Im Gespräch bleiben: zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

Im Gespräch bleiben: zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

Bamako / Mali. Erklärtes Ziel des diesjährigen Internationalen Tages ist die Mobilisierung der Jugend und deren Einbeziehung mit dem Slogan „Null Toleranz“ gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung (FGM). Die malische Ministerin für Frauen, Jugend und Familie und die Verantwortlichen des nationalen Programms gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen erläuterten auf einer Pressekonferenz die Wahl des Themas. Jugendliche bilden in Mali einen bedeutenden Teil der Bevölkerung (circa 43 %, fast jeder zweite ist unter 15 Jahren). Die Initiatoren plädieren dafür, diese Gruppe für die Aufgabe gegen die weibliche Genitalverstümmelung zu mobilisieren und zu engagieren.

Die aktuelle Situation in Mali
Die Pressekonferenz gab einen Ausblick auf das bisher Erreichte, Erfolge und Herausforderungen. Laut der letzten Studie zu Bevölkerung und Gesundheit in Mali (DHS), die 2012-2013 realisiert wurde, sind 91% der Frauen im Alter von 15-49 Jahren beschnitten. Bei Mädchen von 0-14 Jahren liegt die Rate bei 69%. Die Zahlen von 2014 belegen einen leichten Rückgang.

In der Hauptstadt von Mali ist trotz leichteren Zugangs zu Informationen die Beschneidung eine weit verbreitete Praxis. Eine Studie der Vereinigung der Kinderärzte und Gynäkologen hat im Jahr 2012 auf der Grundlage der körperlichen Untersuchung von Mädchen von 0 bis 15 in Bamako eine Prävalenzrate von 52 % herausgefunden.

Nach wie vor gibt es Mali kein Gesetz gegen diese Praxis. Zahlreiche Initiativen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene konnten erreichen, dass sich mehr und mehr Personen mit diesem Thema auseinandersetzen.

Für die Direktorin des nationalen Programms gegen die Beschneidung, kann der Kampf in Mali „nur mit der Beteiligung aller Akteure in der Gesellschaft gewonnen werden“. Von den etwa 12.000 Dörfern in Mali, haben 1088 öffentlich erklärt, keine Mädchen oder Frauen mehr zu beschneiden.

Perspektiven
Es bleibt eine Herausforderung, denn wie Alimata eine Frau mit zwei Töchtern erklärt.“ Es gehört zu den Pflichten der Eltern die Töchter gut zu erziehen, sie zu beschneiden und einen guten Mann für sie zu finden“. Werden diese Verpflichtungen nicht erfüllt sind oft Scham und soziale Ausgrenzung im Dorf die Folge. Es ist wichtig für den sozialen Status des Mädchens und der Familie, wie auch für den Respekt des sozialen Umfeldes, diesen Regeln zu folgen. Die tiefe Ungleichheit der Geschlechter in den sozioökonomischen und politischen Strukturen sind die unausweichlichen Konsequenzen, und tragen dazu bei, dass diese Praktik sich nur relativ langsam ändern lässt.

Der populäre Rapper Burkinabe Smockey drückt in seinem Song aus, dass es Zeit ist, die Klinge (das Instrument wird genutzt von den lokalen Beschneiderinnen) fallen zu lassen. Auch in der Elfenbeinküste wirbt der Reggae Star Tiken Jah Fakoly mit seiner Musik die Verstümmelung zu stoppen „denn die Frauen leiden schon genug“.

Die Aktivitäten diese Praxis einzuschränken reichen von der Mediatisierung, alternativen Initiationsriten, öffentlichen Erklärungen, keine Beschneidungen mehr auf Dorfebene vorzunehmen, alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten für traditionelle Beschneiderinnen und die fortgesetzte Diskussionen über die Folgen dieser Praktik auch in den europäischen Ländern.

Es herrscht allgemeine Übereinstimmung, dass es notwendig ist, den Dialog und die Diskussionen über diese Praxis mit den weit reichenden körperlichen und seelischen Auswirkungen zu verstärken und kontinuierlich weiter zu führen. Nach der Internationalen Gesundheitsorganisation (WHO) haben sich 100-140 000.000 Frauen einer Form von weiblicher Genitalverstümmelung unterzogen. (Theresa Endres, Text und Foto)