Ghana: Trinkwasser-Krise hat Folgen für Wirtschaft

Veraltete Leitungen dämpfen Wachstum – Investitionen notwendig
Nicht nur die Menschen, sondern auch die Wirtschaft in Ghana kämpft mit der prekären Trinkwasser-Situation. Unter der Wasserknappheit in dem westafrikanischen Land leiden vor allem die Vororte und das Umland der dicht besiedelten Hauptstadt Accra.

„Die Trinkwasser-Krise wirkt sich bereits auf die Wirtschaftsleistung Ghanas aus“, sagt Robert Darko Osei vom Institut für Wirtschaft und Statistik der Universität Ghana http://www.ug.edu.gh .

Wachstumskiller Wasserknappheit
Der Mangel an Trinkwasser geht einher mit landesweiten Problemen bei der Elektrizität. Im vergangenen August ging die westafrikanische Gas-Pipeline in die Brüche. Die dadurch geringere Menge an zur Verfügung gestelltem Gas reicht vielerorts für Firmen nicht aus, die explizit auf Warmwasser angewiesen sind.

Dem gesamten Kontinent wird enormes wirtschaftliches Potenzial bescheinigt, doch die Knappheit an genießbarem Trinkwasser entpuppt sich als Wachstumskiller. Davon betroffen sind vor allem Metropolregionen. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Zahl von in Städten lebenden Menschen in Afrika bis 2050 um 66 Prozent auf 1,2 Mrd. steigen wird. Ghanas Volkswirtschaft beläuft sich auf ein Volumen von rund 35 Mrd. Dollar und wächst dieses Jahr um acht Prozent.

Im Durchschnitt liegt das subsaharische Wachstum bei sechs Prozent. Doch Experten erwarten spürbare Folgen für die ghanaische Wirtschaft ohne ein modernes Wasserversorgungssystem. Das derzeitige stammt noch aus dem Jahr 1914. Südlich der Sahara verfügen – laut Angaben der Weltbank http://worldbank.org – 66 Prozent der Bevölkerung über keinen Zugang zu adäquaten Sanitäreinrichtungen. In Ghana sind es sogar 86 Prozent.

Wasser-Tanker beliefern Firmen
Aufgrund der infrastrukturellen Probleme rund um veraltete Leitungen sind immer mehr Haushalte auf Tanker-Lieferungen und abgefüllte Plastikbehälter angewiesen. Doch das ist mit Kosten verbunden. Dementsprechend sparsam geht man auch mit dem Abwasser um. Gemeinschaftstoiletten bieten da Abhilfe, sind aber auch kostenpflichtig. Unternehmer stöhnen unter diesen Umständen.

Es gibt in Afrika keine Art der Infrastruktur-Investition, die sich so stark auf die wirtschaftliche Performance auswirkt wie jene in das adäquate Angebot von Trinkwasser. Erst danach folgen Bewässerungsanlagen, Elektrizität sowie der Ausbau von Straßen- und Bahnnetzen. Ghana hält seit dem Jahr 1992 regelmäßig demokratische Wahlen ab. Die Wirtschaft fußt in erster Linie auf dem Geschäft mit Gold, Kakao und Öl, doch ohne eine Generalsanierung der Wasserleitungen werden die gegenwärtigen Wachstumsraten kaum zu halten sein. (pte)