Gabun: alle hatten Angst - das „Wunder“ von Libreville

Gabun: alle hatten Angst – das „Wunder“ von Libreville

Am gestrigen Mittag 28. April sollte der Leichnam des in Kamerun verstorbenen Oppositionsführers André Mba Obame per Flugzeug eintreffen. Aus Angst vor Eskalationen wurde vorgesorgt: alle öffentlichen und privaten Schulen (Primar- und Sekundarstufe) stehen leer und viele kleine Geschäfte sind geschlossen, es herrscht Mangel an Taxis, Panzer und andere Militärfahrzeuge stehen im Umkreis des Flughafens. Ab 11 Uhr strömen viele Menschen mit T-Shirts „Je suis AMO“ bekleidet in Richtung Flughafen, was zu einem enormen Verkehrsstau führt.

 

Der Flieger trifft erst kurz vor 14 Uhr ein. Die Öffentlichkeit hätte gern gesehen, dass als ehemaliger Innenminister Mba Obame mit militärischen Ehren empfangen worden wäre – dem war nicht so. Zunächst sieht es aus, als sollten sich die Befürchtungen bestätigen: Anhänger des Verstorbenen versuchen, zu verhindern, dass der Leichnam in den Wagen des Beerdigungsunternehmens verfrachtet wird, sie wollen ihn selbst die vielen Kilometer hin zum Veranstaltungsort der Trauerfeier, einem Stadion in Libreville, tragen. Letztendlich lassen sie sich aber überzeugen, und der Tross aus mittlerweile um die 35.000 Menschen (man bedenke, dass Libreville nur rund 500.000 Einwohner hat!) setzt sich in Bewegung.

 

Fernsehbilder des Oppositionssenders, der einzige, der von zahlreichen Störungen unterbrochen live überträgt, zeigen, dass das Stadion schon jetzt voll ist. Es dauert 6 Stunden, bis die Kohorte im Stadion eintrifft, und wie durch ein Wunder gibt es keinerlei Eskalationen! Die Fernsehzuschauer können es gar nicht fassen, dass alles so friedlich vor sich geht. Ein bemerkenswertes Verhalten seitens der Bevölkerung, dem man wirklich Bewunderung aussprechen muss! Laut dem Sprecher der Vereinten Nationen, Francois Ondo Edou, gab es zwar „Elemente, die nichts mit dem Trauerfall zu tun haben und sich in die Menge eingeschlichen haben, um Probleme zu machen, aber sie wurden schnell identifiziert“.

 

Weiß und mit der Nationalflagge bedeckt, trifft der Sarg endlich in der im Stadion errichteten Kapelle ein, wo mittels zahlreicher Trauerreden dem Verstorbenen Ehre erwiesen wird. „Endlich mal eine Versammlung, wo die Menschen nicht für ihre Anwesenheit bezahlt wurden“, kommentiert jemand …

 

Am Freitag wird André Mba Obame in seinem Heimatort im Norden des Landes nahe der Stadt Oyem begraben werden. (ia; Fotos: Privatfotos aus facebook)