Film und Tourismus: Die Neuvermarktung eines Nachkriegslands

Film und Tourismus: Die Neuvermarktung eines Nachkriegslands

Arbeiter in einer Diamantenmine in Sierra Leone (Foto: irin)
Weg vom Bürgerkrieg, hin zu einer gebildeten neuen Generation. Das ist das Ziel des Internationalen Filmfestivals von Sierra Leone. Zum zweiten Mal startet am Wochenende das Internationale Filmfestival (SLIFF) in der sierraleonischen Hauptstadt Freetown.

Auf dem Programm stehen über 40 Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme aus Afrika und Übersee. Im letzten Jahr feierte die einwöchige Veranstaltung mit 1.700 Besuchern großen Erfolg. Dieses Jahr werden die meisten Besucher aus Sierra Leone und der europäischen Diaspora vor Ort erwartet. An oberster Stelle steht für die Veranstalter des SLIFF, Entwicklung in das westafrikanische Land zu bringen, das immer noch die Nachwehen von mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg spürt.

Kindersoldaten soziales Problem
Von 1991 bis 2002 rebellierten die Paramilitärs der Revolutionairy United Front (RUF) gegen die Regierung in Freetown. Kinder im Alter von 11 Jahren erzogen sie mithilfe von Kokain zu Kämpfern und veranstalteten Massenvergewaltigungen im ganzen Land. In abgelegenen Regionen rekrutierte die RUF die Bevölkerung zu Arbeitssklaven, die nach Diamanten suchen mussten. Die UNO entsandte eine Friedensmission und durch eine Intervention Großbritanniens wurden die Rebellen 2002 schließlich besiegt. Sareta Ashraph, die als UN-Mitarbeiterin fünf Jahre in Freetown lebte, erzählt gegenüber AFRICA live: „Der Krieg löste einen Flüchtlingsstrom in die Städte aus. Heute leben die Menschen hier in Slums. Viele von ihnen wohnen in der Nähe ihrer Vergewaltiger oder wissen, wo sich diese befinden.“ Die Geschlechtskrankheiten von vergewaltigten Frauen blieben größtenteils unbehandelt und die Kindersoldaten seien heute erwachsen und ein soziales Problem.

Neuvermarktung durch Film
Der erste Schritt zur Stabilisierung des Landes besteht laut Layna Fisher, Direktorin des Filmfestivals, darin, Sierra Leone international neu zu vermarkten. Hollywood habe mit dem Spielfilm Blood Diamond das überholte Bild eines „heute extrem friedlichen Landes“ gezeichnet. Zusammen mit der PR-Agentur Brand Sierra Leone wolle man dies ändern. „Das Filmfestival ist eng mit der Entwicklung verbandet. Wir wollen den Tourismus fördern und der boomenden heimischen Filmindustrie eine Plattform bieten.“, sagt Fisher. In Zusammenarbeit mit der amerikanischen Botschaft entstanden eine Bücherei und ein Archiv für Filmproduzenten. 60 Prozent der Produktionen beim Festival stammen aus Sierra Leone. Sponsoren sind neben dem Internationalen Dokumentarfilmfestival Amsterdam (IDFA) auch der Mobilfunkanbieter Africell und der deutsche Logistikkonzern DHL.

Ausbildung für Jugendliche
Entwicklung bringt das Festival auch durch die Schaffung von Jobs, so Fisher. Mindestens 50 Personen seien ganzjährig angestellt. Dies ermögliche SLIFFmobile, die mobile Einheit des Filmfestivals, das für Aufführungen im ganzen Land gemietet werden kann. Der Großteil der Arbeiter seien Jugendliche, die von handwerklichen Tätigkeiten bis zum kaufmännischen Geschick ein umfassendes Jobtraining bekommen. Die Bedeutsamkeit des Projekts kommt bei einem Blick auf die Zahlen zum Vorschein: Auf dem Human Development Index der UNO rangiert Sierra Leone auf Platz 180 von 187 und hat damit den Status eines „Least Developed Country“. 60% des Volks leben von unter 1,25 $ pro Tag. Fisher: „Tourismus und Film sind zwei machtvolle Werkzeuge, um einem Land zu helfen und es zu präsentieren.“

 

Markus Schönherr, Kapstadt

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