Farmer-Raubtier-Konflikt bedroht Wildtierbestände in Afrika

Die größte Gefahr für Löwen und andere Raubtiere ist der Mensch
200.000 Löwen gab es noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Heute sind es nur noch etwa 25.000. Die Löwenpopulation ist also in nur wenigen Jahrzehnten um fast 90% geschrumpft. Noch schlechter steht es um den Afrikanischen Wildhund: Dieses seltene Raubtier gehört zu den bedrohtesten Tierarten der Erde. Gerade mal 3.500 – 5.000 Exemplare leben noch auf dem afrikanischen Kontinent.

Das Tragische: Der Mensch ist der Hauptverantwortliche für dieses rasante Massensterben. Unzählige Wildtiere werden Opfer des sogenannten Farmer-Raubtier-Konflikts: Sobald ein Raubtier die sicheren Grenzen der Schutzgebiete verlässt und Farmland betritt, darf der Farmer es unter bestimmten Umständen abschießen. Ganz legal.

Die Farmer argumentieren mit den finanziellen Einbußen, die sie etwa durch eine getötete Kuh erleiden. Löwe oder Wildhund hingegen haben einfach nur Hunger und können nicht unterscheiden zwischen „legaler“ und „illegaler“ Beute.

Forscher des SAVE Wildlife Conservation Fund, einer deutschen Naturschutzstiftung, die mehrere Artenschutzprojekte in Botswana unterstützt, bestätigen: Der Konflikt hat sich in den letzten Jahren extrem verschärft. Nicht zuletzt dadurch, dass die Zahl der Rinder vor allem in Botswana stetig ansteigt: auf mittlerweile drei Millionen bei gerade mal zwei Millionen Einwohnern. Es gibt kaum noch Pufferzonen zwischen Schutzgebieten und Farmen. Die Chance also, dass ein Raubtier auf Nahrungssuche auf eine Kuh trifft, wird immer größer.

Die Forscher des SAVE Wildlife Conservation Fund vermuten, dass mittlerweile ein hoher Prozentsatz aller Löwen und Wildhunde nicht mehr eines natürlichen Todes sterben, sondern abgeschossen und vergiftet werden.

Erst vor Kurzem konnten die SAVE-Forscher in Botswana mehrere Farmer identifizieren, die in letzter Zeit zahlreiche Löwen und Wildhunde erschossen haben. Auf einen Schlag, so die SAVE-Forscher, wurden hier 15% aller Wildhunde der Gegend ausgelöscht. In ihren Augen eine ungeheuerliche Zahl angesichts der Tatsache, dass diese Tierart hochgradig bedroht ist.
Es ist das nicht nur eine Katastrophe für den Artenschutz, sondern auch für den boomenden Safari-Tourismus, der ohne wilde Tiere nicht mehr funktionieren wird. Der Wert eines einzelnen Löwen im wurde in einer Studie auf rund 20.000 Euro geschätzt, der einer Kuh hingegen gerade mal 500 EUR, also ein Vierzigstel. Die Viehschäden durch Raubtierübergriffe sind also in vielen Fällen vergleichsweise gering.

Mit einem Soforthilfe-Aktionsplan will der SAVE Wildlife Conservation Fund das Problem schnellstens in den Griff kriegen. Schon seit vielen Monaten suchen die Mitarbeiter des botswanischen SAVE-Forschungsteams den intensiven Dialog mit den Farmern. Manche sind durchaus offen für friedliche Lösungen, denn schon lange möchten sie eigentlich keine Raubtiere mehr töten. Bei anderen stoßen die Forscher auf massive Widerstände.

Hoffnung geben den Naturschützern die, die zum Dialog bereit sind. Für sie ist das SAVE-Team Ansprechpartner und eine Art Not-Anlaufstelle, die sofort Unterstützung anbietet, z.B. Einfangen und Umsiedelung der Tiere. Kommt die Hilfe zu spät, sind auch Kompensationszahlungen für den entstandenen Viehschaden möglich.
Natürlich ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Trotzdem ist SAVE-Vorsitzender Lars Gorschlüter überzeugt vom Erfolg der Arbeit: „Auch wenn nur einige wenige Farmer um Umdenken bereit sind, können wir schon viel bewegen.“ (SAVE Wildlife Conservation Fund)