IPG-Journal Afrika: Die Brille des Nordens

IPG-Journal Afrika: Die Brille des NordensIn zahlreichen Ländern hat es in den letzten Jahren rechtliche Fortschritte für LGBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Inter-)Menschen gegeben – insbesondere in Westeuropa, den USA und Lateinamerika. Homosexualität wurde entkriminalisiert, gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt. Auch auf globaler Ebene hat sich etwas getan: Die Weltgesundheitsorganisation, die Homosexualität noch bis in die neunziger Jahre hinein als Krankheit listete, hat anerkannt, dass ein Leben als LGBTI-Mensch zur Normalität gehört. Und eine 2016 verabschiedete Resolution des UN-Menschenrechtsrats ruft dazu auf, Gewalt und Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität zu beenden. Trotzdem gibt es viele Länder, die LGBTI-Rechte nicht anerkennen. Insbesondere in Afrika südlich der Sahara ist der Widerstand groß.

Vereinzelt gibt es zwar konstitutionelle Fortschritte im Süden des Kontinents (Botswana, Südafrika, Mosambik u.a.). In etlichen Staaten – etwa Nigeria oder Uganda – wurden aber auch neue Gesetze gegen Homosexualität verabschiedet oder bestehende verschärft. Schon der bloße Einsatz für LGBTI-Rechte, zum Beispiel für den gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, wird teilweise kriminalisiert.

Die Gesellschaft trägt diese Repressionen meist mit. Homophobe Einstellungen halten sich in Afrika hartnäckig und LGBTI-Rechte haben nur wenige Fürsprecher. Selbst urbane Jugendbewegungen, die politische Missstände anprangern (etwa Rap-Musiker), äußern sich in der Öffentlichkeit homophob.

Progressive Politikerinnen und Politiker aus dem Norden, die von Fortschritten aus ihren eigenen Ländern motiviert sind, glauben häufig, man könne LGBTI-Rechte in Afrika vorantreiben und ihnen zu ihrem globalen Durchbruch verhelfen. Doch internationaler Druck vermag meist nichts zu ändern, im Gegenteil. Als die Regierung Großbritanniens Nigeria etwa mit einer Reduzierung der Entwicklungshilfe drohte, um ein Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Ehen zu stoppen, verfiel das gesamte politische Establishment in eine „Jetzt erst recht“-Haltung: Der Text wurde in Windeseile verabschiedet. Und die senegalesische Regierungszeitung „Le Soleil“ titelte nach einem Besuch des kanadischen Premierministers in Dakar, bei dem das Thema am Rande angesprochen worden war, triumphierend: „Unsere Gesellschaft akzeptiert keine Homosexualität“. Es folgten Glückwünsche aus dem religiösen und politischen Establishment an den Präsidenten. (Friedrich-Ebert-Stiftung)

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