Ghana und die Faszination des Alltäglichen: Rainer Hackels Buch „Ghana – ein Reisetagebuch“

Rainer Hackel, der bislang drei Bücher über Ghana veröffentlicht hat, legt nun ein Reisetagebuch vor, das neben seinem Reisebericht „Stromausfall im Paradies“ sein gewichtigstes Buch über Ghana ist. Anschaulich und humorvoll schildert Hackel Alltagssituationen, vergleicht das Leben in Ghana mit dem in Deutschland – und bei aller Faszination, die für ihn vom afrikanischen Leben ausgeht, spart er nicht mit Kritik an Fehlentwicklungen und Missständen in Ghana.

Bei Hackels Reisetagebuch, das zahlreiche Fotos enthält, handelt es sich nicht um trockene Notizen, vielmehr knüpft er auf originelle Weise an dem erzählerischen Stil seiner Erzählungen aus Ghana an („Ärger im Paradies“, „Rückkehr ins Paradies“). So wird der Leser hineingezogen in unterschiedliche Alltagssituationen, sei es in Großstädten oder in Dörfern. Und schon auf den ersten Seiten tauchen wir in die familiäre Atmosphäre ein, die Hackel sogar in einer Großstadt wie Accra ausmacht, wo der Manager und die Angestellten des Hotels rasch zur „Familie“ gehören.

Durch die authentischen Schilderungen von alltäglichen Situationen empfiehlt sich Hackels Reisetagebuch als ein Reiseführer anderer Art, denn es werden nicht die bekannten Touristenattraktionen besichtigt und „abgehakt“, sondern der Autor glaubt, die „Sehenswürdigkeiten“ Ghanas dort zu finden, wohin sich Touristen normalerweise nicht verirren. So wird Hackel nicht müde, die familiäre Atmosphäre in den Innenhöfen von Kumasi oder in den Dörfern zu beschwören, wo Kinder das Spiel „Wer hat keine Angst vorm weißen Mann“ spielen: „Hier schlägt das Herz Ghanas, hier wohnt das Glück“. Bewegend auch Hackels Schilderungen der Gottesdienste der Pfingstkirchen. Der Autor erlebt bei den selbstvergessen tanzenden und singenden Menschen nicht nur Ausbrüche von „Glück und Freude“, er wird auch Zeuge spontaner Solidarität der Gottesdienstbesucher mit einer in Not geratenen jungen Mutter. Als die Frau vor der Gemeinde ihr trauriges Schicksal schildert, erheben sich spontan etwa 500 Menschen, um sie mit Geld zu unterstützen.

Hackels Faszination vom Leben in Westafrika einerseits und seine Kritik am westlichen Leben andererseits lassen auf einen inneren Konflikt schließen, der in einigen Reflektionen des Reisetagebuchs offen zutage tritt. So zitiert Hackel zum Beispiel C.G. Jung, der ebenfalls vom afrikanischen Leben tief berührt war, aber auch von der „geistigen Gefahr“ schrieb, „die dem entwurzelten Europäer in Afrika droht“. Auch Hackel weiß durch seine vielen Reisen nach Ghana um die „geistige Gefahr“ des „going black under the skin“ (Jung), doch anders als C.G. Jung scheint er sie zu begrüßen, fragt er sich doch einmal, als er sich in einem Dorf im „Inneren Ghanas“ aufhält, „was ich in Deutschland eigentlich noch verloren hatte, wo jeder Tag ein verlorener Tag ist“.

Hackels glänzend geschriebenes Reisetagebuch aus Ghana, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem hält, sollte jeder lesen, der ein afrikanisches Land aus der Innenperspektive – und nicht durch die Medien – kennenlernen möchte. Gerade in einer Zeit, in der auch in der Literatur menschenverachtende Tendenzen gegenüber Menschen anderer Kulturen zu beobachten sind, sind Bücher wie die Hackels über Ghana wichtig, tragen sie doch zu einem Verständnis der faszinierenden Kultur eines westafrikanischen Landes bei. (Ester Awonoor)

Rainer Hackel

Ghana – ein Reisetagebuch

Verlag Traugott Bautz GmbH, 90 Seiten, 8 Euro

ISBN 978-3-95948-285-1