Der Afrika-Cup 2015 : ein Rückblick

Der Afrika-Cup 2015 : ein Rückblick

Zwei Wochen sind nun nach dem Finale des Afrika-Cups in Äquatorialguinea vergangen. Was bleibt nach diesem Turnier in Erinnerung? Africa live blickt auf drei spannende Wochen zurück.
Eine Millionen Menschen empfingen die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste wenige Tage nach dem großen Finale gegen Ghana (9:8 nach Elfmeterschießen) in Abidjan. Bis spät in die Nacht wurde der lang ersehnte Triumph der Ivorer wild gefeiert. Jahrelang waren die „Elefanten“ der Topfavorit auf den Titel, scheiterten aber immer an den letzten Metern. Dabei hat die Nationalmannschaft in der Elfenbeinküste eine riesige Bedeutung, die im Bürgerkrieg sogar eine Waffenruhe erzwang. Angeführt von Kapitän Didier Drogba stellte sich die gesamte Mannschaft nach der erfolgreichen Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auf die Knie und flehte die beiden Kriegsparteien an, den Kampf zu beenden. Die Bitte wurde erhört, was den Einfluss dieser Mannschaft im Land bezeugt. Der Architekt der Mannschaft war Trainer Hervé Renard. Der modebewusste Franzose, der das Stadion stets mit einem aufgeknöpften weißen Hemd betritt, gewann bereits vor drei Jahren überraschend mit Sambia und konnte dieses Jahr aus einer Ansammlung von hervorragenden Einzelspielern ein Team formen.

Ein absoluter Krimi im Finale
Doch bevor gefeiert werden durfte, musste erst ordentlich gezittert werden. 120 Minuten stand auf beiden Seiten die Null, sodass es ins Elfmeterschießen ging. Die Geister der Vergangenheit schienen die Ivorer einzuholen, als die ersten beiden Schüsse das Tor verfehlten und Ghana im Gegenzug traf. Doch die „Black Stars“ machten den Sack nicht zu und gaben der Elfenbeinküste so die Chance, zum Ausgleich zu kommen. Das Elfmeterschießen nahm kein Ende, sogar die Torhüter mussten antreten. Der Ivorer Copa Barry traf im Gegensatz zu seinem Kollegen Brimah Razak und entschied das spannende Endspiel.

Die Magie des Brimah Razak
Dabei war es eigentlich Razak, der mit magischen Mitteln den Sieg erzwingen wollte. Kurz vor dem Anpfiff schüttete er einen geheimnisvollen Trank auf seine Torlinie, um das Tor magisch zu verbarrikadieren. Im Halbfinale gegen Äquatorialguinea küsste er mehrmals eine kleine Spiderman Figur, die ihm sein Sohn als Glücksbringer vor dem Turnier mitgab. Gebracht hat es dem armen Kerl am Ende aber nichts. Kaum zu trösten war neben Razak auch Andre Ayew. Der Sohn von Legende Abedi Pele weinte bitterlich und konnte sich kaum beruhigen, sogar bei der Siegerehrung lief ihm ein Fluss von Tränen über das Gesicht. Die Tatsache, dass Ayew mit drei Toren und zwei Vorlagen mit dem Ivorer Wilfried Bony der beste Scorer des Turniers war, konnte ihn nur wenig trösten.

Der Gastgeber unter Kritik
Die Kritiker werden sich nach dem Turnier in Äquatorialguinea bestätigt fühlen. Schon vor Beginn wurde der afrikanische Fußballverband (CAF) angeprangert, dass Äquatorialguinea als Ersatzgastgeber ausgewählt wurde. Der dortige Herrscher Teodoro Obiang gilt als Diktator und wenig zimperlich im Umgang mit Andersdenkenden. Warum der CAF ihm diese große Bühne für seine Propaganda ermöglichte, ist nicht zu verstehen. Die Problematik spiegelte sich auch auf dem Feld wieder. Das Viertelfinale zwischen Äquatorialguinea und Tunesien wurde zum Skandalspiel, nachdem der Schiedsrichter dem Gastgeber in der letzten Spielminute einen lächerlichen Elfmeter zusprach, in der Verlängerung beim Stand von 2:1 für die Gastgeber eine zu kurze Nachspielzeit ansetzte und diese auch noch vorzeitig beendete. Auch im Halbfinale gab es großen Ärger. Beim Stand von 0:3 für Ghana begannen Fans des Gastgebers, unterschiedliche Gegenstände aufs Spielfeld zu werfen und attackierten die mitgereisten ghanaischen Fans. Diese flüchteten auf die Laufbahn des Stadions und wurden dort vom Sicherheitspersonal geschützt. Während das Spiel für eine halbe Stunde unterbrochen wurde, kreisten Hubschrauber der Armee über den Tribünen und wurden von den frustrierten Fans mit Flaschen beworfen. Unter dem Einsatz von Tränengas lieferten sich weitere Chaoten vor dem Stadion einen harten Kampf mit der Polizei.

Wirbelwind Atsu
Zum besten Spieler des Turniers wurde Ghanas Christian Atsu gewählt. Der schnelle Außenspieler war schon im Sommer bei der Weltmeisterschaft einer der besten seines Teams und bereitete Deutschlands Linksverteidiger Benedikt Höwedes ordentlich Probleme. In dieser Saison kam er beim FC Everton jedoch kaum zum Einsatz und wollte sich beim Afrika-Cup ins Visier von guten Klubs spielen. Das ist ihm definitiv gelungen! Auf seiner rechten Seite war er stets ein Unruheherd, erzielte zwei Treffer und bereitete zwei weitere vor. Besonders sein Treffer im Viertelfinale gegen Guinea wird in Erinnerung bleiben, als er von der rechten Seite nach Innen zog und den Ball in den Winkel schlenzte.

Unentschieden, Enttäuschungen und ein Los
Die Gruppenphase war in diesem Jahr an Spannung kaum mehr zu überbieten. Vor dem letzten Spieltag hatten noch alle Teilnehmer Chancen auf das Viertelfinale. Besonders in der Gruppe D wurde es kurios. Fünf von sechs Spiele endeten 1:1 und forderten die Losfee heraus, die entscheiden musste, ob nun Guinea oder Mali in die nächste Runde einziehen durfte. Guinea hatte das größere Glück, war im Viertelfinale gegen Ghana (0:3) aber chancenlos. Eine große Enttäuschung bei diesem Turnier waren die Kameruner unter dem deutschen Trainer Volker Finke. Mit zahlreichen falschen Entscheidungen beeinflusste er das Ausscheiden Kameruns. So setzte er den Schalker Choupo-Moting auf die falsche Position und gab dem talentierten Clinton N’Jie kaum Einsatzzeit, obwohl dieser einer der besten Spieler der Qualifikation war. Kamerun befindet sich seit Jahren in einer tiefen Fußballkrise und eine Besserung ist nicht in Aussicht. Auch Algerien konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Nach der starken Weltmeisterschaft waren die „Wüstenfüchse“ der Topfavorit auf den Titel, scheiterten aber im Viertelfinale an der Elfenbeinküste (1:2).

Torhüter
Die große Schwäche des afrikanischen Fußballs wurde auch bei dieser Ausgabe des Afrika-Cups wieder bestätigt : die Torhüter. Zahlreiche Patzer und kuriose Aktionen sorgten bei den beteiligten Trainern für Verzweiflung. War es nun der Südafrikaner Keet, der gegen Algerien einen Kullerball von Slimani durchrutschen ließ oder Guineas Naby-Moussa Yattara, den eine direkt verwandelte Ecke Kameruns düpierte. Kaum ein Torhüter strahlte Souveränität aus.

Überraschungen
Auch an Überraschungen mangelte es nicht. Vor allem beide Kongos überraschten die Experten und trafen im Viertelfinale im Derby direkt aufeinander. Die Demokratische Republik behielt in einem tollen Spiel die Oberhand und gewann 4:2, nachdem man zunächst 0:2 in Rückstand lag. Mit dem dritten Platz erreichte die DR Kongo das beste Ergebnis seit sechzehn Jahren. Doch auch der kleine Bruder, die Republik Kongo darf, trotz der Niederlage im Viertelfinale, stolz auf die eigene Leistung sein. Als Underdog angetreten, hatte das Land mit sieben Punkten die beste Ausbeute aller Teilnehmer in der Gruppenphase. Zu verdanken war dies vor allem dem Stürmer Thievy Bifouma, der drei Tore erzielte und Trainer Claude Le Roy. Der „weiße Magier“ gilt als großer Experte des afrikanischen Fußballs und führte bereits fünf Nationalmannschaften ins Viertelfinale eines Afrika-Cups. Insgesamt erlebten wir auch in diesem Jahr ein spannendes Kräftemessen der sechzehn besten Mannschaften Afrikas. Die Vorfreude auf den nächsten Afrika-Cup in zwei Jahren steigt! (Arsenij Zakharov)