Ghana – Magnet für ausländische Investoren

Strategien für Zukunftssicherung entwickeln – Eine Analyse von Gerd Eckert
Die Afrikareise von Außenminister Westerwelle im April 2013 gibt uns erneut Anlass zu Überlegungen, die Wirtschaftsbeziehungen mit afrikanischen Ländern wesentlich stärker zu aktivieren.

Mit dem Slogan anlässlich seiner Reise, „Afrika der Chancen“, gab Westerwelle selbst Aufklärung, indem er erklärte: „Es gibt auch ein Afrika, das wächst und nach Chancen greift“.

Afrika als Zukunftsmarkt darf kein leeres Wort bleiben!
Die DIHT – Information No. 2/2013 stellt die Frage „ Setzt der schwarze Kontinent endlich zum großen Sprung an? Es liegt allein in der Hand der afrikanischen Regierungen, ihre wertvollen Potenziale so einzusetzen, dass sie den Aufschwung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich nach vorn tragen.

Allein die ansteigenden Wachstumszahlen der BPI der Länder zeigen nicht den realen Entwicklungsstand der Wirtschaft und des Lebensstandards der Menschen. Im DIHT Papier wird eindeutig festgestellt, dass das zweistellige jährliche Wirtschaftswachstum vieler afrikanischer Länder oft von zunehmenden Rohstoffexporten erbracht wird. Das zu verändern erfordert wiederum erheblichen Strukturwandel in den Wirtschaften der Länder, um den Anteil der eigenen Rohstoffe in die Wertschöpfungskette durch neue Verarbeitungskapazitäten einzubeziehen.

In Ghana zielte Westerwelle für den Aufschwung in den Beziehungen auf neue Initiativen in den Wirtschaftskontakten, z.B. in der Start-Up-Szene mit dem sich herausbildenden Jungunternehmertum des Landes.

Ich muss unserem Minister auch zustimmen, wenn er feststellt, dass die Potentiale von Ghana auch von anderen schon lange entdeckt sind, und heute insbesondere China, während Europa schwächelt , auch der Einfluss von Deutschland schwindet.
Aber das internationale Interesse an den afrikanischen Märkten ist im Zuge der globalen Wirtschaftstrends stark gewachsen.

Ghana – als Modellland eingestuft sei ein guter Ausgangspunkt für stärkere Investitionen in den Ländern Westafrikas. Der Staatssekretär des BMZ Beerfeltz betonte in Ghana, dass deutsche Unternehmen weltweit einen guten Ruf genießen als sozial und ökologisch verantwortungsvoll.

Wenn auch deutsche Unternehmen vermehrt auf die Karte Afrikas setzen, so der DIHT, ist der Anteil der Geschäfte mit Afrika bei ca. 20 % und das Engagement in diesen Ländern noch schwach, und zu einseitig mit der Ausrichtung auf die RAS.

Und der Slogan „Chancen-Markt Afrika“ muss vor allem unter dem Aspekt gesehen werden, dass die afrikanischen Länder mit eigenen Strategien und Wegen in internationale Märkte gehen und breite Resonanz finden.

Ghana im Weltmarktgeschehen
Wir betrachten Ghana als stabil entwickelt ,es wird hoch gewertet als sicherer Platz für Investitionen. Im internationalen Ranking (ECA) steht Ghana mit der Wachstumsrate von 7,4 % in 2012 auf Platz zwei der Region Westafrika .

Werfen wir einen Blick auf die aktive Promotion-Politik Ghanas, woraus auch die deutsche Wirtschaft wichtige Schlussfolgerungen ziehen sollte, denn der Markt spricht eindeutig dafür: Man muss sich beeilen! Warum?

China: China ist in Ghana gut etabliert an vorderer Stelle. Im April .2013 erneuerte Präsident Mahama das Engagement in den Beziehungen mit China, das abzielt auf die Bereiche Bergbau, Erneuerbare Energien, Aufforstung, natürliche Ressourcen, Tourismus, als auch im Sektor Agro-Processing. In die Finanzierung ist die chinesische EXIM Bank involviert. Zur Förderung der Ghanaian Economic ist der Bau eines großen Hafens angesagt. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern ist für 2011 ausgewiesen mit 3,47 Mrd. Dollar sowie 79 Investmentprojekte mit 145 Mio. Dollar. Ghana arbeitet mit einem Darlehen von 3 Mrd. Dollar für infrastrukturelle Entwicklungen. Kürzlich stellte Prof. Ncube, Chefökonom der AfDB die Forderung, dass über Ghana hinaus Afrika eine gut geschnittene Strategie für China benötigt. Chinas Einfluss habe die afrikanische Wirtschaft mit seiner Strategie für Afrika erheblich angetrieben (bes. im Handel).

Canada:-Eine ihrer ersten Handlungen vollzog Außenministerin Ms. Hannah Tetteh am 1.2.13 mit der Eröffnung der Canadian Trade Mission. Canada als führende Mineralien produzierende Nation hat mehr als 20 Mining-Unternehmen, die interessiert sind, mit einer Wertgröße von 3 Mrd. Dollar in den Markt zu kommen. Damit bieten sie kreative Jobs, wirtschaftliche Entwicklungen und CSV (cooperative social responsibility).

Türkei: Die türkische Investment Agentur MUSAID wird mit 1,5 Mrd. Dollar investieren in den Bereichen Energie, Wohnungsbau und Infrastrukturen.

Australien: Australien bietet dem MOFA (Landwirtschaftsministerium) einen Fonds von 1,4 Mio. Dollar über zwei Jahre für Service im Agro-Netzwerk (to build the capacity of Farmer based Organisation, FOB).

GIPC-Promotion: Die Investoren-Werbung im Ausland wird von der neuen Leitung der GIPC unter Mrs. Dumor Trebah, CEO, auch neu strukturiert unter dem Slogan: „New Ghana Agenda“. Potenzielle Investoren für Ghana werden jetzt auf ihrer Reise in die USA, nach Frankreich und UK angeworben. In den USA signalisiert Ghana den Investoren große Hoffnungen für Afrika überhaupt. Wir sollten uns die Frage stellen, warum Mrs. Trebah Deutschland nicht in diese Tournee eingeschlossen hat? Sicher, die deutsche Wirtschaft ist gut vertreten auf diesem Markt. Aber was ist zu hören über aktuelle Projekt-Aktivitäten deutscher Unternehmen?

Die bisher unter Entwicklungshilfe laufenden Finanzierungen sollten beim BMZ in ernsthafte Überlegungen unterzogen werden. Ghana hat doch mit seinem Ölreichtum neue Potenziale gewonnen, die für stabile Entwicklungslinien schneller nutzbar werden sollten.

Die deutsche Wirtschaft hat es in der Hand, für die neue afrikanische Industriepolitik seine Potenziale wirkungsvoll einzusetzen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dabei bietet Ghana als „Gateway to Western Africa“ interessante Möglichkeiten. (Gerd Eckert, Dipl.oec.)