DAS-Afrika-Pressespiegel KW 28: Traurige Zahlen

Fast 250 Tote in Äthiopien nach Ermordung von Oromo-Sänger Hachalu Hundessa: Äthiopien wird seit Tagen von einer Welle gewaltsamer Proteste erschüttert, die bereits rund 240 meist zivile Todesopfer gefordert haben. Auslöser dieser Proteste ist die Ermordung des Sängers und Aktivisten Hachalu Hundessa, der vor zehn Tagen von Unbekannten in seinem Auto erschossen wurde. Hundessa gehört den Oromo an, der größten Ethnie Äthiopiens, die sich seit Jahren politisch bevormundet fühlt. Hundessa, der in seinen Liedern häufig und offen die politische und wirtschaftliche Benachteiligung der Oromo thematisierte, galt als Führungsfigur der Oromo, deren Proteste 2018 zum Rücktritt von Ministerpräsident Hailemariam Desalegn geführt hatten.

Mit der Amtsübernahme von Abiy Ahmed bekleidete zum ersten Mal ein Vertreter der Oromo das Amt des Ministerpräsidenten. Ahmed hatte im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis für seinen Beitrag zum Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea erhalten, konnte jedoch die ethnischen Konflikte im eigenen Land bislang nicht lösen. Im Gegenteil: Seit seiner Machtübernahme haben die Proteste weiter zugenommen. Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat, der mehr als 80 Ethnien und 100 Sprachen umfasst – und der trotz eines auf „ethnischem Föderalismus“ basierenden politischen Systems jahrzehntelang zentral regiert wurde. Die Corona-Krise verschärft die Spannungen im Land zusätzlich. Erste freie Wahlen, die in noch diesem Jahr stattfinden sollten, wurden aufgrund der Covid-19-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Bundesstaat Tigary kündigte allerdings an, noch in diesem Jahr Wahlen abhalten zu wollen. Experten zufolge ist nicht auszuschließen, dass weitere Bundesstaaten folgen.

Im Zusammenhang mit Hundessas Tod sind vergangene Woche drei Tatverdächtige in Untersuchungshaft genommen worden. Abiy Ahmed ließ aber auch die beiden einflussreichsten Oromo-Oppositionellen unter dem Vorwurf festnehmen, sie hätten die Unruhen provoziert, darunter seinen schärfsten Kritiker, Jawar Mohammed. Zwischen Oromo-Nationalisten und dem Ministerpräsidenten war der Ton zuletzt rauher geworden. Für die aktuellen Unruhen machen die Behörden jedoch neben der Rebellengruppe Oromo Liberation Army auch die oppositionelle Tigray-Volksbefreiungsfront verantwortlich.

Erstmals mehr als 500.000 Corona-Infizierte in Afrika, Schwerpunkt: Südafrika … 

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