Gabun: und plötzlich wurde es dunkle Nacht

Gabun: und plötzlich wurde es dunkle Nacht

Gabuns Hauptstadt Libreville verbrachte die Nacht vom Donnerstag auf Freitag in tiefer Dunkelheit. Ein allgemeiner Stromausfall trat nur ein paar Stunden nach dem am Nachmittag erfolgten Marsch der Opposition auf, die unter Führung des konvertierten Ex-Außenministers Jean Ping friedlich durch die Stadt marschieren wollte in Richtung Gericht, um eine Klage gegen Präsident Bongo dort abzugeben und dabei von Ordnungskräften mit Tränengas und Schlagstöcken traktiert worden war.

Viele Familien saßen gespannt vor dem Fernseher um im Staatsfernsehen die Abendnachrichten zu verfolgen. Die Ereignisse des Nachmittags, die hier ziemliche Aufregung verursacht hatten, wobei niemand so genau wusste, was eigentlich geschehen war, ob es Verletze gab oder nicht etc., wurden aber keineswegs erwähnt, und kurz vor Ende der Sendung machten „technische Schwierigkeiten“ dem Wissensdurst der Zuschauer ein Ende … Erst nachts um 4 Uhr war die Störung, die einen Teil der Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte, weil man glaubte, die Revolution sei ausgebrochen, beseitigt.

Im modernen Kommunikationszeitalter weiß man sich aber auch hier zu helfen. Ein privater Fernsehsender füllte die Informationslücke und Handyfotos kursierten im Internet, so dass inzwischen jeder weiß, worum es ging und was geschah. Hintergrund der Klage der Opposition ist die Tatsache, die in dem Buch des französischen Journalisten Pierre Péan, das in Libreville seit seinem Erscheinen Tagesgespräch ist, erneut erwähnt wird, dass die Abstammung des Präsidenten Ali Bongo angezweifelt wird und er deswegen nicht legitimiert sei, das Präsidentenamt auszuüben. Eine heikle Angelegenheit, die Bongo eigentlich schnell ad acta legen könnte durch einen DNA-Test – aber genau das verweigert er, und seine Familie und Verwandten überschlagen sich in Beteuerungen, sie hätten ihn schon als Kind gekannt und dergleichen mehr …

Es bleibt weiterhin unruhig hier, der Wind aus Nordwesten weht weiter herüber. (Ingrid Aouane, Text und Foto)
Foto: Oppositionsführer Jean Ping