Goethe-Medaille 2022: Zwei Preisträger:innen aus Afrika dabei!

Goethe-Medaille 2022: Zwei Preisträger:innen aus Afrika dabei!
Die beiden afrikanischen Preisträger:innen

Die Goethe-Medaille 2022 geht an den Multimedia-Künstler Mohamed Abla aus Ägypten, die Historikerin und Direktorin des Johannesburg Holocaust & Genocide Centre Tali Nates aus Südafrika,  sowie die beiden Künstlerinnen des Sandbox Collective Nimi Ravindran und Shiva Pathak aus Indien. Die Goethe-Medaille ist ein offizielles Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland und der wichtigste Preis ihrer auswärtigen Kulturpolitik. Die Medaille ehrt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für den internationalen Kulturaustausch oder die Vermittlung der deutschen Sprache einsetzen.

Die Goethe-Institute im Ausland schlagen die Kanditat:innen aufgrund ihrer hohen kulturpolitischen Bedeutung und ihres herausragenden künstlerischen Schaffens vor; die Auswahl der Preisträger:innen trifft eine Fachjury. Verliehen wird die Goethe-Medaille durch die Präsidentin des Goethe-Instituts Carola Lentz im Rahmen eines Festakts am 28. August in Weimar. Beim Kunstfest Weimar stellen die Preisträger:innen vom 26. bis 28. August ihre Arbeiten vor.

Carola Lentz, Präsidentin des Goethe-Instituts, hob anlässlich der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger:innen u.a. hervor: „Die Goethe-Institute in aller Welt stehen ein für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, kulturelle Vielfalt und Verständigung. Mit der Goethe-Medaille ehren wir Persönlichkeiten, die sich für die Freiheit der Kunst und den grenzüberschreitenden kulturellen und intellektuellen Austausch einsetzen. Mohamed Abla zeigt in seinen Arbeiten die Vielfalt ägyptischer Kultur und macht diese durch seine engen Verbindungen nach Europa einem internationalen Publikum zugänglich. Tali Nates Arbeit in Johannesburg setzt sich auf neue Weise mit Geschichte und Gegenwart von Völkermorden auseinander und schaut mit wissenschaftlicher Präzision auf die Wurzeln des Holocaust und von Genoziden wie in Ruanda 1994.“

Die Begründung der Preisvergabe
Mohamed Abla versteht sich als Mittler zwischen Ägypten und Europa. Er ist überzeugt, dass Künstler:innen eine soziale Verantwortung tragen und ihr Leben nicht von ihrem Werk getrennt werden kann. Seit Jahrzehnten engagiert er sich insbesondere in der ägyptischen Kulturszene für Verständigung und Diversität und setzt sich für Meinungsfreiheit ein. Als Multimedia-Künstler ist sein zentrales Motiv, die ägyptische Gesellschaft in all ihren Facetten einem nationalen und internationalen Publikum näher zu bringen. Ob realistische Abbildungen zeitgenössischer, sozialer und politischer Themen oder abstrakte Darstellungen Ägyptens und seiner Bevölkerung: das Œuvre Mohamed Ablas gibt nicht nur einen umfassenden Einblick in die Wurzeln des Künstlers und der Gesellschaft seines Landes, sondern auch in das reiche ägyptische Erbe. Abla hat über die Jahre eine einzigartige künstlerische Sprache entwickelt, die ihm dabei hilft, seine Meinung über seine Werke zu äußern.

Tali Nates gründete mit dem Johannesburg Holocaust & Genocide Centre einen zentralen Ort der Erinnerung in Südafrika. Das Zentrum arbeitet die Geschichte von Völkermorden anhand von Fallstudien über den Holocaust sowie den Genozid in Ruanda 1994 auf. Dabei stellt Tali Nates Erinnerungen an den Holocaust denen an den Genozid in Ruanda gegenüber, ohne die spezifische Natur der Verbrechen zu relativieren. Sie schaut auf die Wurzeln der beiden Ereignisse und fragt, was wir daraus im Blick auf aktuelle Kriege und Menschenrechtsfragen lernen können. In sorgfältig kuratierten Ausstellungen und in klaren öffentlichen Positionierungen macht Tali Nates deutlich, dass sich rassistisch motivierte Verbrechen und Genozide wiederholen können und darum Erinnerung, Aufklärung und Bildung wichtige Mittel sind, diese zu verhindern.

Über die Preisträger:innen
Mohamed Abla wurde 1953 in Belqas im ägyptischen Nildelta geboren. Nach dem Studium der Bildenden Kunst in Alexandria zog es ihn nach Europa, wo er Bildhauerei und Druckgrafik in Wien und Zürich studierte und schließlich im niedersächsischen Walsrode eine zweite Heimat fand. Seine erste Einzelausstellung fand 1979 in der Galerie Hohmann in Walsrode statt, gefolgt von Ausstellungen u.a. 1989 in der Galerie Ewat in Leeuwarden (Niederlande), 1991 in der Art Hall in Örebro (Schweden) sowie in der Ägyptischen Akademie in Rom. 1994 gewann er den ersten Preis der Kuwait-Biennale und 1997 den Grand Prix der Alexandria-Biennale in Ägypten. Darauf folgten weitere internationale Ausstellungen, unter anderem auf der Biennale von Havanna, im British Museum in London und im Kunstmuseum Bonn. Er unterrichtete an verschiedenen internationalen Institutionen, was ihn 2007 dazu führte, das Fayoum Art Center zu gründen. Heute ist es ein etablierter Ort, in dem junge Künstler:innen aus aller Welt zusammen leben und arbeiten. 2009 folgte die Eröffnung des ersten Karikatur-Museums im Nahen Osten und Nordafrika. Nach der Revolution von 2011 wurde Mohamed Abla in das 50er Komitee gewählt, das die neue Verfassung schrieb.

Tali Nates wurde 1961 in Israel geboren als Kind von Holocaust-Überlebenden, die von Oskar Schindler gerettet wurden. An der Hebräischen Universität in Jerusalem studierte sie Geschichte. Seit 1985 lebt sie in Südafrika, wo sie ihr Studium an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg fortsetzte. 2008 gründete sie das Johannesburg Holocaust & Genocide Centre. In dessen Mittelpunkt steht die Erforschung der Geschichte des Völkermords im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf dem Holocaust und dem Völkermord von 1994 in Ruanda. Als Zentrum für Erinnerung, Bildung, Dialog und Unterricht konzentriert es sich auf Menschenrechtsthemen wie Vorurteile, Rassismus, „Othering“, Antisemitismus, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit. Zu diesen Themen lehrt Tali Nates weltweit und referierte u. a. bei den Vereinten Nationen in New York (2016). Laut Mail & Guardian gehört sie zu den „top 100 newsworthy and noteworthy women in South Africa“. 2016 erhielt sie den KIA Community Service Award. (Goethe Institut, Text und Fotos)