Forschungsalltag in Afrika

Forschungsalltag in AfrikaWeltweit leiden etwa 68 Millionen Menschen an der Tropenkrankheit „Elephantiasis“. Klinische Studien können helfen, das Leben der Erkrankten zu verbessern – doch gerade in Afrika gibt es viele Hindernisse für Forschende.

Weite und nur mühsam zu überbrückende Entfernungen, Gefahren für Leib und Leben durch drohende Gewaltausbrüche, immer wieder Stromausfälle und gestörte Telefonverbindungen – wer in Entwicklungs- und Schwellenländern zu neuen Medikamenten und Behandlungsmethoden von Krankheiten forscht, hat oft mit widrigen Umständen zu kämpfen. Dabei ist es gerade in diesen Ländern von höchster Bedeutung, auch klinische Studien durchzuführen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.

Für das Projekt TAKeOFF, eines von fünf Forschungsnetzen für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika, haben sich Infektionsforschende aus drei afrikanischen Ländern (Ghana, Tansania und Kamerun) sowie aus Deutschland zusammengeschlossen. Das Netzwerk baut eine Plattform auf, die klinische Studien und Forschungen zu Filarien mit der Patientenversorgung verzahnt. Das BMBF fördert das Projekt bis 2021 mit mehr als acht Millionen Euro.

Das Ziel, Hindernisse im Kampf gegen Krankheiten zu überwinden, trägt das mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums ins Leben gerufene Forschungsnetzwerk TAKeOFF schon im Namen: die englische Abkürzung steht für „Tackling the obstacles to fight filariasis and podoconiosis“. In ihm haben sich Infektionsforscher aus Ghana, Tansania und Kamerun sowie aus Deutschland zusammengefunden. Sie suchen nach Möglichkeiten, die Lymphatische Filariose und Lymphödemkrankheiten allgemein zu bekämpfen, von denen weltweit mehr als 850 Millionen Menschen bedroht sind.

Der Stich einer Mücke, ein Gang ohne Schuhe über vulkanische Erde – anders als in unseren Breiten braucht es in den feucht-tropischen Regionen der Erde nur wenig, um an schwerwiegenden Entzündungen zu erkranken. Es sind erschreckende Bilder, die die Lymphatische Filariose auch unter dem Namen Elefantenkrankheit bekannt gemacht haben: Betroffene weisen groteske Schwellungen vor allem an Füßen und Beinen auf, die es ihnen oft unmöglich machen, einer Arbeit nachzugehen, sie leiden unter Fieberattacken und starken Schmerzen, werden in ihren Dörfern und sogar ihren Familien ausgegrenzt und isoliert. Mit Unterstützung deutscher Kooperationspartner treibt Samuel Wanji, international erfahrener Infektionsmediziner und Professor an der Universität Buea in Kamerun, eine klinische Studie voran, die diesen Menschen Hilfe bringen soll.

Die Lymphatische Filariose zählt zu den „vernachlässigten (Tropen)Krankheiten“ (NTDs), also Infektionskrankheiten, die vor allem in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen auftreten. Dabei handelt es sich um eine durch Stechmücken übertragene Infektion mit den Larven von Fadenwürmern (Filarien). Die entwickelten, bis zu acht Zentimeter langen Würmer nisten sich in den Lymphgefäßen ein und verstopfen diese. Die Folge: eine chronische Entzündung, die den Lymphabfluss drosselt und groteske Schwellungen vor allem an Füßen und Beinen hervorruft. Die Erkrankung verläuft selten tödlich, ist aber mit starken Schmerzen verbunden und großem seelischen Leid. Weltweit leiden etwa 68 Millionen Menschen an Lymphatischer Filariose, bei etwa 40 Millionen Menschen kommt es zur schlimmsten Ausprägung, der „Elephantiasis“ oder Elefantenkrankheit.

Im tropischen Hochland Zentralafrikas ist eine nicht-infektiöse Form der Elephantiasis verbreitet, die Podokoniose. Sie ist auf Mikropartikel zurückzuführen, die in Böden vulkanischen Ursprungs vorkommen und bei barfuß laufenden Menschen durch die Haut ins Gewebe eindringen und Entzündungen hervorrufen.

Ohne sie läuft wenig: Mitarbeiter vor Ort leisten unschätzbare Hilfe

Schon in Deutschland ist es nicht immer leicht, Menschen zu finden, die bereit sind, an einer klinischen Studie teilzunehmen, und auch im zentralafrikanischen Kamerun stellte sich den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gleich zu Beginn eine entscheidende Hürde. Es galt engagierte Mitarbeitende zu gewinnen, die die Bevölkerung in den oft nur schwer zugänglichen dörflichen Gemeinschaften des Bezirks Bafut über die Krankheit informieren und mit besonderen Hygienemaßnahmen vertraut machen, mit denen sich die Krankheit vermeiden oder aber ihre Symptome mildern lassen. Aufgabe dieser „community health worker“ ist es auch, Vorurteile abzubauen und Patienten vor Ort in Augenschein zu nehmen, festzustellen, wer die Bedingungen zur Teilnahme an der Studie erfüllen könnte. (BMBF, Foto: © Angelika Kellings / Forschungsnetzwerk TakeOFF)

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