IPG-Journal / Afrika: Ware Freundschaft

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©Etinosa Yvonne

Zwischen Nigeria und Benin ist ein Handelskonflikt entbrannt. Dabei stehen die persönlichen Interessen der Mächtigen im Vordergrund.

Handelskriege kommen derzeit schwer in Mode. Der prominenteste – und für die Weltwirtschaft gefährlichste – spielt sich unzweifelhaft zwischen den USA und China ab. Doch die Liste protektionistisch agierender Länder wächst, auch Nachbarn geraten zunehmend in Zwist miteinander. Das ist auf dem afrikanischen Kontinent nicht anders. So hat im August Nigeria seine Außengrenzen über Nacht ohne Ankündigung für viele Waren aus dem angrenzenden Benin geschlossen.

Produzenten, Marktfrauen und Straßenhändler bleiben auf ihren Erzeugnissen sitzen. Geldwechsler, Hafenarbeiter und Lkw-Fahrer sind ohne Arbeit. Am Kontrollposten Sèmè stauen sich auf beiden Seiten des Schlagbaums mehr als siebenhundert Trucks und Sattelschlepper mit zum Teil verderblichen Gütern. Ein Ende der Blockade, die zunächst vier Wochen andauern sollte, ist nach letzten Meldungen aus Abuja, der Hauptstadt Nigerias, nicht in Sicht.

Einen Handelskrieg kann keines der beiden Länder brauchen. Benin, ein kleiner Staat mit 11 Millionen Einwohnern und einer vorwiegend agrarisch geprägten Wirtschaftsstruktur, hängt ökonomisch vom benachbarten Nigeria ab. Dieses hat nicht nur die größte Volkswirtschaft Subsahara-Afrikas, es ist mit geschätzt 200 Millionen Einwohnern auch der bevölkerungsreichste Staat des Kontinents. Offiziell gehen nur 7 Prozent der beninischen Exporte nach Nigeria. Doch entlang der 775 Kilometer langen gemeinsamen Grenze findet an etwa 100 illegalen Grenzübergängen ein intensiver informeller Warenaustausch statt, der in die offiziellen Statistiken nicht einfließt: Gemüse, Getreide, Speiseöle und Früchte aus Benin finden regen Absatz in Nigeria, Treibstoff und Industrieprodukte von dort stehen bei den westlichen Nachbarn wiederum hoch im Kurs.

Den Wirtschaftsgiganten stört seit langem, dass Benin in großem Maßstab Reis aus Südostasien sowie Gefrierfleisch und Gebrauchtwagen aus Europa, den USA und den Golfstaaten einführt und die Waren postwendend und meist illegal nach Nigeria weiterexportiert. Dessen Präsident Buhari erklärt die Grenzschließung denn auch mit den Risiken für die nationale Ernährungssicherung, insbesondere die Getreideproduktion. Da innerhalb der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) im Prinzip ein freier Warenaustausch zwischen den Mitgliedsländern vereinbart ist, ist der nigerianische Reis der billigeren „beninischen“ Konkurrenz im Wettbewerb unterlegen.

In Kürze soll ein Treffen der beiden Präsidenten stattfinden. Doch die Stimmung ist vergiftet – sowohl in Benin als auch in Nigeria sind politische und ökonomische Interessen eng miteinander verwoben.

Für die beninische Volkswirtschaft und den Staatshaushalt sind erhebliche negative Auswirkungen zu befürchten. Der informelle Handel mit Nigeria trägt nach Angaben der Weltbank etwa 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. 15 bis 20 Prozent der Steuereinnahmen stammen aus dem Warenverkehr mit seinem Nachbarn. Bester Indikator der Krise ist der bereits um 50 bis 75 Prozent gestiegene Preis für „kpayo“, das geschmuggelte, neben der Straße vertickte Benzin. Bisher kostete es aufgrund hoher Subventionen in Nigeria nur die Hälfte des offiziellen Tarifs. Für den Personennahverkehr, der sich zu 90 Prozent aus der illegalen Quelle versorgt, bedeutet dies eine proportionale Kostensteigerung, die alle Nutzer von Autos und Motorradtaxis empfindlich trifft.

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