Grundlage der neuen Regierung Gabuns: geopolitisch-ethnisches Gleichgewicht und Freimaurerei

Am 28. Januar hat der – ebenfalls neue – Premierminister Gabuns sein neues Kabinett vorgestellt. Es besteht aus 33 Mitgliedern mit diversen Hintergründen: Ärzte, Lehrer, Journalisten, Richter, Berater für auswärtige Angelegenheiten, Ingenieure, Steuerinspektoren etc. sollen dafür sorgen, die Umsetzung der im Strategieplan Gabuns enthaltenen Projekte zu beschleunigen, als Vorbereitung für die Wiederwahl von Präsident Bongo im Jahre 2016. Man muss sich jedoch fragen, ob der Präsident bei dieser Auswahl eine glückliche Hand hatte …

Bereits der neue Premierminister, Daniel Ona Ondo (Foto), wirft Fragen auf. Er soll Auftraggeber für ein rituelles Verbrechen gewesen sein, das die Justiz niemals endgültig aufgeklärt hat. Angesichts des ständigen Wiederaufflammens derartiger Gewaltverbrechen scheint seine Ernennung zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommen.

Mit zwei Ausnahmen entstammen alle neuen Minister aus den Reihen der gabunischen Demokratischen Partei (PDG), wo sie entweder Mitglieder des Politbüros oder des Nationalrates sind. Somit besteht fast kein Raum für die anderen Parteien der Mehrheit, dito für die Zivilgesellschaft.

Regionalismus und ethnische Kriterien wurden allerdings eingehalten, ein bewährtes Prinzip, das der Sohn vom Vater übernommen hat. Aber: bis auf zwei Kabinettsmitglieder sind sie alle Freimaurer – sogar aus verschiedenen Logen, was die Allmacht dieser Organisationen noch verstärkt.

Man muss sich fragen, ob eine auf solchen Grundlagen basierende Regierung die dringenden Probleme des Landes bis 2016 lösen können wird: Kampf gegen die hohen Lebenshaltungskosten, besseres Sozialniveau, bessere Versorgung mit Trinkwasser und Strom, ärztliche Versorgung und Medikamente für alle, neue betonierte Straßen … Eine erste 100-Tage-Bilanz wird zeigen, ob man auf dem richtigen Weg ist.

(Ingrid Aouane, Libreville, Foto: Präsidialamt)