er sich durch alle Widersprüche hindurch manövriert, kommt „Gandadiko“ dem recht nahe. Seine Songs sind gebettet in einen ruhelosen Eklektizismus. Sambas Gitarrenspiel war niemals so besorgt, erforschend und doch auch Rock’n’Roll. Seine Stimme dagegen war niemals so sanft und entspannt. Trotz oder gerade wegen dieser Ambivalenz im Ausdruck erhält das Album eine neue Dimension.

Egal welche akustischen Triumphe „Gandadiko“ vorweist, der Schlüssel zu Sambas Musik liegt immer im Herzen. Der abschließende Song „Woyé Katé“ ist ein zeitloses Plädoyer für weltweites Verstehen und für eine Welt, in der das Positive die Zerstörung übertrumpft. So ein Lied wäre vor zwei Jahren als Krieg, Krisen und Spaltung die Regel waren, noch nicht gesungen worden. Aber hier hat Samba den Augenblick zerbrechlicher Stille erfasst und seine strahlende Stimme und Gitarre eingesetzt für einen Ruf nach Einigkeit und Frieden. Musik kann nicht mehr als dies ausdrücken. (nuzzcom)