Geschichten aus Gabun: die loyale Adèle und die 40 Euro

Geschichten aus Gabun: die loyale Adèle und die 40 Euro

Mein Vermieter ist der absolute Geizkragen und alles, was ihn interessiert, ist Geld. Um das mal zu verdeutlichen: als ich letztes Jahr nachts ausgeraubt worden war, kam er morgens sofort angelaufen, und anstatt mich, die völlig aufgelöst war, zu bedauern, schlug er mir gleich vor, er könne mir aus Frankreich sehr gute Überwachungssysteme besorgen – mit einer großen Gewinnmarge für ihn, versteht sich.

Meine liebe Zugehfrau Adèle (hier auf dem Foto beim Autowaschen) ist die Schwester seiner Frau, und sie hasst diesen Zug an ihm (seine Frau auch). Als ich also letztens in Deutschland war, ist er vorbei gekommen und hat zu Adèle gesagt, mein Hof sähe fürchterlich aus, man müsste unbedingt da mal mit einem Hochdruckreiniger ran. Hochdruckreiniger heißt hier „Karcher“, nach dem Hersteller. Adèle rafft das aber nicht und nennt das Gerät „Cracheur“, was „der Spucker“ heißt – aber ist ja auch egal, das Ding spuckt ja auch …

 

Jedenfalls sagt der Schlaumeier, er kenne jemanden, der solche Dinger verleihe, er könnte einen besorgen für umgerechnet 40 Euro, und Adèle könne dann damit die Bodenfliesen reinigen. Adèle sagt, nein, vergiss es, das ist zu teuer. Pech für den Schwager: er fuhr kurz drauf nach Frankreich (macht er dauernd, dafür ist er nicht zu geizig). Adèle geht also zu ihrer Schwester und fragt, ob sie einen „Cracheur“ hätten. Ja, sagt die. „Und wem gehört der“? „Meinem Mann“ (aha, also nix er kennt jemanden, es ist seiner!). „Schön“, sagt Adèle, kannste mir den mal leihen, damit ich den Hof von Madame reinigen kann“? „Klar“, sagt die Ehefrau des Geizhalses. Und so fand ich einen sauberen Hof vor, ohne dass dafür ein Centime locker gemacht wurde!

 

„Das machen wir jetzt immer so“, grinst Adèle, „jedes Mal, wenn er weg ist, leihe ich mir den „Cracheur“ aus“. Sie ist einfach nur goldig, oder? (Ingrid Aouane, Libreville)