IPG Journal: Afrika / Mali – Erschütterung der Machtverhältnisse

Straße in Bamako. Foto: ia

In Mali hat das Militär Präsident Keïta und seine Regierung gestürzt. Der Putsch könnte die gesamte Region destabilisieren.

Ein Interview mit Christian Klatt, Büroleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bamako, Mali.

Am Mittwoch hat das Militär den malischen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta in einem schnellen und unblutigen Coup d‘état zum Rücktritt gezwungen. Dem waren monatelange Proteste im Nachgang zu den kontroversen Parlamentswahlen im April vorausgegangen. Warum kam es nun zu einem so drastischen Eingriff des Militärs?

Der tatsächliche Auslöser für den Putsch ist noch unklar. Einer der führenden Putschisten wurde wohl am Tag zuvor seines Amtes enthoben; ob dies aufgrund von Putschvermutungen geschah, wurde bisher nicht offiziell kommentiert. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen von 2012, aber auch bereits des Machtwechsels 1991, ist der Putsch nicht unbedingt überraschend. Während der Proteste seit Juli hatte sich das Militär zurückgehalten, Beobachter hatten allerdings erwartet, dass sich die Oberbefehlshaber der malischen Armee bald für oder gegen Präsident Keïta würden entscheiden müssen. Dies ist nun geschehen. Die Gründe dafür sind bei den Putschisten ähnlich gelagert wie bei einem Großteil der malischen Bevölkerung, die ebenfalls sehr unzufrieden mit Keita war: Angekündigte Reformen wurden nicht umgesetzt und die Korruption im Staat wuchs. Zudem beklagt das Militär seit Jahren fehlende Ausrüstung und Unterstützung. Angesichts der Verluste, die die malische Armee in den letzten Jahren und Monaten immer wieder erleiden musste, überrascht dieser Putsch nicht.

Hinter der Protesten gegen die Regierung stand ein sehr heterogenes Bündnis unterschiedlicher gesellschaftlicher Kräfte. Haben diese Kräfte gemeinsame Ziele über den Rücktritt hinaus oder werden nun interne Querelen entstehen?

Die Bewegung des 5. Juni (Mouvement de 5 Juin, M5) hatte vor allem die Absetzung Keïtas und damit die Abkehr von seiner Regierung auf der Agenda. Dies ist nun erreicht. Glaubt man der Rhetorik der Bewegung, war ihr Hauptanliegen, die Probleme der malischen Bürger anzugehen, die sie in Keïta verkörpert sahen. Probleme wie das grundlegende Sicherheitsrisiko im Land, mangelnde Ernährung, hohe Jugendarbeitslosigkeit und fehlende wirtschaftliche Perspektiven, um nur einige zu nennen. Diese sind mit dem Abtritt Keitas allerdings nicht gelöst. Es ist zu hoffen, dass M5 und seine Organisatoren auch weiterhin eine positive Entwicklung für Mali vorantreiben wollen. Eines der drängendsten Ziele wäre der Kampf gegen die grassierende Korruption. Eine Neuverteilung von Ämtern nach dem Putsch könnte nicht nur die Möglichkeit bieten, alteingesessene Amtsinhaber aus ihren hervorgehobenen Positionen zu entfernen, sondern natürlich auch generell Korruptionsstrukturen aufzubrechen.

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